Volksleiden Kopfschmerzen – Jeder 10. betroffen - BARMER und Schmerzklinik Kiel vereinbaren Zusammenarbeit

7,6 Millionen Menschen in Deutschland, davon mehr als 250.000 in Schleswig-Holstein, erhielten im Jahr 2015 die Diagnose Kopfschmerz. Damit plagt nahezu jeden 10. Bürger dieses Volksleiden. Auch immer mehr junge Menschen gehören dazu. 15 Prozent der jungen Erwachsenen Schleswig-Holsteiner im Alter von 18 bis 27 Jahren suchen mit der Diagnose Kopfschmerz oder Migräne ärztliche Hilfe. Und der Anteil der Kopfschmerzpatienten in dieser Altersgruppe ist seit 2005 deutlich stärker gestiegen als allgemein über alle Altersklassen hinweg. Die Ursachen für diese Entwicklung sind jedoch unklar: „Vermutlich nimmt der Druck auf junge Leute stetig zu. Und Stress gehört zweifelsohne zu den häufigsten Auslösern von Kopfschmerzen“, erklärt Ragnar Braun, Leiter des Vertragsbereichs der Barmer in Schleswig-Holstein mit Blick auf den Barmer Arztreport 2017, für dessen Schwerpunktteil Daten zu Kopfschmerzdiagnosen ausgewertet wurden.

Kopfschmerzarten

In der Medizin sind rund 250 verschiedene Formen von Kopfschmerz bekannt, die man in primär und sekundär untergliedert. Bei primären Kopfschmerzen, die weitaus häufiger auftreten, ist der Kopfschmerz selbst die Hauptursache der Beschwerden. Dabei handelt es sich vor allem um Migräne und Spannungskopfschmerz. So unterschiedlich die Kopfschmerzarten sind, so variantenreich sind die Ursachen. Migräne ist genetisch veranlagt, zudem können Stress oder Alkohol eine Attacke auslösen. Der Spannungskopfschmerz wird durch Verspannungen im Nacken-, Kiefer- und Kopfbereich verursacht. Sekundäre Kopfschmerzen machen dagegen nicht einmal zehn Prozent aller Kopfschmerzformen aus. Sie werden durch eine andere Krankheit ausgelöst oder treten als Begleitsymptome auf.

Unabhängig davon kann der Alltag für Kopfschmerz-Patienten zur Qual werden. Gerade bei jungen Menschen drohen im schlimmsten Fall Depressivität und sozialer Rückzug, weil nur Wenige dem Leidenden Glauben schenken. Doch die Kopfschmerzen müssen ernst genommen werden, können sie doch sogar die berufliche oder universitäre Existenz der Betroffenen gefährden. „Dem Kopfschmerz muss sich niemand hilflos ausgeliefert fühlen. Helfen präventive Maßnahmen wie Sport, Entspannungstechniken oder eine gesunde Lebensführung nicht, führt der Weg zum Arzt, um dem Kopfschmerz auf den Grund zu gehen“, so Braun vor dem Hintergrund einer von der Barmer mit der Schmerzklinik Kiel getroffenen Vereinbarung zur Versorgung von Patienten mit chronischen Schmerzen.

Vereinbarung mit der Schmerzklinik Kiel geschlossen

Wenn die Kopfschmerzen ein Vierteljahr oder länger bestehen und sich an mehr als 15 Tagen pro Monat Kopfschmerzen einstellen, die vier Stunden und mehr anhalten, spricht man von chronischen Kopfschmerzen. Für Versicherte mit chronischen Kopf- und Gesichtsschmerzen, aber auch mit kranialen Neuralgien und neuropathischen Schmerzen, haben Barmer und Schmerzklinik Kiel die Versorgung der Versicherten auf eine vertragliche Grundlage gestellt. Im Mittelpunkt stehen dabei mehrere Aspekte, um Abläufe und Prozesse zu vereinfachen und die Versorgung insgesamt zu verbessern. Die Formel lautet:

Enge Verzahnung von ambulanter und stationärer Versorgung + Multidisziplinäre Behandlung = Koordinierte Behandlungskontinuität für die individuellen Versorgungsbedürfnisse der Patienten

Dadurch profitieren die teilnehmenden Versicherten von vielen Vorteilen: Wissenschaftlich konzipierte spezialisierte Behandlungspfade gewährleisten die Versorgung auf dem aktuellsten wissenschaftlichen Stand. Eine interdisziplinäre und sektorenübergreifende Zusammenarbeit stellt eine abgestimmte Behandlungskontinuität sicher. Optimierte Abläufe verkürzen Wartezeiten, vermeiden Doppeluntersuchungen, ermöglichen eine schnellere berufliche Wiedereingliederung und sichern nahtlose Übergänge in allen Behandlungsphasen. An der Versorgung der Versicherten wirkt ein bundesweites Netz von Fachärzten mit besonderer Expertise in der Schmerztherapie mit.

Integrierte Schmerzbehandlung in drei Phasen

Die vereinbarten Behandlungsprozesse zur Schmerzbehandlung sind in drei Phasen gegliedert.
In Phase I erfolgt die Weichenstellung zur Regel- oder zur sektorenübergreifenden Behandlung. Dabei wird die Schmerzerkrankung diagnostiziert und in Schweregrade eingestuft. Bei Erfüllung der Kriterien zur Teilnahme an dem besonderen Versorgungsprogramm erfolgt eine Anmeldung zur stationären Behandlung, über die eine Aufnahmekonferenz mit dem einweisenden Arzt entscheidet.
In Phase II erfolgt die sektorenübergreifende neurologisch-verhaltensmedizinische Behandlung. Die Schmerzklinik Kiel organisiert und koordiniert im Rahmen eines überregionalen Kompetenzzentrums die Behandlung, die Verlaufs- und Erfolgskontrolle sowie einen Konsildienst für die Netzwerkpartner. Eventuell erforderliche spezielle diagnostische und/oder operative neurochirurgische Maßnahmen werden durch das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein erbracht. Über einen Zeitraum von einem Jahr nach Einschreibung in das Versorgungsprogramm wird in Phase III in regelmäßigem Abstand eine ambulante Verlaufs- und Erfolgskontrolle durchgeführt. Dabei wird die Therapie bei Bedarf individuell angepasst.

Teilnahme der Versicherten

Eine Teilnahme der Versicherten an der mit der Schmerzklinik Kiel vereinbarten besonderen Versorgung ist bei Vorliegen einer entsprechenden Indikation möglich. Anhand einer Checkliste werden die Aufnahmemöglichkeiten geprüft. Liegen die Voraussetzungen vor, beginnt die Teilnahme an dem Versorgungsprogramm nach ausführlicher Beratung mit der Unterzeichnung der Teilnahmeerklärung. Wie bei besonderen Versorgungsprogrammen üblich, ist die Teilnahme der Versicherten freiwillig. Für teilnehmende Versicherte werden die mit der Schmerzklinik Kiel vereinbarten zusätzlichen Leistungen von der Barmer übernommen.

Weitere Informationen finden Interessierte auch auf den Seiten der Schmerzklinik Kiel.

Webcode dieser Seite: p008773 Autor: Barmer Erstellt am: 28.12.2017 Letzte Aktualisierung am: 28.12.2017
Nach oben