Thüringen hat ein Alkoholproblem

Mehr und mehr Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Thüringen trinken so viel Alkohol, dass es krank macht.

Depressiver Mann

Erfurt, 17. Mai 2019 – „Diese Entwicklung ist erschreckend!“, sagt Birgit Dziuk, Landesgeschäftsführerin der Barmer in Thüringen. Sie nimmt Bezug auf aktuelle repräsentative Auswertungen bezüglich des Alkoholkonsums erwerbstätiger Personen im Freistaat. Demnach ist der Anteil der Erwerbstätigen mit Alkoholproblemen innerhalb der Jahre 2010 bis 2017 um mehr als 50 Prozent angestiegen. Darauf macht die Barmer anlässlich der Aktionswoche Alkohol (18. bis 26. Mai) aufmerksam. Schwerpunktthema ist dieses Jahr „Kein Alkohol am Arbeitsplatz“.

Noch im Jahr 2010 war Thüringen das Bundesland mit den wenigsten Erwerbstätigen mit problematischem Alkoholkonsum. Mittlerweile ist der Freistaat im Vergleich der Bundesländer unter den Top 5. Rund 1,6 Prozent der Arbeitnehmer im Freistaat trinken so viel Alkohol, dass es krank macht. Damit liegt der Anteil Betroffener ganze 18 Prozent über dem Bundesdurchschnitt, wo sich im Jahr 2017 Alkoholprobleme bei 1,37 Prozent der Erwerbspersonen im Alter von 15 bis 64 Jahren feststellen ließen. Bei Thüringer Männern liegen drei Mal häufiger Alkoholprobleme vor als bei Frauen.

Aktionswoche „Kein Alkohol am Arbeitsplatz“

Die diesjährige Aktionswoche Alkohol vom 18. bis 26. Mai findet unter dem Schwerpunktthema "Kein Alkohol am Arbeitsplatz" statt. „Es ist enorm wichtig, dass riskanter Alkoholkonsum bei Erwerbstätigen möglichst frühzeitig erkannt wird. Denn je eher Auffälligkeiten wahrgenommen werden, desto eher können Maßnahmen zur Alkohol- und Suchtprävention im Betrieb angeboten werden. Vorgesetzte dürfen bei Alkoholproblemen von Mitarbeitern nicht wegsehen, sondern sollten sensibel, aber konsequent das Thema ansprechen, Hilfe anbieten und organisieren“, sagt Birgit Dziuk.

Die von der Barmer unterstützte Internet-Plattform www.sucht-am-arbeitsplatz.de bietet Hilfestellung mit umfassendem wissenschaftlich fundierten Wissen zum Thema Sucht am Arbeitsplatz. Speziell für Führungskräfte, denen in der betrieblichen Suchtprävention eine wichtige Schlüsselfunktion zukommt, kann dort die Broschüre „Alkohol am Arbeitsplatz – Eine Praxishilfe für Führungskräfte“ kostenlos heruntergeladen werden.

Anzahl der Arbeitsunfähigkeitstage um das Dreifache erhöht

Eher selten führt die Diagnose „Psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol“ unmittelbar zu einer Krankschreibung. Doch Erwerbstätige mit Alkoholproblemen haben häufig auch mehr Fehlzeiten unter anderen Erkrankungsdiagnosen und damit insgesamt deutlich höhere Ausfallzeiten. Gegenüber Thüringer Erwerbstätigen ohne Alkoholprobleme sind sie diagnoseübergreifend innerhalb eines Jahres knapp dreimal länger und damit durchschnittlich 64 Tage krankgeschrieben.

Davon entfielen lediglich 8,5 Tage auf Fehltage unter der expliziten Nennung einer Alkohol-Diagnose als Hauptgrund der Arbeitsunfähigkeit. Weitere 18,5 Tage entfielen auf andere Diagnosen psychischer Störungen, vor allem auf Depressionen (6,7 Tage). Auch bei Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems (9,0 Tage, insbesondere Rückenschmerzen) und Verletzungen (5,5 Tage) ergeben sich deutlich höhere Fehlzeiten.


Erwerbspersonen mit Alkoholproblemen in Bundesländern 2017: 

 

 

Anteil der Personen mit
ICD-10-Diagnose F10

BL

Bundesland

Männer

Frauen

Gesamt

12

Baden-Württemberg

1,77%

0,67%

1,26%

09

Bayern

1,94%

0,75%

1,39%

04

Berlin

2,29%

0,88%

1,64%

07

Brandenburg

2,36%

0,64%

1,56%

01

Bremen

2,56%

1,13%

1,90%

02

Hamburg

2,31%

0,99%

1,70%

13

Hessen

1,69%

0,70%

1,23%

01

Mecklenburg-Vorpommern

2,92%

0,71%

1,90%

10

Niedersachsen

1,89%

0,75%

1,37%

15

Nordrhein-Westfalen

1,59%

0,68%

1,17%

11

Rheinland-Pfalz

1,80%

0,67%

1,28%

14

Saarland

1,58%

0,72%

1,18%

03

Sachsen

2,51%

0,74%

1,69%

06

Sachsen-Anhalt

2,41%

0,66%

1,60%

08

Schleswig-Holstein

2,13%

0,81%

1,52%

05

Thüringen

2,36%

0,76%

1,62%

 

 

 

 

 

Gesamt

1,92%

0,72%

1,37%

Quelle: BARMER-Daten 2017; n = 3.936.591 Erwerbspersonen mit Versicherung bei der BARMER am 1. Januar 2017 und inländischem Wohnort, Altersgruppen 15 bis 64 Jahre, Anteil der Person mit ambulant oder stationär dokumentierter Diagnose F10 „Psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol“.

Kontakt für die Presse:

Patrick Krug
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Webcode dieser Seite: p011544 Autor: BarmerLetzte Aktualisierung am: 28.08.2019
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