Internationaler Tag gegen Lärm: Lärmpausen für die KLeinen

Ob elektronisches Spielzeug, Lernspiele mit lautem Gedudel, Dauerberieselung durch Fernsehen und Radio oder Straßenlärm – unser Gehör ist täglich vielen Reizen ausgesetzt. Permanenter Lärm nervt Groß und Klein, kann Stress-Symptome und Hörminderungen hervorrufen sowie die Sprachentwicklung, Lesefähigkeit und mentale Leistungsfähigkeit von Kindern beeinträchtigen. Eltern sollten ihren Nachwuchs daher bereits früh vor übermäßigem Lärm schützen.

Junge hält sich die Ohren zu
 ©Robert Kneschke / Fotolia.com


Rasseln, Spielzeugpistolen oder Trillerpfeifen, die aufgedrehte Musikanlage oder das Hören von Musik über Kopfhörer mit Smartphones stellen neben Umweltlärm durch Autos oder Baustellen für den gesamten Organismus eine Belastung dar. „Kinder leiden besonders unter den Folgen von Lärm. Manche reagieren darauf mit Ärger oder Unzufriedenheit, können sich nicht gut konzentrieren oder haben Kopfschmerzen, andere sind nervös oder schlafen schlecht“, erklärt Dr. Utta Petzold, Medizinerin bei der BARMER. Ist der Lärm dauerhaft zu groß, können sogar Hörminderungen die Folge sein. Jedes achte Kind zwischen acht und 14 Jahren zeigt bereits Beeinträchtigungen im Hörvermögen. Das Tückische daran ist, dass es sich dabei um einen schleichenden Prozess handelt. „Oft wird erst spät erkannt, wie sehr sich die Hörleistung verschlechtert hat. Es kann dadurch bereits zu einer verzögerten Sprachentwicklung gekommen sein, Schüler lernen schlechter, manchmal leiden sogar soziale Beziehungen darunter. Eltern sollten das Gehör ihrer Kinder daher schon beim geringsten Verdacht auf ein schlechtes Hörvermögen untersuchen lassen“, so Petzold.

Ruhepausen schaffen, auf Lautstärke achten

Lautes Lachen und Spielen auf dem Schulhof oder im Kindergarten gehören zum gesunden Heranwachsen dazu und sind ein wichtiger Ausdruck von Lebensfreude. Allerdings sollten sich laute Phasen auch mit ruhigen Zeiten abwechseln. In dieser Zeit können sich alle in entspannter Atmosphäre Tätigkeiten wie Lesen, Malen oder Puzzeln widmen. Wer sein Kind im privaten Umfeld vor zu viel Lärm schützen möchte, sollte möglichst keine lärmenden Spielzeuge kaufen. Außerdem sind viele vermeintlichen Spielsachen wie Spielzeugpistolen, Knackfrösche oder auch Kindertrompeten in Wirklichkeit Scherzartikel. Diese sind oft lauter als es für Spielzeuge erlaubt ist. Ein guter Indikator für eine zu hohe Lautstärke kann auch das Kind selbst sein. „Sobald ein Kind von sich aus äußert, dass ein Geräusch oder die Musik zu laut ist, ist höchste Aufmerksamkeit geboten. Viel zu oft beurteilen Erwachsene auf der Basis ihrer eigenen Hörschädigung, was sie Kindern an Lautstärke zumuten“, erklärt Petzold.

Beim Kauf von akustischem Spielzeug rät die Expertin, auf das GS-Zeichen zu achten und die Lautstärke direkt am Ohr selbst zu testen. Kinder und Jugendliche, die häufig über Kopfhörer Musik mit ihrem Smartphone oder MP3-Player hören, sollten Geräte nutzen, die mit einem automatischen Lautstärkebegrenzungssystem ausgestattet sind. Grundsätzlich gilt: Ist die Musik trotz Kopfhörer auch für Außenstehende zu hören, ist die Lautstärke zu hoch. Beim Besuch von Diskotheken oder lauten Konzerten helfen Ohrstöpsel. Andernfalls kann nach einer Schallüberlastung ein Pfeifen oder auch dumpfes Gefühl im Ohr auf eine vorübergehende Hörschädigung hinweisen. Dann ist es wichtig, etwa zwölf Stunden Ruhepause einzulegen, damit sich die geschädigten Zellen im Ohr wieder erholen können. 

Die Barmer bietet zusammen Mimi Hearing Technologies GmbH zwei Apps zur Überprüfung und Erhaltung des persönlichen Hörvermögens an. Mit Mimi Hörtest und Mimi Music können Nutzer einen Hörtest machen und daraufhin die Musik auf ihrem Smartphone an das eigene Gehör anpassen. Auf diese Weise ist es ihnen möglich, bei geringerer Lautstärke mehr Details zu hören. Informationen zur App gibt es auch unter www.mimi.io.

 

INFO
So laut ist die Umwelt

  • Spielzeugpistole in 25 cm Abstand vom Ohr abgefeuert: 150 Dezibel. Neben dem Ohr abgefeuert ist sie sogar lauter als der Knall von echten Waffen am Ohr des Schützen.
  • Player von Smartphones und MP3-Playern: 100 Dezibel und mehr.
  • normale Gesprächslautstärke: 60 Dezibel
  • spielende Kinder: bis zu 80 Dezibel
  • Startgeräusch eines Flugzeugs: 130 Dezibel
  • Info: Unsere Schmerzgrenze liegt bei 120 Dezibel.
Webcode dieser Seite: p007315 Autor: Barmer Erstellt am: 14.03.2017 Letzte Aktualisierung am: 15.03.2017
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