Projekt StroCare: Gut versorgt nach einem Schlaganfall - Drei Reha-Kliniken aus Schleswig-Holstein beteiligt

Jedes Jahr erleiden in Deutschland etwa 270.000 Menschen einen Schlaganfall. In Schleswig-Holstein sind es rund 10.000. Lähmungen und Sprachstörungen gehören zu den häufigsten (Langzeit-)Folgen. Und ein Drittel der Erkrankten entwickelt eine behandlungsbedürftige Depression. Dank der verbesserten Interventionsmöglichkeiten gibt es jedoch immer weniger tödlich verlaufende Schlaganfälle und somit zunehmend mehr Langzeitüberlebende. Die Folgen eines Schlaganfalls verändern den Alltag erheblich und beeinträchtigen die Lebensqualität.

Koordinierte und optimierte Schlaganfall-Nachsorge

Um dauerhaften Beeinträchtigungen entgegen zu wirken, wird häufig schon im Rahmen der Akutversorgung im Krankenhaus mit geeigneten Rehabilitationsmaßnahmen begonnen. Meist schließt sich dann eine gezielte Rehabilitation an. „Schlaganfall-Betroffene und ihre Angehörigen haben im gesamten Behandlungsprozess viele Fragen. Sie fühlen sich aber häufig mit ihrer Krankheit und ihren Problemen allein gelassen. Hier Abhilfe zu schaffen und die Nachsorge zu optimieren, ist Ziel des vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf initiierten Projektes StroCare, an dem auch drei Reha-Kliniken in Schleswig-Holstein mitwirken“, erläutert Schleswig-Holsteins BARMER-Landesgeschäftsführer Dr. Bernd Hillebrandt. Von Akutbehandlung im Krankenhaus bis zur Rehabilitation und anschließenden ambulanten Versorgung koordiniert StroCare die Nachsorge über die Sektorengrenzen hinweg. Optimierte Behandlungsprozesse sollen den Übergang zur weiterführenden Versorgung beschleunigen und die Behandlungsqualität verbessern, um Komplikationen und Rezidivereignisse zu vermeiden. Die Patientinnen und Patienten werden darüber hinaus besser einbezogen und mit Informationen versorgt. Nach dem Aufbau der erforderlichen Versorgungsstrukturen werden ab 2021 bei der BARMER versicherte Schlaganfallpatienten bei Vorliegen der medizinischen Voraussetzungen an dem Projekt teilnehmen können und ihren Therapieverlauf nach dem neuen, zu erprobenden Behandlungspfad begleiten lassen.

Zu häufige Komplikationen

Ausgangspunkt für StroCare ist eine derzeit suboptimale Schlaganfallnachsorge. „Da viele Patienten oftmals auf sich allein gestellt sind, kommt es nicht selten vor, dass sie ihre Arzneimitteltherapie nicht ordnungsgemäß befolgen und Risikofaktoren insgesamt zu gering eingedämmt werden“, so Hillebrandt. Die Rate an Rezidivschlaganfällen ist nach wie vor zu hoch und auch kurzfristige Komplikationen mit erneuten Krankenhauseinweisungen sind zu häufig und stellen eine große Belastung für die Patienten dar. Zudem gibt es Verbesserungspotentiale zum Erreichen der Behandlungsziele bei den vaskulären Risikofaktoren (beispielsweise Blutdruckeinstellung oder Cholesterinsenkung) in der Zeit nach einem Schlaganfall, die entscheidend das Risiko für erneute Schlaganfälle bestimmen.

