Herzmuskelentzündung: Erkältung mit weitreichenden Folgen

Schnupfen, Husten, Fieber- und Kopfschmerzen sind die typischen Symptome für einen grippalen Infekt. Für die meisten ist die Erkältung nach ein paar Tagen überstanden, doch in manchen Fällen können sich im Nachgang die Herzmuskelzellen entzünden. Wird das zu spät bemerkt, kann es lebensgefährlich werden.

Die Symptome für eine Myokarditis, wie die Herzmuskelentzündung auch genannt wird, sind häufig schwer zu erkennen. Die Entzündung der Herzmuskelzellen erfolgt meist schmerzlos. Liegt eine sogenannte infektiöse Myokarditis, also eine Herzmuskelentzündung, die durch Viren oder Bakterien verursacht wird, vor, kommen zu den grippalen Symptomen oft Müdigkeit, Erschöpfung, Schwäche und deutlich verringerte Belastbarkeit, Appetit- und Gewichtsschwankungen hinzu. „Am Herzen selbst verspüren die wenigsten Patienten Schmerzen. Manchmal kommt es zu vermehrtem Herzklopfen oder auch Herzstolpern. Das ist aber nicht die Regel“, erklärt Dr. Ursula Marschall, leitende Medizinerin bei der Barmer. Diese diffusen Symptome führen oft dazu, dass die Myokarditis erst spät erkannt wird. „Eine frühe Diagnose ist bei einer Herzmuskelentzündung von entscheidender Bedeutung für den weiteren Verlauf der Erkrankung. Je später sie erkannt wird, desto größer ist die Gefahr, dauerhaft eine chronische Herzschwäche zu entwickeln, oder akut schwere Herzrhythmusstörungen zu erleiden. Diese können sogar zum plötzlichen Herztod führen“, so die Expertin.

In mehr als der Hälfte aller Erkrankungen sind Viren die Auslöser für eine Myokarditis. Hier sind vor allem Erkältungs-, Grippe-, Herpes- oder auch Masernviren zu nennen. Eine infektiöse Myokarditis kann aber auch durch Bakterien ausgelöst werden, beispielsweise durch die Erreger einer Mandelentzündung, durch Scharlacherreger oder Bakterien, die eine Blutvergiftung hervorrufen. Eine Myokarditis kann aber auch entstehen, ohne dass Viren und Bakterien beteiligt sind. Sie wird dann als „nicht-infektiös“ bezeichnet. Ursache dafür kann beispielsweise eine Strahlentherapie oder auch die Einnahme von speziellen Medikamenten sein.

Strikte Schonung nötig

Da der schnelle Therapiebeginn für die Heilungschancen sehr wichtig ist, sollte man bei nicht abklingenden Erkältungssymptomen und Verdacht auf eine Herzmuskelentzündung unbedingt einen Arzt aufsuchen. Dieser wird zur Abklärung gegebenenfalls ein EKG machen und Blutuntersuchungen vornehmen lassen. Sobald festgestellt wurde, was die Ursache für die Myokarditis ist, kann eine gezielte Therapie beginnen. Bei einer durch Bakterien ausgelösten Entzündung können Antibiotika eingesetzt werden. Außerdem werden häufig auch Medikamente eingesetzt, die die Herzarbeit entlasten, beispielsweise Betablocker. „Für eine vollständige Genesung ist absolute Schonung das wichtigste Mittel. Jede Anstrengung für das Herz sollte vermieden werden, um keine langfristigen Folgen wie Herzschwäche und Co. zu riskieren. Der behandelnde Arzt wird nach einigen Wochen eine Kontrolluntersuchung vornehmen, und entscheiden, ob und wie viel Schonung noch nötig ist“, so Marschall.

Webcode dieser Seite: p012324 Autor: Barmer InternetredaktionLetzte Aktualisierung: 17.10.2019
Nach oben