Nebenwirkung: Wach! Wenn Medikamente den Schlaf rauben

Schätzungsweise zwischen 15 und 20 Prozent der Deutschen leiden unter Schlafstörungen. Bei der Ursachenforschung lohnt sich auch ein Blick auf die Medikamentenliste, denn manche Arzneimittel entpuppen sich bei genauerer Betrachtung als Schlafräuber.

Wer über einen längeren Zeitraum abends nur schwer einschlafen oder nachts nicht durchschlafen kann, leidet aus medizinischer Sicht unter einer Schlafstörung. Die Gründe dafür sind vielfältig. Neben psychischen Belastungen und körperlichen Erkrankungen kommen möglicherweise auch Medikamente als Ursache in Betracht. „Ein Blick auf den Beipackzettel eines Arzneimittels macht deutlich, dass es bei der Einnahme einige Details zu beachten gibt. Denn was wirkt, hat in der Regel auch unerwünschte Wirkungen. Eine davon kann Schlaflosigkeit sein“, sagt Heidi Günther, Apothekerin bei der BARMER.

Medikamente können ihre schlafstörende Wirkung auf dreierlei Art entfalten. Sie stören entweder den Einschlafprozess, lassen Betroffene nicht durchschlafen oder sorgen für einen generell zu kurzen Nachtschlaf. Im schlimmsten Fall machen sich alle drei Auswirkungen bemerkbar. So werden beispielsweise zur Therapie von Atemwegserkrankungen wie Asthma oder chronischer Bronchitis Glucocorticoide verschrieben. Die therapeutisch eingesetzten Glucocorticoide ähneln körpereigenen Steroidhormonen. Da sie in den Hormonhaushalt eingreifen, können sie Schlafstörungen verursachen. Menschen, die unter Arthritis leiden, werden häufig mit Arzneimitteln therapiert, die sogenannte nichtsteroidale Antirheumatika enthalten. Diese Wirkstoffe können neben ihrer schmerzlindernden Wirkung auch zu Magenproblemen, nächtlichen Bauchschmerzen und Sodbrennen führen. Diese Beschwerden können dann den nächtlichen Schlaf rauben.

Schlafstörungen können aber nicht nur als Begleiterscheinung auftreten, sondern auch direkte Folge der Hauptwirkung eines Medikaments sein. So ist es Aufgabe mancher Antidepressiva, den Patientinnen und Patienten zu mehr Antrieb zu verhelfen. In Folge kann sich allerdings auch eine Rastlosigkeit einstellen, die einen gesunden und ausgiebigen Schlaf erschwert. Zur Behandlung des Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Syndroms (ADHS) kommt der Wirkstoff Methylphenidat zum Einsatz, der Schlafstörungen verursachen kann. Das Einschlafen fällt dann schwerer und der Schlaf ist kürzer und weniger erholsam.

Der richtige Umgang mit der Schlaflosigkeit

Patienten, die auf Medikamente angewiesen sind, die den Schlaf beeinträchtigen, sind der Situation allerdings nicht hoffnungslos ausgeliefert. „Der Körper muss sich erst an das neue Medikament gewöhnen. Das ist ganz normal, und man braucht unter Umständen etwas Zeit. Es kann bis zu drei Wochen dauern, bis der Organismus den Wirkstoff akzeptiert. Danach lassen viele Nebenwirkungen zumindest teilweise nach“, so Günther. Laut der Apothekerin liegt die Ursache für eine Schlafstörung mitunter auf den zweiten Blick außerdem gar nicht an äußeren Umständen, wie Medikamenten, Stress oder Lärm. Schaue man abends zu lange fern oder versuche das Einschlafen zu erzwingen, könne man sich Schlafstörungen sogar antrainieren. Mediziner sprächen dann von „erlernter Insomnie“. Bei der Frage, ob der gestörte Schlaf an mangelnder Schlafhygiene oder an den Nebenwirkungen von Medikamenten liegt, gelte grundsätzlich der bekannte Hinweis: „Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.“


Webcode dieser Seite: p011506 Autor: BarmerErstellt am: 15.05.2019 Letzte Aktualisierung am: 15.05.2019
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