Stroke Nurses und Casemanager Hand in Hand

Als spezifisches Schlaganfallnachsorgeprogramm sieht StroCare eine engmaschige Begleitung von Schlaganfallpatienten durch spezielle Stroke Nurses vor, die in den drei beteiligten Akut-Kliniken, dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, dem Albertinen-Krankenhaus in Hamburg und den Elbe Kliniken Stade-Buxtehude tätig sind. Die Stroke Nurses halten bereits während der primären akutstationären Behandlung einen engen Patientenkontakt und sind auch im weiteren Verlauf kontinuierlicher Ansprechpartner bei allen medizinischen Fragestellungen. Die Stroke Nurse führt alle sechs Monate in enger Absprache mit dem Behandler individuelle Patientengespräche in der Klinikambulanz durch und erbringt verschiedene Leistungen wie Untersuchungen, Check der Risikofaktoren und Medikation sowie ergänzende Tests (Labor, EKG). Zu diesen Terminen finden auch ärztliche Kontakte inklusive neurologischer Untersuchung, Neurosonographie und einer kritischen Evaluation der Risikofaktoreinstellung sowie eine Planung der weiteren Behandlung statt. In der Zwischenzeit hält die Stroke Nurse alle drei Monate telefonischen Kontakt zum Patienten. Daneben unterstützt ein Case Management der BARMER bei der notwendigen Organisation der Gesamtversorgung und ist das Bindeglied zwischen den Versorgungsangeboten und den Patienten. „Der Case Manager koordiniert die Versorgung, kommuniziert mit Patienten, Angehörigen und den an der Behandlung Beteiligten und unterstützt in allen administrativen Angelegenheiten. Dabei berücksichtigt der Case Manager die individuelle Situation der Patienten, um das Konzept ideal darauf abzustimmen. In diesem Zusammenhang werden außer versorgungsrelevanten Fragen aus der gesetzlichen Krankenversicherung auch solche der sozialen Pflegeversicherung berührt und gelöst“, erläutert Schleswig-Holsteins BARMER-Chef. Eine App auf dem Smartphone hält den Patienten mit Informationen auf dem neuesten Stand.

Schnelle digitale Kommunikation

Für die Akut-Krankenhäuser gestaltet es sich bisher als sehr aufwendig und zeitintensiv, via Telefon, Fax oder Post einen geeigneten, freien Platz in einer Rehabilitationseinrichtung zu finden. StroCare implementiert daher ein elektronisches Rehabilitationsportal, das die Platzvergabe mit den fünf kooperierenden Rehabilitationskliniken beschleunigt und sicherstellt. Beteiligte Reha-Einrichtungen sind dabei das RehaCentrum Hamburg, die Klinik für neurologische Rehabilitation des Klinikum Bad Bramstedt, das MediClin Klinikum Soltau, die Helios Klinik Geesthacht sowie die Helios Rehaklinik Damp. Die digitale Lösung, die von der Philips-Tochterfirma Forcare bereitgestellt wird, ersetzt den bisherigen umständlichen und aufwändigen Anmeldeprozess, denn das Krankenhaus stellt über das Portal eine elektronische Anfrage an die ausgewählten Rehabilitationskliniken gleichzeitig. Diese können dann im Portal angeben, ob ein Patient mit seinen Symptomen zu dem mitunter spezialisierten Behandlungskonzept der Rehaklinik passt und zu welchem Zeitpunkt ein Bett zur Verfügung steht. Damit wird nicht nur der Prozess erheblich beschleunigt, sondern der Patient kommt so auch in die für ihn am besten geeignete Einrichtung. Zusätzlich wird das Portal eine effiziente Informationsübertragung von Dokumenten gewährleisten.

Evaluation

Zur Evaluation wird zu jedem Behandlungszeitpunkt eine sektorenübergreifende Ergebnismessung durchgeführt. Wie die Versorgung über StroCare nach dem Klinikaufenthalt im Vergleich zum herkömmlichen Verfahren abschneidet, wird zu jedem Behandlungszeitpunkt mittels einer Patientenbefragung gemessen. Hierzu werden die Rückmeldungen aus den verschiedenen befragten Gruppen, den Kontroll- und Studiengruppen, verglichen.

Förderung durch den Innovationsfonds

Das Projekt StroCare wird über den Innovationsfonds mit rund 3,8 Millionen € über einen Zeitraum von vier Jahren gefördert. Konsortialführer ist das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Die BARMER ist als einzige Krankenkasse am Projekt beteiligt.

Webcode dieser Seite: p012045 Autor: BarmerErstellt am: 29.08.2019 Letzte Aktualisierung am: 29.08.2019
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