Selftracking: Top oder Flop?

Eine halbe Stunde moderate körperliche Bewegung am Tag – das empfehlen neueste wissenschaftliche Studien, um chronischen Krankheiten vorzubeugen und den allgemeinen Gesundheitszustand zu verbessern. Den inneren Schweinehund zu überwinden, fällt vielen allerdings sehr schwer. In diesen Fällen können Fitness-Armbänder, Smartwatches und Co. für die nötige Motivation sorgen, meint Klaus Möhlendick, Diplom-Sportwissenschaftler bei der Barmer GEK.

Der Großteil der Erwachsenen bewegt sich zu wenig und sitzt zu viel. Eine schlechte Kombination, die häufig zu Rückenschmerzen führt. Da klingt es wie ein Segen, dass der technologische Fortschritt in Form einer App oder einem Wearable zu mehr Bewegung auffordert. Doch was sind Wearables eigentlich, und was können sie leisten? "Wearables sind intelligente Technologien, die unterschiedliche biologische Körperfunktionen aufzeichnen können. Es gibt sie in verschiedenen Formen, beispielsweise als Armbänder, in speziellen Kleidungsstücken mit Zusatzfunktionen, als Smartwatch oder als Datenbrille", erklärt Möhlendick. Die Datenerhebung kann mit Laptop, Smartphone oder Smartwatch durchgeführt werden. Besonders häufig werden die Bereiche Ausdauer- und Kraftsport (Zeit, Herzfrequenz, Geschwindigkeit, Gewichte, Wiederholungen), Ernährung (Nährstoffzusammensetzung, Kalorien, Gewicht) und Psychologie (Leistungsfähigkeit, Verhaltensmuster, Stimmung) analysiert.

Durch das sogenannte Self-Tracking sensibilisiert sich die Wahrnehmung auf den eigenen Körper. Das Messen verschiedener Parameter macht ihn im wahrsten Sinne des Wortes viel berechenbarer. Die erzielten Werte lassen sich dann, je nach genutzter App, mit einem Partner oder mehreren Nutzern, der sogenannten Community, vergleichen. "Die Beweggründe für die Nutzung von Apps oder Wearables können sehr unterschiedlich sein. Sie hängen ganz von der persönlichen Motivation ab", so Möhlendick.

Aktivität ist nicht gleich Fitness

Die Aussagekraft der aufgezeichneten Körperwerte ist allerdings begrenzt. "Wer Höchstleistungen vollbringt, lebt nicht zwangsläufig gesund. So kann man allein von der Anzahl der zurückgelegten Schritte nicht auf den Gesundheitszustand einer Person schließen", meint Möhlendick. Aktivität ist daher nicht gleichzusetzen mit Fitness oder Gesundheit.

Die bisher messbaren Daten sagen also mehr über unser tägliches Verhalten als über unseren Gesundheitszustand aus. Trotzdem schätzen die meisten Anwender ihr Fitnessarmband oder ihre App als digitalen Personal Trainer sehr. Für ihn gehen sie Umwege, um ihre Schrittzahl zu erhöhen, laufen schneller und essen kleinere Portionen. Und sogar ein Lob für die am Tag erbrachten Leistungen bleibt nicht aus. Allerdings berichten einige Menschen auch, dass sie sich durch ihr Selbstvermessungstool nach einiger Zeit unter Druck gesetzt fühlen, weil sie befürchten, die selbst gesteckten Ziele oder die der Community nicht zu erreichen. "Soweit sollte es natürlich nicht kommen. Wichtig ist es, sich regelmäßig zu bewegen – mit oder ohne technische Unterstützung", so Möhlendick.

Info Datenschutz: Der Gesetzgeber setzt Selftracking-Anwendungen im Bereich der Gesetzlichen Krankenversicherungen enge Grenzen. So muss die Nutzung von Fitness-Trackern anonym erfolgen, und die Gesetzlichen Krankenkassen dürfen weder Informationen über die Nutzer noch über die Aktivitäten ihrer Versicherten erhalten. Entsprechend werden aus den Fitness-Trackern heraus keine Bewegungsdaten übermittelt.

Webcode dieser Seite: p001541 Autor: Barmer Erstellt am: 13.05.2016 Letzte Aktualisierung am: 15.12.2016
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