Pflegende Angehörige brauchen umfassende Unterstützung: Der größte Pflegedienst schwankt zwischen weiterer Bereitschaft und Aufgabe

Kiel, 05. März 2019 – Auswertungen der BARMER zufolge pflegen in Deutschland etwa 2,5 Millionen Menschen einen Familienangehörigen. In Schleswig-Holstein sind es rund 76.000. Die Hälfte aller Pflegepersonen pflegt ihre/n Partner/in, knapp 30 Prozent einen Elternteil. Während 46 Prozent der Pflegepersonen die weitere Pflege nicht in Frage stellen, solange sich die pflegerische Situation nicht verändert, könnten sich 35 Prozent auch vorstellen, den Umfang der pflegerischen Versorgung – zumindest für begrenzte Zeit – noch zu erweitern. Viele pflegende Angehörige stehen aber auch kurz davor, ihren Dienst einzustellen: 6,6 Prozent wollen nur mit mehr Hilfe weiter pflegen, knapp ein Prozent will dies auf keinen Fall länger tun. Dies sind Ergebnisse einer repräsentativen Befragung der BARMER im Rahmen ihres aktuellen Pflegereports, an der rund 1.900 pflegende Angehörige in Deutschland teilgenommen haben.

Viele pflegende Angehörige an Belastungsgrenze angekommen und häufiger krank

Wie die Ergebnisse der Befragung weiter zeigen, geht nur ein Drittel aller pflegenden Angehörigen arbeiten, jeder Vierte aber hat seine Arbeit aufgrund der Pflege reduziert oder ganz aufgeben müssen. So bestimmt die Pflege bei 85 Prozent der Betroffenen tagtäglich das Leben. Die Hälfte von ihnen kümmert sich sogar mehr als zwölf Stunden täglich um die pflegebedürftige Person. „Viele pflegende Angehörige sind an der Grenze der Belastbarkeit angekommen. Fast 40 Prozent von ihnen fehlt Schlaf, 30 Prozent fühlen sich in ihrer Rolle als Pflegende gefangen, und jedem Fünften ist die Pflege eigentlich zu anstrengend“, erläutert Dr. Bernd Hillebrandt, Landesgeschäftsführer der BARMER für Schleswig-Holstein, die Auswirkungen auf Gesundheit und Lebensqualität der Betroffenen. Wie Auswertungen der BARMER zudem belegen, sind pflegende Angehörige vergleichsweise häufig krank. So leiden in Schleswig-Holstein 51 Prozent von ihnen unter Rückenbeschwerden, 23 Prozent unter Depressionen und 12 Prozent unter Belastungsstörungen. Bei Personen, die niemanden pflegen, trifft dies nur auf 45 Prozent beziehungsweise 17 und 8 Prozent zu.

Ohne pflegende Angehörige geht es nicht

Nicht von ungefähr wünschen sich 60 Prozent der pflegenden Angehörigen Unterstützung bei der Pflege. Allerdings finde mehr als die Hälfte der Hauptpflegepersonen niemanden, um sich für längere Zeit vertreten zu lassen. Kurzzeitpflege, Tagespflege sowie Betreuungs- und Haushaltshilfen werden dem BARMER-Pflegereport nach zudem häufig nicht in Anspruch genommen. Wie die Befragung dazu aufdeckt, begründen die pflegenden Angehörigen dies neben einem fehlenden Angebot hauptsächlich mit Zweifeln an der Qualität und den Kosten. „Der Pflege drohen nicht nur durch den Fachkräftemangel erhebliche Probleme. Wenn Angehörige nicht länger ihre Familienmitglieder zu Hause pflegen wollen oder können, kommt ein weiteres hinzu. Ohne pflegende Angehörige geht es aber nicht. Deshalb ist es auch richtig, dass die Bundesregierung die Kurzzeit- und Verhinderungspflege in einem jährlichen Entlastungsbudget für Pflegebedürftige zusammenführen möchte“, sagt Hillebrandt. Aus Sicht der BARMER sollten die Entlastungsleistungen von aktuell 125 Euro monatlich ebenfalls in ein jährliches Entlastungsbudget einbezogen werden. Damit könnten auch die Eigenanteile zum Beispiel für einen Aufenthalt in einer Kurzzeitpflegeeinrichtung deutlich reduziert werden.

Weniger Bürokratie gefordert

Von den Befragten wünschten sich fast 60 Prozent auch weniger Bürokratie bei der Beantragung von Leistungen. Einen wichtigen Beitrag dazu leistet die BARMER, wo es in Kürze möglich sein wird, den Hauptantrag für Pflegeleistungen auf einfache und unkomplizierte Weise online zu stellen. Die BARMER begrüßt zudem, dass eine weitere Erleichterung für dauerhaft mobilitätseingeschränkte Versicherte schon seit Jahresbeginn gültig ist. „Dass für Krankenfahrten zum Arzt oder Zahnarzt für diese Schwerkranken keine Genehmigung der Krankenkasse mehr nötig ist, ist ein wichtiger Schritt in Richtung weniger Bürokratie. Es ist gut, dass die Menschen Stück für Stück mehr entlastet werden“, so der BARMER-Landeschef.

Weitere Informationen

Umfassende Informationen zum Thema Pflege und zur Gesundheit pflegender Angehöriger finden Interessierte im BARMER-Pflegereport 2018.

Webcode dieser Seite: p011113 Autor: BarmerErstellt am: 05.03.2019 Letzte Aktualisierung am: 05.03.2019
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