Gefährlicher Alkoholkonsum in Schleswig-Holstein - Tendenz abnehmend, aber noch immer bedenklich

Kiel, 12. Februar 2018 – Wegen einer akuten Alkoholvergiftung mussten im vergangenen Jahr 374 Versicherte der Barmer in Schleswig-Holstein stationär in einem Krankenhaus behandelt werden. Dies belegen Auswertungen der Barmer zu Krankenhausaufenthalten im Jahr 2017. Die Zahlen der Barmer zeigen eine abnehmende Tendenz zum Vorjahr, wo noch 462 Versicherte mit einer akuten Alkoholvergiftung im Krankenhaus behandelt werden mussten. „Angesichts der rückläufigen Zahlen wäre es wünschenswert, wenn die vielseitigen Präventionsbemühungen Früchte tragen würden“, erklärt Torge Bammel, Präventionsexperte bei der Barmer in Schleswig-Holstein. Dies könnten aber erst die folgenden Jahre zeigen.

Die Zahlen der Barmer bestätigen damit auch die bis zum Jahr 2016 vorliegenden Daten der Gesundheitsberichterstattung des Bundes für Schleswig-Holstein insgesamt. Danach ging die Zahl der mit einer akuten Alkoholvergiftung im Krankenhaus behandelten Schleswig-Holsteiner von 4.303 im Jahr 2014 auf 3.624 im Jahr 2016 zurück. „Allerdings gibt es bei jungen Leuten keine Entwarnung. Unverändert liegt der Anteil der Betroffenen unter 20 Jahre bei etwa 18 Prozent. Viele sind auch noch keine 15 Jahre alt. Die Zahl der jugendlichen Rauschtrinker unter 15 ist zwar deutlich niedriger als noch 2008/2009, aber mit 69 im Jahr 2016 noch 69 zu hoch“, so Bammel. In den Jahren 2008/2009 wurden 125 Jugendliche unter 15 Jahren mit einer akuten Alkoholvergiftung stationär in einem Krankenhaus behandelt.

„HaLT“ – ein nachhaltiges Präventionskonzept in Schleswig-Holstein

Exzessivem Alkoholkonsum bei Jugendlichen mit einer anschließenden Alkoholvergiftung wird in Schleswig-Holstein mit dem Programm „HaLT“ gezielt entgegen gewirkt. Das Projekt wird von den Krankenkassen finanziert und von der Landesstelle für Suchtfragen in Schleswig-Holstein (LSSH) organisiert. Minderjährige Jugendliche werden nach einer Alkoholvergiftung von Beraterinnen oder Beratern der lokalen Suchtberatungsstellen bereits im Krankenhaus aufgesucht. Dort findet ein erstes „Brückengespräch“ mit Eltern statt und es werden anschließend weitere Hilfsangebote unterbreitet. Auf kommunaler Ebene sollen Aufklärungskampagnen für einen verantwortungsbewussteren Umgang mit Alkohol hinwirken. „In den Präventionsbemühungen dürfen wir weiterhin nicht nachlassen. Junge Menschen müssen für die Gefahren eines riskanten Alkoholkonsums sensibilisiert werden, damit sie ihr Verhalten ändern können“, unterstreicht Bammel.

Alkohol und Arbeit – ein wichtiges Thema für Arbeitgeber

Neben dem „Komasaufen“ von Jugendlichen, bereitet auch der Alkoholkonsum von Beschäftigten im mittleren Alter weiterhin Grund zur Sorge. Experten schätzen, dass mittlerweile jeder fünfte bis zehnte Mitarbeiter so viel Alkohol trinkt, dass die Qualität der Arbeit negativ beeinflusst wird. 40 Prozent der im Jahr 2016 stationär behandelten Rauschtrinker in Schleswig-Holstein waren im Alter zwischen 40 und 60 Jahre. „Führungskräfte mit Personalverantwortung haben die Aufgabe, sich auch konsequent mit gefährlichem oder riskantem Alkoholkonsum ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu befassen“, so Bammel.

Onlinetraining "Clever weniger trinken"

Nicht jeder, der seinen Alkoholkonsum selbst als kritisch ansieht, "outet" sich gerne. Lieber wird in der Anonymität des World Wide Web nach Hilfe und Unterstützung gesucht. Wer sein Trinkverhalten selbstständig überprüfen und den Alkoholkonsum einschränken oder ganz aufgeben möchte, der erhält daher mit dem Online-Programm "Clever weniger trinken" gute Unterstützung. Das sechswöchige Programm besteht aus sechs 30- bis 45-minütigen Lektionen und richtet sich an Menschen, deren Alkoholkonsum zwar riskant ist, bei denen aber dennoch keine Abhängigkeit diagnostiziert wurde. Sie sollen dabei unterstützt werden, ihre Trink-Gewohnheiten auf ein gesundheitsverträgliches Maß herunterzuschrauben.

Mehr Informationen:

www.lssh.de/halt
www.sucht-am-arbeitsplatz.de
www.barmer.de/g100347

Webcode dieser Seite: p008965 Autor: Barmer Erstellt am: 12.02.2018 Letzte Aktualisierung am: 12.02.2018
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