Kindliches Fieber - Ein Symptom, keine Krankheit

Der Winter ist die typische Zeit für gesundheitliche Infekte wie Erkältungen. Häufig reagieren vor allem Kleinkinder mit Fieber, wenn ihr Körper gegen Keime im Körper ankämpft. Welchen Sinn Fieber hat, wie Eltern damit umgehen sollten und wann die Grenzen der Selbstmedikation erreicht sind, erklärt Heidi Günther, Apothekerin bei der BARMER.

Kinder fiebern besonders schnell, da sich ihr Körper noch mit sehr vielen bisher unbekannten Krankheitserregern auseinandersetzen muss und ihr Immunsystem noch nicht voll entwickelt ist. Viele Kinderkrankheiten werden begleitet von Fieber, aber auch bei Entzündungen wie Blasen-, Lungen-, Mittelohrentzündungen tritt Fieber auf. „Fieber ist ein typisches Symptom dafür, dass der Körper gegen Krankheitserreger ankämpft. Es handelt sich also nicht um eine eigenständige Krankheit, sondern ist ein Zeichen für eine gesunde Körperreaktion, um eingedrungene Viren oder Bakterien zu beseitigen. Ein ansonsten gesunder Körper sollte daher auch mal fiebern dürfen“, erklärt Günther.

Der Reflex, das Fieber senken zu wollen, ist vor allem bei Eltern mit kleinen Kindern durchaus verständlich, allerdings rät die Expertin in den meisten Fällen davon ab. „Fiebersenken bekämpft nicht die eigentliche Krankheitsursache und verkürzt auch nicht die Krankheitsdauer. Ich rate den Eltern, das Kind lieber sorgfältig zu beobachten und auf seine Bedürfnisse zu einzugehen“, so Günther. Doch es gibt auch Ausnahmen, in denen umgehend ein Arzt aufgesucht werden sollte. Diese gelten beispielsweise bei Babys unter drei Monaten und Kleinkindern, die nicht ausreichend trinken oder zusätzlich unter Durchfall oder Erbrechen leiden. Auch bei starken Hals- oder Ohrenschmerzen, Nackensteife oder trockenem Husten sollte der Kinderarzt die Ursache abklären. Neigt das Kind zu Fieberkrämpfen, muss das Fieber schon frühzeitig mit Paracetamol oder Ibuprofen gesenkt und ein Arzt aufgesucht werden. Von Selbstmedikation ist auch abzuraten, wenn das Fieber länger als drei Tage anhält, das Kind sich anhaltend müde und schwach fühlt, das Fieber auf über 40 Grad ansteigt oder trotz Antibiotika-Therapie länger als drei Tage anhält.

Den Körper unterstützen

Bei Fieber durchlebt der Körper verschiedene Phasen. Zunächst ziehen sich die Hautgefäße zusammen, die Haut ist blass, Hände und Füße sind kalt und der ganze Körper friert. Durch starkes Zittern und Schüttelfrost erzeugt der Körper Wärme und die Körpertemperatur steigt an. Wurde der Krankheitserreger abgewehrt, weiten sich die Blutgefäße wieder, die Haut wird rosig, Wärme wird nach außen abgegeben und der Körper beginnt zu schwitzen. Der Schweiß verdunstet auf der Haut und kühlt diese ab. „Eltern können ihrem fiebernden Kind helfen, indem sie, je nach Phase, Wärme zuführen, beispielsweise über Decken, Wärmekissen und warmen Tee, oder den Körper bei seinen Bemühungen um Abkühlung unterstützen. Dies kann über eine kühle Raumtemperatur, Wadenwickel oder Waschungen geschehen“, rät Günther. Außerdem sollte das Kind ausreichend trinken und möglichst im Bett bleiben.

Wo am besten Fieber messen?
Die genaueste Messung erfolgt im Po. Bei einer Messung am Ohr muss auf die korrekte Anwendung des Thermometers geachtet und ein Wert von 0,5 hinzugerechnet werden. Am besten zieht man das Ohr etwas nach oben, damit das Thermometer besser in den Gehörgang gelangt. Die Messung im Mund ist für Kinder nicht geeignet, die Messung unter den Achseln gilt als zu ungenau und ist daher nicht empfehlenswert.

 

 

Webcode dieser Seite: p008600 Autor: Barmer Erstellt am: 15.11.2017 Letzte Aktualisierung am: 15.11.2017
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