Plötzlicher Herzstillstand: Keine Angst vor der Wiederbelebung

Menschen, die einen Herzstillstand erleiden, sind auf sofortige Hilfe angewiesen. Bis der Notarzt eintrifft, sollten Umstehende sich ein Herz fassen und Wiederbelebungsmaßnahmen einleiten. Dabei hilft der einfache Dreiklang: Prüfen. Rufen. Drücken.

Bei einem plötzlichen Herzstillstand entscheidet schnelle Hilfe über Leben und Tod. Doch bis zum Eintreffen eines Notarztes vergehen wertvolle Minuten. Zeit, in der jeder Laie zu einem Lebensretter werden kann und dafür noch nicht einmal mehr die Mund-zu-Mund-Beatmung durchführen muss.

Die Zahlen sind eindeutig: Mit 80.000 bis 100.000 Fällen jährlich zählt der plötzliche Herzstillstand zu den häufigsten Todesursachen in Deutschland. Geschieht dies außerhalb eines Krankenhauses, liegt das Leben des Betroffenen in den Händen der Umstehenden – und das im wahrsten Sinne des Wortes. Denn wenn einer von ihnen sofort mit einer Herzdruckmassage beginnt, steigt die Überlebenschance des Patienten um das Zweieinhalbfache.

Neue Leitlinien

Laut der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin liegt die Bereitschaft von Laien, Wiederbelebungsmaßnahmen nach einem plötzlichen Herzstillstand durchzuführen, in Deutschland allerdings unter 20 Prozent. Hauptgrund für diese Zurückhaltung ist neben der Angst, etwas falsch zu machen, vor allem die Scheu vor einer Mund-zu-Mund-Beatmung. Dabei muss die gar nicht mehr durchgeführt werden. "Seit Mitte Oktober gibt es neue Richtlinien für die Wiederbelebung bei einem plötzlichen Herzstillstand. Darin empfehlen die Experten Laien, auf die Beatmung zu verzichten und sich ausschließlich auf die Herzdruckmassage zu konzentrieren", betont Dr. Ursula Marschall, leitende Medizinerin bei der Barmer GEK und selbst erfahrene Notärztin.

Wer sich ein Herz fasst, muss nur drei Dinge tun:

  • Prüfen, ob der Betroffene noch reagiert und atmet.
  • Über die 112 der Rettungsdienst anrufen.
  • Anschließend sofort mit der Herzdruckmassage beginnen. Dafür sollte man mindestens 100-mal pro Minute fest in der Mitte des Brustkorbs drücken, und zwar ohne Pause bis medizinische Hilfe eintrifft.

Ist man immer noch unsicher, hilft vielleicht der eindringliche Appell von Marschall: „Bei aller Angst, Fehler zu machen, ist eines am schlimmsten: nichts zu tun!“

Online-Tipp: Aus Angst etwas falsch zu machen, schrecken viele vor der lebensrettenden Herzdruckmassage zurück. Dabei ist sie ganz leicht. Wie leicht, zeigt der Berufsverband der Deutschen Anästhesisten mit seiner Initiative "Ein Leben retten".

Webcode dieser Seite: p005324 Autor: Barmer Erstellt am: 03.12.2015 Letzte Aktualisierung am: 15.12.2016
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