Chlamydien: Meist unerkannt, immer gefährlich

Eine Infektion mit Chlamydien zählt zu den weltweit häufigsten sexuell übertragbaren Infektionen. Eine Ansteckung kann weitreichende gesundheitliche Probleme haben, vor allem für Frauen. Für sie kann Unfruchtbarkeit die Folge sein.

In Deutschland erkranken schätzungsweise rund 300.000 Menschen jährlich an einer Chlamydien-Infektion. Die Dunkelziffer dürfte allerdings noch deutlich darüber liegen, denn die Infektion kann symptomlos verlaufen und muss nicht an die Gesundheitsämter gemeldet werden. Laut Berufsverband der Frauenärzte e.V. ist sie die häufigste Ursache für eine nicht-angeborene Kinderlosigkeit. Dennoch sind Chlamydien weitgehend unbekannt. „Viele Infizierte bemerken keine Beschwerden, und lassen sich deshalb auch nicht behandeln. Das Risiko einer Weiterverbreitung ist daher sehr hoch “, so Dr. Utta Petzold, Fachärztin für Haut- und Geschlechtskrankheiten bei der Barmer.

Die Bakterien werden durch ungeschützten Geschlechtsverkehr übertragen und können sich an verschiedenen Stellen des Körpers ansiedeln. Dazu gehören beispielsweise die Zellen der Augen, des Gebärmutterhalses, des Enddarms und Afters oder der Harnröhre. Falls Symptome auftreten, kann das ein bis drei Wochen nach dem sexuellen Kontakt, allerdings auch deutlich später, der Fall sein. Es handelt sich dann beispielsweise um einen ungewöhnlichen Ausfluss aus der Scheide oder dem Penis, oder auch um Schmerzen beim Wasserlassen. Bei Frauen kann es zudem zu Zwischenblutungen oder Blutungen nach dem Geschlechtsverkehr kommen, bei Männern zu einer schmerzhaften Schwellung der Hoden.

Chlamydien sollten immer ärztlich behandelt werden

„Wer einen Verdacht auf eine Infektion mit Chlamydien hat, sollte sich immer ärztlich untersuchen lassen. Wird sie nicht behandelt, kann das weitreichende Folgen haben“, weiß Petzold. Stecken sich Männer mit Chlamydien an, kann es bei ihnen zu einer Nebenhoden- oder auch Prostataentzündung kommen. Frauen können unter anderem schmerzhafte Entzündungen im Beckenbereich entwickeln. Bei Schwangeren kann es zu Komplikationen noch während der Schwangerschaft kommen. Außerdem können Schwangere, die an einer Chlamydien-Infektion erkranken, die Bakterien während der Geburt auf ihr Baby übertragen. Dieses kann dann an einer gefährlichen Lungenentzündung erkranken oder eine Augenentzündung entwickeln. Weil die Folgen einer Chlamydien-Infektion so weitreichend sind, werden Schwangere im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorgeuntersuchung auf Chlamydien untersucht. Aber auch junge Frauen bis zum vollendeten 25. Lebensjahr können sich einmal pro Jahr auf Chlamydien untersuchen lassen.

Eine Chlamydien-Infektion kann, wenn sie frühzeitig entdeckt wird, gut therapiert werden und heilt in der Regel vollständig aus. Behandelt wird sie mit Antibiotika, mit deren Hilfe man innerhalb von einigen Wochen wieder beschwerdefrei wird. Wichtig ist, dass der Sexualpartner in dieser Zeit mitbehandelt wird. Vorbeugend schützt man sich gegen eine Ansteckung mit Chlamydien am besten mit „Safer Sex“, also dem korrekten Gebrauch von Kondomen. Auf Küssen, Umarmen oder gemeinsames Baden muss man aber nicht verzichten.

Webcode dieser Seite: p012320 Autor: Barmer InternetredaktionLetzte Aktualisierung: 17.10.2019
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