Zu Risiken und Nebenwirkungen: Jeder dritte Thüringer nimmt mehr als fünf Medikamente

In Thüringen nehmen 30 Prozent aller gesetzlich Versicherten im Jahr fünf und mehr Medikamente ein. Damit liegt Thüringen im Vergleich zu anderen Ländern im Mittelfeld.

Erfurt (22.07.2016). Dies geht aus dem aktuellen Arzneimittelreport der Barmer GEK hervor, für den anonymisierte Daten für ganz Thüringen repräsentativ hochgerechnet wurden. Am höchsten ist der Anteil mit 34 Prozent in Sachsen-Anhalt und im Saarland, am niedrigsten mit 27 Prozent in Berlin. Ab fünf Wirkstoffen spricht man auch von Polypharmazie. "Je mehr Arzneimittel eingenommen werden, desto größer ist das Risiko für Medikationsfehler und Wechselwirkungen. Vor allem Patienten mit mehreren Erkrankungen benötigen aber auch verschiedene Medikamente. Deshalb ist es hier besonders wichtig abzuwägen, welche Behandlungsziele im Vordergrund stehen", erklärt Robert Büssow, Sprecher der Barmer GEK in Thüringen. Der Anteil steigt mit dem Alter kontinuierlich an: Ab 65 Jahren ist bereits jeder Zweite betroffen.

Verordnungen in 2015 nach Altersgruppen
Verordnungen in 2015 nach Altersgruppen

Mondpreise bei neuen Medikamenten?

Im vergangenen Jahr wurden in Thüringen rund 1,025 Milliarden Euro für Arzneimittel und Impfstoffe bei allen gesetzlichen Krankenkassen ausgegeben. Ein Anstieg gegenüber 2013 um 70 Millionen Euro oder sieben Prozent. Vor allem moderne, biologisch (in Bakterien oder Zellen) erzeugte Wirkstoffe (Biologika) belasten mit extrem hohen Preisen die Budgets. So kostet eine Behandlung mit neuen Hepatitis-Mitteln pro Patient im Schnitt 60.000 Euro. Die Strategie mancher Pharmafirmen bei der Preisgestaltung neuer Arzneimittel ist ein Problem und kann zu höheren Krankenkassenbeiträgen führen, warnt Büssow. Die Folge: Die Ausgaben für Arzneimittel konzentrieren sich auf immer weniger Patienten. 2015 entfielen 30 Prozent der Ausgaben auf nur 0,63 Prozent aller Versicherten der Barmer GEK.

Landkarte Arzneimittelverordnungen 5 und mehr
Landkarte: Anteil der Bevölkerung mit 5 und mehr Arzneimitteln zeitgleich im Jahr 2015

Thüringer Ärzte setzen zunehmend auf Biosimilars

Eine große Entlastung für die Beitragsmittel der Versicherten erwartet die Barmer GEK von sogenannten Biosimilars. Das sind günstigere Nachfolgeprodukte für Biologika, deren Patentschutz abgelaufen ist. Derzeit sind erst vier auf dem Markt. Thüringer Ärzte verschreiben bereits in 47 Prozent aller Fälle ein Biosimilar statt das Originalprodukt (bundesweit 43 Prozent). Damit könnten die Kosten im Schnitt um ein Viertel gesenkt werden. Würde man die Biosimilar-Quote auf 100 Prozent erhöhen, wären Einsparungen allein bei den vier Medikamenten von rund 370.000 Euro nur für die Barmer GEK in Thüringen zu erwarten – hochgerechnet auf alle Kassen ein Millionenbetrag. Da in Kürze weitere Arznei-Patente ablaufen, beläuft sich das Potenzial in den nächsten fünf Jahren bundesweit auf mehr als vier Milliarden Euro.

Weitere Informationen sowie den vollständigen Arzneimittelreport finden Sie unter: Barmer GEK Arzneimittelreport 2016


Kontakt für die Presse:

Robert Büssow,
Telefon: 0800 333004 25-2230 oder 0361 789 52630
E-Mail: robert.buessow@barmer.de
Twitter: www.twitter.com/BARMER_TH

Webcode dieser Seite: p002143 Autor: Barmer Erstellt am: 22.07.2016 Letzte Aktualisierung am: 20.12.2016
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