Rückenschmerzen und psychische Störungen schon bei Azubis und Studierenden häufig - Gesundheitsförderung im Betrieb muss schon bei der Generation Z beginnen

Kiel (26.10.2016) Schon zu Beginn ihrer Berufstätigkeit klagen rund 14 Prozent der Männer und 20 Prozent der Frauen im Alter von 16 bis 20 Jahren über Rückenschmerzen. Demgegenüber sind es bei Studierenden in der gleichen Altersgruppe „nur“ knapp sechs Prozent der Männer und 10,5 Prozent der Frauen. Tendenz steigend heißt es jedoch bei beiden Personengruppen und unabhängig vom Geschlecht. Das zeigen Auswertungen der Barmer GEK zu den ärztlich dokumentierten Diagnosen von jungen Menschen am Start ihres Berufslebens, die im Mittelpunkt ihres aktuellen Gesundheitsreports stehen.

Auch psychische Störungen häufig

Ebenfalls Besorgnis erregend stellen sich die Diagnoseraten bei den psychischen Erkrankungen dar. Bei 19 Prozent der Männer und knapp 30 Prozent der Frauen im Alter von 16 bis 20 Jahren ist zu Beginn ihrer Berufstätigkeit eine psychische Störung dokumentiert. Auch hier sind es bei Studierenden in der gleichen Altersgruppe mit neun Prozent der Männer und 18,5 Prozent der Frauen deutlich weniger. Insbesondere somatoforme Störungen, Reaktionen auf schwere Belastungen und Depressionen tragen zu den hohen Diagnoseraten bei. Auch die Diagnose hyperkinetische Störung (ADHS) findet sich bei jungen Erwerbstätigen im Alter von 16 bis 20 Jahren noch bei 4,6 Prozent der Männer und 2,5 Prozent der Frauen. Anders als bei den anderen psychischen Erkrankungen wird die Diagnose ADHS jedoch bei zunehmenden Alter deutlich seltener angegeben.

Schon in Arbeitsunfähigkeitszeiten messbar

Sowohl Muskel-Skelett-Erkrankungen wie Rückenschmerzen als auch psychische Erkrankungen schlagen sich bei jungen Erwerbstätigen auch schon bei den Arbeitsunfähigkeitszeiten nieder. In Schleswig-Holstein entfallen bereits zehn Prozent aller Arbeitsunfähigkeitstage von Männern in der Altersgruppe von 15 bis 19 Jahren auf Muskel-Skelett-Erkrankungen. Bei den Frauen sind es 13 Prozent. Noch etwas höher liegen in dieser Altersgruppe die Anteile der Arbeitsunfähigkeitstage durch psychische Erkrankungen. 14,3 Prozent aller Fehlzeiten von Männern und 15,8 Prozent von Frauen entfallen auf diese Diagnosegruppe.

Herz-Kreislauf-Risikofaktoren

Ein besonderes Augenmerk legt der Barmer GEK Gesundheitsreport 2016 auch auf Risikofaktoren für das Herz-Kreislaufsystem bei jungen Menschen. Zu diesen kardiovaskulären Risiken zählen insbesondere Bluthochdruck, Diabetes und eine Fettstoffwechselstörung. Bei den Versicherten im Alter von 16 bis 30 Jahren zeigten sich in Schleswig-Holstein bei einem Anteil von 4,2 Prozent Hinweise auf mindestens einen der genannten drei Risikofaktoren. Damit liegt Schleswig-Holstein am unteren Ende im Vergleich der Bundesländer. Niedrigere Werte wurden nur in Baden-Württemberg, Berlin, Bremen und Hamburg ermittelt. Der höchste Wert zeigte sich mit 6,9 Prozent im Saarland.

Wichtig: Betriebliches Gesundheitsmanagement für Berufsstarter

"Die Ergebnisse unseres Reports zeigen, dass junge Menschen schon am Start ihres Berufslebens mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen haben. Speziell auf diese Altersgruppe zugeschnittene Angebote der betrieblichen Gesundheitsförderung gibt es bisher aber nur in wenigen Betrieben. Mit Blick auf das weitere vor ihnen liegende Arbeitsleben sind solche Angebote für junge Menschen aber unbedingt notwendig und zielführend. Es ist zwar erfreulich, dass das Interesse der Unternehmen an solchen Angeboten und Maßnahmen leicht steigt. Dennoch ist vielen Unternehmen nicht bewusst, dass es insbesondere auch im Hinblick auf den demografischen Wandel wichtig ist, auf die Bedürfnisse der jungen Beschäftigten einzugehen", erklärt Schleswig-Holsteins Barmer GEK Landesgeschäftsführer Thomas Wortmann. Auch über die Erwartungen der Generation Z gibt der Barmer GEK Report Auskunft.

Weitere Ergebnisse aus dem Barmer GEK Gesundheitsreport 2016

Über die speziellen Auswertungen zu jungen Menschen am Start ihres Berufslebens hinaus liefert der Barmer GEK Gesundheitsreport 2016 für Schleswig-Holstein zahlreiche weitere Ergebnisse:

  • Legten im Jahr 2014 insgesamt 54,6 Prozent der erwerbstätigen Versicherten mindestens einmal im Jahr eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vor, waren es 57,2 Prozent im Jahr 2015 (plus 4,8 Prozent).
  • Der Krankenstand stieg von 4,81 Prozent im Jahr 2014 auf 4,98 Prozent im Jahr 2015.
  • Die Zahl der Arbeitsunfähigkeitsfälle nahm je 100 Versicherte von 122 auf 131 zu.
  • 2015 entfielen auf jeden Versicherten 18,2 Arbeitsunfähigkeitstage. Dies waren 3,6 Prozent mehr als im Jahr 2014 (17,5 Tage).
  • Maßgeblich für den Anstieg der Fehlzeiten war eine stärkere Grippe-/ Erkältungswelle zu Beginn des Jahres 2015.
  • Der größte Anteil der Fehlzeiten entfiel 2015 landesweit mit 22,6 Prozent weiterhin auf Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems. Nach psychischen Störungen mit 21,3 Prozent folgen mit Anteilen von 12,4 und 11,8 Prozent Krankheiten des Atmungssystems sowie Verletzungen.
  • Innerhalb Schleswig-Holsteins variierten die Krankenstände im Jahr 2015 zwischen 4,43 Prozent im Kreis Pinneberg und 5,85 Prozent in Neumünster.
  • Muskel-Skelett-Erkrankungen hatten den höchsten Anteil an allen Fehlzeiten in den Kreisen Dithmarschen und Nordfriesland (jeweils 25,0 Prozent). Der niedrigste Anteil wurde mit 19,5 Prozent in Flensburg festgestellt.
  • Psychische Störungen hatten den höchsten Anteil an allen Fehlzeiten in Flensburg (29,0 Prozent) und in Neumünster (25,9 Prozent). Der niedrigste Anteil wurde mit 16,9 Prozent im Kreis Dithmarschen festgestellt.

Weitere Analysen und Ergebnisse liefert der Barmer GEK Gesundheitsreport Schleswig-Holstein 2016, der unter www.barmer-gek.de/507387 zum Download bereit steht.


Kontakt für die Presse:

Wolfgang Klink
Barmer Landesvertretung Schleswig-Holstein
Telefon: 0800 3320 6085-3020
E-Mail: presse.sh@barmer.de

Webcode dieser Seite: p006859 Autor: Barmer Erstellt am: 26.10.2016 Letzte Aktualisierung am: 20.12.2016
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