Somatoforme Störungen in Schleswig-Holstein seltener

Kiel, 09. August 2018 – Nirgends sind somatoforme Störungen seltener als in Schleswig-Holstein. Unter Beschwerden, für die keine körperliche Ursache festgestellt werden konnte, leiden zwar jede 9. Schleswig-Holsteinerin (10,8 Prozent) und jeder 19. Schleswig-Holsteiner (5,4 Prozent). Dies sind jedoch 20 Prozent weniger als im Bundesdurchschnitt, wo die Diagnoseraten bei 13,6 Prozent (Frauen) und 6,8 Prozent (Männer) liegen. In Berlin, wo die Auswertungen der Barmer die höchsten Diagnoseraten zeigen, ist jede 5. Frau und jeder 12. Mann von dieser Form einer psychischen Erkrankung betroffen.

Entstehungsfaktoren

Somatoforme Störungen sind nach Depressionen die zweithäufigste psychische Erkrankung. Fast jeder Mensch klagt bisweilen über unklare körperliche Symptome. Aber erst, wenn die Beschwerden mindestens sechs Monate andauern, spricht man von einer somatoformen Störung. Diese kann mit einem oder mehreren körperlichen Symptomen einhergehen und sich auf unterschiedlichste Art und Weise äußern, beispielsweise durch Herzrasen, Durchfall und andere Verdauungsbeschwerden oder Schmerzen. „Wenn eine somatoforme Störung auftritt, haben zuvor meist schon über einen längeren Zeitraum verschiedene Faktoren zusammengewirkt. Besonders belastende Lebenssituationen oder Lebensumstände, Konflikte bei der Arbeit oder im Privatleben, teilweise auch schon Kindheitserfahrungen unterschiedlichster Art und vieles mehr können mögliche Auslöser sein“, erläutert Dr. Bernd Hillebrandt, Landesgeschäftsführer der Barmer für Schleswig-Holstein.

Behandlung

Beim Auftreten körperlicher Beschwerden ist der Hausarzt die erste Anlaufstelle. Stellt sich heraus, dass keine körperliche Erkrankung vorliegt, wird der Hausarzt bei leichteren Beschwerden zunächst die Betreuung selbst vornehmen. Im weiteren Verlauf kann bei anhaltenden und stärkeren Beschwerden ein Gespräch mit einem Facharzt für Psychosomatik oder einem Psychotherapeuten sinnvoll sein. „Bei ausgeprägten somatoformen Störungen ist eine Psychotherapie meist das Mittel der Wahl. Die Therapie hilft, mit den körperlichen Beschwerden umgehen zu lernen und sie aus dem Alltag zu verdrängen. Zusätzlich helfen häufig auch Stressbewältigungs- oder Achtsamkeitstrainings“, so der Barmer-Landeschef. Wichtig sei auch, dass Angehörige oder Freunde die Erkrankung ernst nehmen, da sich die psychischen Belastungen sonst verstärken können.

Webcode dieser Seite: p010021 Autor: Barmer Erstellt am: 09.08.2018 Letzte Aktualisierung am: 09.08.2018
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