Starker Anstieg von Hepatitis E in Thüringen - Übertragung durch Rohfleisch

Es geht um die Wurst. Denn für Liebhaber von Würsten gibt es wieder einmal schlechte Nachrichten: Produkte aus rohem Schweinefleisch sorgen in Thüringen für immer mehr Fälle der Leberentzündung Hepatitis E. 

Erfurt (18.11.2016). Nach aktuellen Zahlen des Robert-Koch-Instituts wurden in diesem Jahr bereits 98 Erkrankungen in Thüringen gemeldet – das entspricht einer Vervierfachung gegenüber 2013 (27 Fälle; siehe Grafik). „Die Dunkelziffer wird von Experten allerdings deutlich höher eingeschätzt, denn zu einer schweren Erkrankung kommt es meist nur bei Schwangeren oder Menschen mit geschwächten Abwehrkräften. Diese Personen sollten deshalb auf den Verzehr von rohem Schweinefleisch und Wurstwaren verzichten“, rät Robert Büssow, Sprecher der Barmer GEK in Thüringen. Eine Impfung gegen Hepatitis E steht derzeit nicht zur Verfügung.

Auch bundesweit entwickeln sich die Zahlen steil nach oben: von 458 Fällen (2013) auf über 1200 im vergangenen Jahr. Die Ursache für den Anstieg ist nicht hinreichend geklärt. Mögliche Gründe sind auch eine größere Aufmerksamkeit der Ärzte sowie bessere Laborverfahren. Nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung wurden die Erreger von Hepatitis-E in mehr als 100 verschiedenen Wurstsorten nachgewiesen. Demnach stellen rohe Würste, aber auch Tee- oder Mettwurst ein hohes Risiko dar. Einer Studie zufolge wurden laut Robert-Koch-Institut bei 17 Prozent der deutschen Bevölkerung spezifische Antikörper im Blut gefunden, die auf eine ausgeheilte Hepatitis-E-Infektion hinweisen. 

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Vervierfachung der Fälle seit 2009.

Hintergrund: Wie können sich Verbraucherinnen und Verbraucher vor einer HEV-Infektion schützen?

Produkte von Schwein und Wild (z.B. Wildschwein, Reh und Hirsch), insbesondere Innereien, sollten nur durchgegart verzehrt werden. Das Durchgaren bzw. Erhitzen auf ≥ 71°C über mindestens 20 Minuten inaktiviert das Virus. Ein nur kurzes Aufkochen oder Erhitzen in der Mikrowelle ist unzureichend. Zur Vermeidung von Kreuzkontaminationen sollte auf eine gute Küchenhygiene geachtet werden. Auch das Tiefgefrieren der Lebensmittel hat auf die Viren keinen abtötenden Effekt.

Bei Reisen in Gebiete mit Verbreitung des Virus sollten die allgemeinen Regeln zur Vermeidung von lebensmittelbedingten Infektionen beachtet werden:

  • nicht abgekochtes Leitungswasser und damit hergestelltes Eis für Getränke nach Möglichkeit meiden,
  • kein Verzehr von rohen oder nicht ausreichend erhitzten Speisen. Es gilt deshalb die alte Regel erfahrener Tropenreisender "Peel it, cook it, or forget it!" (Schäle es, koche es oder vergiss es!)

Diese Empfehlung gilt insbesondere für empfindliche Personengruppen (z.B. immungeschwächte Personen, Personen mit Vorschädigungen der Leber und Schwangere).

Quelle: Bundesinstitut für Arzneimittelbewertung sowie Robert-Koch-Institut


Kontakt für die Presse:

Robert Büssow,
Telefon: 0800 333004 25-2230 oder 0361 789 52630
E-Mail: robert.buessow@barmer.de
Twitter: www.twitter.com/BARMER_TH

Webcode dieser Seite: p006931 Autor: Barmer Erstellt am: 18.11.2016 Letzte Aktualisierung am: 20.12.2016
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