Kinder im Krankenhaus: Ruhe ausstrahlen und Halt geben

Muss ein Kind ins Krankenhaus, ist das eine Ausnahmesituation für die ganze Familie. Die Eltern machen sich Sorgen, und das Kind hat Angst vor dem Unbekannten, vor der Trennung von den Eltern und eventuell vor einem schmerzhaften Eingriff. Jetzt gilt es, Ruhe und Sicherheit auszustrahlen und das Kind möglichst gut auf den stationären Aufenthalt vorzubereiten.

Viele Gespräche führen

Ist der Krankenhausaufenthalt geplant, sollten Eltern sich Zeit nehmen und dem Kind genau erklären, was in der Klinik passieren wird, warum und wie lange es voraussichtlich dort sein muss. „Je nach Alter des Kindes versteht es schon recht gut, aus welchem Grund die Behandlung im Krankenhaus nötig ist. In Gesprächen, mit Hilfe von altersgerechten Bilderbüchern, möglicherweise einem Vorab-Besuch auf der Station und mit viel Zeit für Fragen können Eltern dem Kind besonders gut Ängste nehmen. Im Fokus sollte dabei immer stehen, dass im Krankenhaus durch Ärzte und Pfleger alles dafür getan wird, dem Kind zu helfen“, rät Andrea Jakob-Pannier, Psychologin bei der BARMER. Eltern, die sich sicher sind, mit dem bevorstehenden Krankenhausaufenthalt das Richtige für ihr Kind zu tun, können diese Gelassenheit besonders gut weitergeben. Sobald aber Zweifel bestehen, sollten sie nochmals mit dem Kinderarzt oder dem behandelnden Arzt sprechen und gegebenenfalls eine zweite Meinung einholen. „Kinder sind in dieser Phase besonders sensibel für die Signale der Eltern. Merken sie, dass die Eltern unsicher sind, sind sie es noch viel mehr, denn Eltern geben den Halt, den das Kind gerade verliert“, so Jakob-Pannier. In der Zeit der Vorbereitung sollten die Eltern nichts verschweigen oder verharmlosen, sondern dem Kindesalter entsprechend erklären, was im Krankenhaus genau passieren wird. Nicht hilfreich ist es beispielsweise, Schmerzen nach einer Operation zu verschweigen oder zu beschönigen, weil dann Vertrauen zwischen dem Kind und den Eltern verloren gehen könnte. Besser ist es, dem Kind zu erklären, woher sie kommen, dass sie normal sind und bald wieder vergehen. So kann sich das Kind besser darauf einstellen.

Bei einem Notfall fällt diese Vorbereitungszeit gezwungenermaßen weg. Umso wichtiger ist es, in Gegenwart des Kindes ruhig zu bleiben. In dieser Ausnahmesituation sollten sich Eltern gegenseitig Halt geben oder sich Hilfe holen.

Möglichst viel Zeit und Vertrauen geben

Sind die Kinder noch klein, gibt es in vielen Krankenhäusern die Möglichkeit, einen Elternteil mit aufzunehmen. Das sollte im Vorfeld mit der Klinik besprochen werden. Auch bei größeren Kindern oder wenn die Eltern nicht im Krankenhaus übernachten können, ist es wichtig, möglichst viel Zeit mit dem Kind zu verbringen und es möglichst eng während des gesamten Klinikaufenthalts zu begleiten. „Untersuchungen oder medizinisch notwendige Maßnahmen wie beispielsweise das Legen einer Kanüle können häufig besser bewältigt werden, wenn die Eltern dabei sind“, weiß Jakob-Pannier. Falls eine Operation ansteht, werden mögliche Wartezeiten gut mit Malsachen, Büchern oder kurzen Spielen überbrückt, denn Ablenkung senkt die Angst deutlich. Hat das Kind den Krankenhausaufenthalt gut überstanden, muss es sich zu Hause erst wieder einleben und das Erlebte verarbeiten. Das gelingt am besten, indem Eltern aufmerksam sind und ihm Zeit geben. Auch Rollenspiele mithilfe eines Arztkoffers und Gespräche können helfen.

Webcode dieser Seite: p009169 Autor: Barmer Erstellt am: 15.03.2018 Letzte Aktualisierung am: 15.03.2018
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