Thüringen hat Übergewicht

Übergewichtiger Mann an der Waage

Erfurt, 15. Februar 2019 – Die Zahl der Menschen mit Übergewicht nimmt in Thüringen weiter zu. Mittlerweile lebt etwa jeder Zehnte hierzulande mit einer gesicherten Diagnose Adipositas, geht aus Abrechnungsdaten der Barmer hervor. Laut Thüringer Landesamt für Statistik gelten sogar rund 60 Prozent der Thüringerinnen und Thüringer als übergewichtig. In einem Zeitraum von zwei Jahren ist die Zahl der Menschen mit einer Adipositas-Diagnose in Thüringen um mehr als 13.000 angestiegen. Zudem ist Thüringen nach Mecklenburg-Vorpommern jenes Bundesland, in dem Menschen mit der Diagnose Adipositas am zweithäufigsten im Krankenhaus behandelt werden.

Rund 220.000 Thüringer haben eine diagnostizierte Adipositas, ergeben Hochrechnungen auf die Gesamtbevölkerung, ausgehend von Versichertendaten der Barmer. Tendenz steigend. Lebten im Jahr 2014 noch etwa 9,6 Prozent der Thüringerinnen und Thüringer mit einer gesicherten Adipositas-Diagnose, so waren es im Jahr 2016 bereits 10,2 Prozent. Der bundesweite Durchschnitt fällt mit rund 9,8 Prozent im Jahr 2016 niedriger aus. Auch zeigen die Zahlen, dass unter den Thüringer Frauen der Anteil adipöser Menschen höher ist als unter den Männern.

Dunkelziffer etwa doppelt so hoch

„Tatsächlich ist der Anteil von übergewichtigen Menschen an der Gesamtbevölkerung noch weit größer als sich aus den Abrechnungsdaten ablesen lässt“, sagt Birgit Dziuk, Landesgeschäftsführerin der Barmerin Thüringen. Das sei damit zu erklären, dass vor allem gering adipösen Menschen mit einem Body-Mass-Index (BMI) von 30 bis unter 35 nur selten die Diagnose Adipositas ausgestellt wird. Eine Studie des Robert-Koch-Instituts bestätigt, dass sogar rund 22 Prozent der Frauen und 18 Prozent der Männer in Thüringen Adipositas haben.

Die Zahl der jährlichen Krankenhausfälle, bei denen Menschen mit Adipositas behandelt werden, ist in Thüringen überdurchschnittlich hoch. Während es in Thüringen je 1000 Versicherte rund 20 Krankenhausbehandlungen im Jahr gibt, sind es bundesweit lediglich rund 14.  

„Eine Adipositas-Erkrankung geht mit erheblichen gesundheitlichen Risiken einher“, verdeutlicht Birgit Dziuk. Starkes Übergewicht kann häufig enorme Folge- und Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes Typ 2, Herzinfarkt, Gallensteine, Gelenkverschleiß und psychische Erkrankungen bedingen. Neuere Erkenntnisse zeigen zudem ein erhöhtes Risiko für zahlreiche Krebserkrankungen.

Qualität ist wichtiger als Wohnortnähe

Die Behandlungsmöglichkeiten bei Adipositas reichen von Ernährungs-, Bewegungs- und Verhaltenstherapien über medikamentöse Behandlung bis hin zu operativen Eingriffen, den sogenannten bariatrischen OPs. „Die bariatrische Chirurgie ist die Ultima Ratio, wenn nach einer Ernährungsumstellung sowie konservativen, psychologischen und medikamentösen Behandlungen keine Gewichtsabnahme erfolgt ist“, sagt die Barmer-Landeschefin. Und verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass solcherlei Eingriffe in spezialisierten Zentren gemacht werden sollten.

Von der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV) zertifizierte Adipositaszentren weisen eine Mindestanzahl an jährlichen Operationen vor und verfügen dementsprechend über das notwendige Know-how und Erfahrung. Deutschlandweit gibt es derzeit 71 solcher Zentren, zwei davon in Thüringen: in Gera und in Bad Salzungen. Wie auch bei anderen planbaren operativen Eingriffen mit Risiken empfiehlt die Barmer, bei der Wahl der Klinik den Faktor Qualität vor den Aspekt der Wohnortnähe zu stellen. „Schließlich geht es um nicht mehr und nicht weniger als die eigene Gesundheit“, macht Birgit Dziuk deutlich.

Transparente und auch von Laien verständliche Krankenhausvergleiche sind beispielsweise über das Barmer-Krankenhausnavi möglich. Eine jüngst von der SRH Hochschule für Gesundheit Gera und der Deutschen Adipositas Gesellschaft veröffentlichte Patientenleitlinie gibt zudem laienverständliche Informationen, nach welchen wissenschaftlich begründeten Empfehlungen Ärzte im Bereich Adipositas handeln.

 

 

2014

2016

Thüringen gesamt

9,61%

10,23%

Thüringen Frauen

11,02 %

11,53 %

Thüringen Männer

8,14 %

8,89 %

Deutschland gesamt

8,9 %

9,79 %

Deutschland Frauen

9,89 %

10,8 %

Deutschland Männer

7,88 %

8,75 %

Betroffenenraten mit gesicherter Diagnose Adipositas. Quelle: BARMER Arztreport

 Mehr zum Thema:

  • Von Adipositas ist die Rede ab einem Body-Mass-Index (BMI) von 30. Ein BMI zwischen 18,5 und 24,9 gilt bei Erwachsenen als normal, so die Klassifikation der Weltgesundheitsorganisation WHO.
  • Der BMI lässt sich mit der Formel Körpergewicht (in kg) geteilt durch Größe (in m) zum Quadrat berechnen.
  • Die Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV) verleiht Zertifikate für chirurgische Abteilungen, wenn diese zuvor festgelegte evidenzbasierte Qualitätsstandards erfüllen. Eine Liste der Adipositaszentren im deutschsprachigen Raum findet sich auf der Internetseite der DGAV.
  • Etwa 60 Prozent der Thüringer gelten als übergewichtig, geht aus Zahlen des Thüringer Landesamtes für Statistik hervor.
  • Die SRH Hochschule für Gesundheit Gera und die Deutsche Adipositas Gesellschaft haben eine laienverständliche Patientenleitlinie zum Umgang mit Adipositas veröffentlicht.

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Patrick Krug
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Webcode dieser Seite: p011016 Autor: BarmerErstellt am: 15.02.2019 Letzte Aktualisierung am: 15.02.2019
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