Pflegeberufe mit hohen Krankenständen – Verbesserung der Arbeitsbedingungen hat oberste Priorität

Kiel, 23. Juli 2018 – Durchschnittlich 31 Tage im Jahr können Beschäftigte in der Altenpflege krankheitsbedingt nicht arbeiten gehen. Mit 8,40 Prozent ist der Krankenstand der zweithöchste aller Berufsgruppen. Nur bei Bus- und Straßenbahnfahrer/innen liegen Arbeitsunfähigkeitstage (33 im Jahr) und Krankenstand (9,10 Prozent) höher. Dies zeigen die Auswertungen von Arbeitsunfähigkeitsdaten der erwerbstätigen Barmer-Versicherten aus dem Jahr 2017, die die Krankenkasse in ihrem Gesundheitsreport 2018 veröffentlicht hat. Neben den Altenpflegeberufen sind auch die Krankenstände in den Kranken- und Fachkrankenpflegeberufen mit 7,25 und 7,35 Prozent in den TOP-10 der Krankenstandsstatistik zu finden. Dies bedeutet etwa 27 Arbeitsunfähigkeitstage im Jahr.

Viele Einflussfaktoren

„Die Belastungen in den Pflegeberufen sind hoch. Die politischen Bemühungen zur Ausbildung, Vergütung und für mehr Pflegekräfte sind sicherlich wichtige Schritte für eine Aufwertung und Entlastung in Sachen Zeit- und Termindruck. Bis Effekte spürbar werden, wird aber noch viel Zeit vergehen. Und diese Maßnahmen haben keinen Einfluss darauf, dass es häufig vor allem Faktoren wie Arbeitsbelastung und Arbeitsorganisation sind, die zu krankheitsbedingten Ausfällen führen. Das fängt bei starren hierarchischen Strukturen und Defiziten in der Führung an und hört bei unregelmäßigen Diensten, Schicht-, Nacht- oder Bereitschaftsdiensten noch lange nicht auf. Wer ständig auf Abruf lebt, dass man wieder einmal einspringen muss und keine ausreichenden Erholungsphasen bekommt, der muss ja krank werden“, erläutert Schleswig-Holsteins Barmer Landesgeschäftsführer Dr. Bernd Hillebrandt. Hohe Krankenstände seien dann ein Teufelskreis, der zu zusätzlichen Belastungen führe. Daher bedürfe es beschäftigten- und alternsgerechter Arbeitsbedingungen sowie verantwortungsvoller Führungsorganisation, um auf der einen Seite Gesundheit, Lebensqualität und Arbeitsfähigkeit der Beschäftigten und auf der anderen Seite Produktivität und Arbeitsqualität zu fördern.

Betriebliche Gesundheitsförderung

Für Arbeitgeber wird es zunehmend wichtiger, sich um die Gesundheit, Zufriedenheit und Motivation ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu kümmern. Aber in Kliniken und Pflegeeinrichtungen steht das betriebliche Gesundheitsmanagement noch längst nicht überall auf der Agenda. Zur unabdingbaren Zukunftssicherung gehört es jedoch, die Beschäftigungsfähigkeit aller Altersgruppen in der Belegschaft nachhaltig zu fördern. Zentrales Ziel ist dabei, dass die Beschäftigten ihren Beruf bei guter Gesundheit bis zum Ausstieg aus dem Berufsleben ausüben können. Um dies zu erreichen, will die Politik die betriebliche Gesundheitsförderung für Pflegekräfte in Krankenhäusern und Pflegeheimen gezielt fördern. Nach dem Entwurf des Pflegepersonal-Stärkungsgesetzes sollen die Krankenkassen speziell für diese Berufsgruppen jährlich einen Euro pro Versicherten zur Verfügung stellen. „Die Stärkung der Betrieblichen Gesundheitsförderung in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen ist ein unbestritten wichtiges Ziel. Da das Gesundheitsmanagement ein kontinuierlicher Kreislauf aus Analyse, Planung, Umsetzung und Überprüfung ist, müssen die Träger aktiv daran mitwirken und dauerhaft Ressourcen bereitstellen. Denn sonst stellen sich keine Erfolge ein“, erklärt der schleswig-holsteinische Barmer-Landeschef.

Krankenstand in Schleswig-Holstein 2017 leicht gesunken – Niedrigster Krankenstand in Nordfriesland

Über alle Erwerbstätigen betrachtet, ist die Zahl der Arbeitsunfähigkeitstage in Schleswig-Holstein 2017 im Vergleich zum Vorjahr leicht gesunken. Auf jeden Erwerbstätigen entfielen 17,81 Fehltage, 0,23 Tage weniger als im Jahr zuvor. Der Krankenstand lag in Schleswig-Holstein damit im Jahr 2017 bei 4,88 Prozent (2016 = 4,94 Prozent). „Zurück zu führen war der etwas niedrigere Krankenstand insbesondere auf den leichten Rückgang der Arbeitsunfähigkeitstage bei den zwei bedeutendsten Krankheitsgruppen Rückenschmerzen und psychische Erkrankungen“, so Hillebrandt. Im Bundesdurchschnitt sank der Krankenstand von 4,84 Prozent (2016) auf 4,82 Prozent (2017). In den Städten und Kreisen Schleswig-Holsteins zeigte sich im Jahr 2017 eine uneinheitliche Entwicklung. Während in Flensburg sowie den Kreisen Herzogtum Lauenburg, Ostholstein und Pinneberg die Krankenstände leicht anstiegen, sanken die Werte in den übrigen Regionen. Der niedrigste Krankenstand wurde mit 4,35 Prozent im Kreis Nordfriesland ermittelt. Hier fehlte jeder Erwerbstätige wegen Krankheit im Durchschnitt 15,89 Tage. Der höchste Krankenstand wurde mit 5,46 Prozent unverändert in Neumünster gemessen. Hier fehlte jeder Erwerbstätige krankheitsbedingt im Durchschnitt 19,94 Tage.


Webcode dieser Seite: p009872 Autor: Barmer Erstellt am: 23.07.2018 Letzte Aktualisierung am: 23.07.2018
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