Sekundenschlaf im Auto: Sichere Fahrt in den Urlaub

Eingeschlafene Fahrer sind für nahezu jeden vierten tödlichen Pkw-Verkehrsunfall auf Autobahnen verantwortlich. Dennoch unterschätzen viele Autofahrer die Gefahr, die Müdigkeit am Steuer mit sich bringt. Kaum einer weiß, dass sie die Fahrtüchtigkeit ähnlich stark einschränkt wie Alkohol.

Laut der Statistik-Plattform Statista ziehen rund 45 Prozent der deutschen Urlauber den Pkw anderen Transportmitteln wie Flugzeug, Bus oder Bahn vor. Hauptgrund für diese Wahl ist die große Unabhängigkeit, die die Fahrt mit dem eigenen Fahrzeug mit sich bringt, und zwar nicht nur am Urlaubsort. Wer mit dem Auto in den Urlaub fährt, kann auch entscheiden, wie viel Gepäck er mitnimmt, ob er lieber morgens oder abends losfährt, sowie wann, wo und wie oft er Pausen einlegt.

Zu wenig Pausen

Allerdings scheint genau das ein Problem zu sein. Laut einer im Oktober 2016 vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat beauftragten TNS-Emnid-Umfrage hält sich nur etwa jeder Dritte der befragten Fahrer und Fahrerinnen an das empfohlene Pausenintervall und pausiert nach circa zwei Stunden. Über 50 Prozent legen erst nach drei bis vier Stunden oder später eine Pause ein. „Der Wunsch, so schnell wie möglich am Urlaubsort ankommen zu wollen, lässt viele Autofahrer länger hinter dem Steuer sitzen, als gut für sie ist. Dabei führt Müdigkeit zu Konzentrationsproblemen, verminderter Reaktionszeit und im schlimmsten Fall zum Sekundenschlaf“, weiß Dr. Utta Petzold, Medizinerin bei der BARMER. Welches Risiko damit verbunden ist, haben Verkehrssicherheits-Experten genau berechnet. Demnach hat ein Autofahrer, dem bei Tempo 100 für drei Sekunden die Augen zufallen, rund 83 Meter weit keine Kontrolle über sein Fahrzeug.

Auf Warnsignale achten

Besonders groß ist das Risiko laut Petzold für Autofahrer, die gegen ihre innere Uhr in den Urlaub starten. „Wer seine Fahrt in die Ferien nach einem normalen Arbeitstag am späten Abend beginnt, entgeht zwar vielleicht einigen Staus, wird aber früher oder später von der Müdigkeit übermannt und gefährdet dadurch sich und andere“, so Petzold. Deshalb empfiehlt die Expertin, unbedingt auf typische Warnsignale für einen drohenden Sekundenschlaf zu achten. Wer häufig gähnen muss, plötzlich fröstelt oder Schwierigkeiten hat, mit dem Auto in der Spur zu bleiben, sollte dringend den nächsten Rastplatz aufsuchen.

Pausen sind das A und O

Am besten sollten Autofahrer sich natürlich gut ausgeruht hinters Steuer setzen. Doch gerade bei längeren Fahrten oder sehr monotonen Strecken kann sich auch bei eigentlich ausgeschlafenen Fahrern Müdigkeit ausbreiten. Dagegen helfen auch Tricks wie das Öffnen eines Fensters oder das Aufdrehen der Musik nicht. Und selbst moderne Assistenzsysteme im Auto haben zwar eine Warnfunktion, können aber Sekundenschlaf-Unfälle nicht gänzlich verhindern. Bewährt haben sich stattdessen regelmäßige Fahrerwechsel und Pausen, bei denen sich der Autofahrer etwas an der frischen Luft bewegt. Das bringt den Kreislauf in Schwung und beugt nebenbei auch noch Rückenschmerzen vor. Wer besonders müde ist, kann eine solche Pause aber auch für einen Kurzschlaf nutzen. Petzold kennt einen Trick: „Mit Schlüsselbund in der Hand die Augen schließen. Wenn der Schlüsselbund zu Boden fällt, war man kurz eingenickt und ist in der Regel fit für die nächste Etappe.“ Außerdem sollten Autofahrer ausreichend trinken, am besten Mineralwasser, gesüßte Tees oder verdünnte Fruchtschorlen, und auch rechtzeitig etwas leicht Verdauliches essen.

Webcode dieser Seite: p009677 Autor: Barmer Erstellt am: 14.06.2018 Letzte Aktualisierung am: 15.06.2018
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