Einsamkeit: Isolation macht krank

Rauchen, Alkohol und ungesunde Ernährung schaden unserer Gesundheit. Daran zweifelt heute niemand mehr. Neue Studien zeigen jetzt auf, dass Einsamkeit genauso schädlich ist. Doch was genau ist Einsamkeit eigentlich? Welche Auswirkungen kann sie haben? Und was lässt sich dagegen tun?

Nicht jeder, der allein wohnt, fühlt sich automatisch einsam. „Viele Menschen können über einen langen Zeitraum allein sein, empfinden aber keine Einsamkeit. Sie haben beispielsweise erfüllende Hobbies und sind sozial gut vernetzt. Das Gefühl von Einsamkeit tritt erst ein, wenn sich Unzufriedenheit über die geringe Zahl von sozialen Kontakten oder auch über deren Qualität breitmacht“, erklärt Andrea Jakob-Pannier, Psychologin bei der Barmer. Häufig sind gesundheitliche Probleme ein auslösender Faktor für das subjektive Empfinden von Einsamkeit, denn wer körperlich eingeschränkt ist, kann nur schwer am sozialen Leben teilnehmen und Kontakte knüpfen oder aufrechterhalten. Aber auch große Veränderungen im Leben können Einsamkeit auslösen, beispielsweise der Tod von Nahestehenden oder auch ein Umzug in ein neues soziales Umfeld.

Gesundheitliche Folgen

Verschiedene Studien haben gezeigt, dass es sich negativ auf die Gesundheit auswirken kann, wenn man sich langfristig einsam fühlt. „Einsame Menschen entwickeln oft eine Depression oder andere psychische Erkrankungen, wie beispielsweise Angststörungen. Auch das Risiko für eine Demenz oder einen Suizid ist erhöht. Zudem leiden die Betroffenen häufiger an Herz-Kreislaufproblemen und Übergewicht, sind weniger körperlich aktiv und rauchen häufiger“, so Jakob-Pannier. Eine Auswertung von 140 Studien mit insgesamt über 300.000 Menschen zeigte, dass Einsamkeit der Gesundheit genauso schadet wie Alkoholmissbrauch oder auch das Rauchen von 15 Zigaretten pro Tag. Eine andere Untersuchung fand heraus, dass Menschen, die mit dem Gefühl von Einsamkeit zu Bett gingen, am folgenden Morgen einen erhöhten Kortisolspiegel aufwiesen. Die höhere Konzentration an Stresshormonen im Blut steigert damit auch das Risiko für stressbedingte Erkrankungen. Umgekehrt konnten Studien positive Effekte auf die körperliche Gesundheit oder das Risiko eines vorzeitigen Todes bei einem guten sozialen Umfeld nachweisen. „Wer sozial aktiv ist, lebt in der Regel länger als isoliert lebende Menschen“, so Jakob-Pannier.

Wege aus der Einsamkeit

Häufig ist es schwer, einen Weg aus der Einsamkeit zu finden. „Einsame Menschen sollten versuchen, das eigene Leben etwas zu verändern und aus den üblichen Abläufen auszubrechen. Dazu gehört auch, wieder mehr auf andere zuzugehen“, erklärt die Psychologin. Um welche Art von Kontakt es sich handelt, ist dabei zunächst gar nicht so wichtig. Schon der Plausch mit dem Nachbarn oder ein Gespräch an der Bushaltestelle kann ein Anfang sein. Auch ein geselliges Hobby in einem Verein oder das Ausüben eines Ehrenamtes hilft, neue Kontakte zu knüpfen. Dabei darf man aber nicht zu ungeduldig sein, denn es braucht Zeit, um eine soziale Beziehung aufzubauen. Wer die Möglichkeit hat, kann sich ein Haustier anschaffen. Tiere haben nachgewiesenermaßen einen positiven Effekt auf die Psyche, außerdem kommt man bei einem Spaziergang mit einem Hund leichter mit anderen Hundebesitzern ins Gespräch. Alternativ freuen sich viele städtische Tierheimen über Unterstützung beim Ausführen der Hunde. In diesem Fall würde man auch noch regelmäßige Kontakte zu den Tierheimmitarbeitern pflegen und sich gebraucht fühlen, also etwas für sein Selbstwertgefühl tun. Wer es allein nicht schafft, aus dem Gefühl der Einsamkeit herauszukommen, sollte mit einem Arzt darüber sprechen. Hilfreiche Anlaufstellen sind auch Selbsthilfegruppen.

Helfen virtuelle Kontakte?

Kontakte, die ausschließlich virtuell geknüpft werden, ersetzen keine Begegnungen aus dem täglichen Leben. Allerdings können sie diese gut ergänzen. Das gilt beispielsweise für Beziehungen mit Menschen, die man aufgrund von großen Entfernungen nur schwer pflegen kann, beispielsweise wenn die Familie weit entfernt wohnt. Hier können Videotelefonate helfen, in Kontakt zu bleiben und am Leben des Anderen teilzunehmen. Auch Menschen mit Angststörungen, die unter anderen Umständen gar keine Kontakte mehr aufbauen, können von virtuellen kontakten profitieren. Allerdings sollten diese nicht die einzigen bleiben.

 

Webcode dieser Seite: p011008 Autor: Barmer Erstellt am: 15.02.2019 Letzte Aktualisierung am: 15.02.2019
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