Familienwandern: So kommt auch der Nachwuchs auf Touren

Wandern hatte lange Zeit ein sehr verstaubtes Image. Doch aus dem vermeintlichen Hobby für Senioren hat sich inzwischen eine Trendsportart für alle Altersklassen entwickelt. Auch und gerade Familien mit Kindern zieht es regelmäßig hinaus in die Natur. Mit der richtigen Vorbereitung wird aus einer solchen Wanderung ein unvergessliches Familienerlebnis.

Ob Wattwandern im Norden oder Bergtouren im Süden, Wandern in Deutschland ist dank fast 200.000 Kilometer befestigter Wanderwege vielfältig und abwechslungsreich. Kein Wunder, dass Schätzungen zufolge rund 40 Millionen Deutsche regelmäßig die Wanderschuhe schnüren. Auch für Familien ist diese Art der Freizeitgestaltung ideal, um gemeinsam Zeit miteinander zu verbringen. Allerdings ist für manche Kinder die Aussicht auf einen mehrstündigen Marsch durch die Natur eher abschreckend als motivierend. „Vielen Kindern ist der natürliche Bewegungsdrang durch unseren sitzenden Lebensstil inzwischen regelrecht abtrainiert worden. Da müssen Eltern manchmal in die Trickkiste greifen, sowohl bei der Planung, als auch während der Wanderung selbst“, sagt Klaus Möhlendick, Diplom-Sportwissenschaftler bei der Barmer.

Richtige Ausrüstung für Groß und Klein

Los geht es mit der richtigen Ausrüstung. Das A und O sind feste, wasserdichte Schuhe mit einer rutschfesten Sohle sowie ein Rucksack. Auch wenn Kinder nicht so viel tragen sollen wie die Erwachsenen, gibt es ihnen ein gutes Gefühl, wenn sie wie die Großen ausgerüstet sind. Deshalb sollten Eltern ihnen einen kleinen Rucksack mit Platz für etwas Proviant und eine Regenjacke zugestehen. In den Rucksack der Erwachsenen gehört neben Proviant und Regenkleidung auf jeden Fall ein Erste Hilfe-Set, Kartenmaterial – egal ob digital oder in Papierform – und, je nach Wetter und Region, gegebenenfalls UV- und Insekten-Schutz. Wer öfter auf Tour geht, sollte für sich selbst und den Nachwuchs in gute Outdoor-Schuhe investieren. „Ob es ein klassischer Bergstiefel oder auch ein Halbschuh sein soll, hängt vor allem davon ab, in welchen Regionen überwiegend gewandert wird. Hier empfiehlt sich die Beratung in einem Fachgeschäft. Sind die Kinder skeptisch und wollen lieber in ihren Lieblingsturnschuhen wandern gehen, kann man zumindest den Jüngeren von den vermeintlich magischen Kräften der neuen Schuhe erzählen, die das Laufen erleichtern“, rät Möhlendick.

Route auf Kinder abstimmen

Für die Streckenplanung empfiehlt der Experte, die Wanderung einerseits auf die Bedürfnisse und Wünsche der Kinder abzustimmen, und andererseits auch unbedingt deren körperliche Konstitution zu berücksichtigen (s. Infokasten). So sollte eine kindgerechte Wanderstrecke nicht zu anspruchsvoll, dafür aber möglichst abwechslungsreich sein. Wasserläufe, Aussichtstürme oder andere Besonderheiten entlang der Strecke sprechen den Entdeckergeist der Kinder an. Viele Regionen haben mittlerweile sogar spezielle Themenwanderwege für Kinder im Angebot. Die Auswahl reicht von Märchenwegen über Baumwipfel- und Walderlebsnispfade, Moorwege bis hin zu Tierbeobachtungspfaden. Ein zusätzlicher Anreiz kann die Vorfreude auf ein attraktives Etappenziel sein – wie beispielsweise ein Wildgehege oder einen Abenteuerspielplatz. „Falls die Strecke einmal nicht so viele Highlights hergibt, sollten Eltern vorbereitet sein und sich ein paar Entdeckerspiele überlegt haben. Je nach Alter können beispielsweise Baumarten, Vogelstimmen oder Tierspuren erraten werden, oder man lässt die Kinder etwas sammeln. Hier ist der Kreativität der Eltern keine Grenzen gesetzt“, so Möhlendick.

Solche Spiele, die Entdeckerlust sowie die körperliche Konstitution der Kinder sorgen dafür, dass Wandern mit Nachwuchs mehr Zeit in Anspruch nimmt. Als Faustregel sollte man für eine Wanderstrecke mit Kindern etwa 50 Prozent mehr Zeit einplanen, als wenn man alleine unterwegs wäre. Hinzu kommen noch Pausen, in denen sich Eltern und Kinder auch ein paar Minuten für Dehnübungen nehmen sollten, um Muskelkater vorzubeugen.

Wie lange in welchem Alter?

  • Babys und Kleinkinder: Sobald Kinder alleine stabil sitzen können, dürfen sie in einer Rückentrage mit auf Wanderschaft gehen. Experten empfehlen mindestens eine Pause pro Stunde und eine Gesamtdauer von maximal drei bis vier Stunden.
  • Drei bis sechs Jahre: Tagestouren sollten nicht länger als vier Stunden dauern. Lange Erholungs- und Spielpausen gehören dazu.
  • Sechs bis zehn Jahre: Mit entsprechenden Pausen sind Gehzeiten bis zu fünf Stunden möglich.
  • Zehn bis 14 Jahre: Auch wenn Kraft und Ausdauer zunehmen, sollten Gehzeiten von sechs bis sieben Stunden nicht überschritten werden. Pausen nicht vergessen.
Webcode dieser Seite: p009457 Autor: Barmer Erstellt am: 15.05.2018 Letzte Aktualisierung am: 15.05.2018
Nach oben