Selbsthilfe Mitgestalten

Was Du allein nicht schaffst, das schaffen wir zusammen!

Haben Menschen Probleme im Umgang mit chronischen oder seltenen Krankheiten, mit Behinderungen oder befinden sie sich in psychosozialen kritischen Lebensumständen, dann benötigen sie Unterstützung. Eine Vernetzung mit anderen Betroffenen kann in diesen besonderen Situationen hilfreich sein. In verschiedenen Selbsthilfegruppen engagieren sich Menschen ehrenamtlich. Sie bieten eine Anlaufstelle. Hier treffen sich keine Fachexperten, sondern Menschen mit gleichgearteten Problemen zu Gesprächen. Das geschieht auf freiwilliger Basis, regelmäßig und ohne Zwang, mit dem Ziel die persönliche Lebensqualität der Betroffenen oder von Angehörigen zu verbessern. Im Wesentlichen dienen diese Treffen dem Informations- und Erfahrungsaustausch, der praktischen Lebenshilfe, aber auch der gegenseitigen emotionalen Unterstützung und Motivation.

Im Bereich der gesundheitsbezogenen Selbsthilfe unterstützen und fördern die gesetzlichen Krankenkassen seit vielen Jahren die Aktivitäten von Selbsthilfeorganisationen, -gruppen sowie Kontaktstellen der gesundheits-bezogenen Selbsthilfe. Deren Angebote können in vielfältiger und wirksamer Art und Weise professionelle Ansätze der Gesundheitsversorgung ergänzen. Gleichzeitig trägt sie dem hohen gesundheitspolitischen Stellenwert der Selbsthilfe Rechnung. Die Förderung durch die Krankenkassen erfolgt auf der gesetzlichen Grundlage des § 20h Sozialgesetzbuch V (SGB V). Gleichzeitig ist sie immer auch eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und soll gemeinschaftlich von Sozialversicherungsträger, der öffentlichen Hand sowie der privaten Kranken- und Pflegeversicherung umgesetzt werden.

Die Barmer GEK nimmt diese Aufgabe sehr ernst. Neben der bundesweiten, kassenübergreifenden Förderung von Gemeinschaftsprojekten unterstützt sie noch einmal zusätzlich einzelne regionale Projekte im Freistaat, gezielt und individuell. Im Jahr 2016 stellte die Barmer GEK 58.300 Euro für sächsische Projekte der gesundheitlichen Selbsthilfe bereit.

25 Projekte in Sachsen gefördert

NACHGEFRAGT UND AUF DEN PUNKT
Anett Wagner, Ansprechpartnerin für Prävention und Selbsthilfe der BARMER GEK Landesvertretung Sachsen, beantwortet die wichtigsten Fragen zur Selbsthilfeförderung im Freistaat.
Warum sind Selbsthilfegruppen so wichtig?
Hilfsbereitschaft und Verständnis untereinander sind sehr wichtige Säulen im Zusammenleben von Menschen. Sie halten unsere Gesellschaft zusammen. In Selbsthilfegruppen wird das bereits gelebt. Oft ist es die Diagnose einer chronischen Erkrankung oder das Eintreten einer Behinderung, die es den Betroffenen schwer macht, wieder im Alltag Fuß zu fassen und das eigene Leben mit der Krankheit zu meistern. Hier leisten Selbsthilfegruppen einen sehr wichtigen Beitrag. Sie stehen jedem offen, der eine Austauschmöglichkeit und Hilfe sucht. Meist sind sie aus der Initiative einzelner selbst betroffenen Personen heraus entstanden, mit dem Ziel, anderen Menschen in ähnlichen Situationen Mut zu machen, eine Plattform für den Austausch von wertvollen Tipps im Umgang mit der jeweiligen Erkrankung zu schaffen. Nicht zuletzt wird den Betroffenen signalisiert, dass sie nicht allein sind. Den Initiatoren der Selbsthilfe gebührt eine hohe Wertschätzung. Jährlich vergibt daher der Verband der Ersatzkassen, zu dem die Barmer GEK gehört, den Sächsischen Selbsthilfepreis. Ausgezeichnet werden besondere Ideen, Initiativen oder besonderes Engagement.
Wie finden Betroffene geeignete Selbsthilfegruppen?
Wir als Krankenkasse sind gern die erste Anlaufstelle für Betroffene, Angehörige oder auch einfach nur Interessierte. In unseren Geschäftsstellen beraten wir und helfen gern bei der Suche nach einer geeigneten Gruppe. Für alle, die im Internet unterwegs sind, bietet unsere Website eine Informationsmöglichkeit mit Querverweisen auf weitere ausgewählte Seiten.
Unter welchen Voraussetzungen fördert die Barmer GEK Projekte der Selbsthilfe?
Es gibt zwei Bereiche, in denen wir als Kasse aktiv sind. Im Rahmen einer bundesweiten, kassenübergreifenden Pauschalförderung werden Selbsthilfestrukturen im Sinne einer Basisfinanzierung institutionell bezuschusst. Daran sind alle gesetzlichen Kassen beteiligt.

Parallel dazu fördern wir auch zahlreiche individuelle Projekte. Der Gesetzgeber hat den Krankenkassen die Möglichkeit eröffnet, mit der Selbsthilfe im Rahmen der Projektförderung zu kooperieren und inhaltlich zusammenzuarbeiten. Diese Möglichkeit nutzen wir gern. Gefördert werden zeitlich und inhaltlich begrenzte Maßnahmen. Das können beispielsweise Tages-, Wochenendseminare oder Workshops sein, in denen Fachexperten neueste medizinische Informationen aus den Bereichen der Arzneimittelversorgung, der Rehabilitation vermitteln oder die Betroffene im Umgang mit Ihrer Erkrankung im Alltag beraten. Ebenfalls förderfähig sind besondere Maßnahmen der Öffentlichkeitsarbeit. Das können beispielsweise Informationsstände zu besonderen Anlässen sein, um die Arbeit der Selbsthilfegruppe vorzustellen.

Können sie Beispiele hier in Sachsen benennen?

2016 haben wir in Sachsen durch individuelle Projektförderung rund 30 Selbsthilfeorganisationen und –gruppen gefördert. Unterstützt wurden beispielsweise die Selbsthilfegruppe das Zweite Leben – Nierenlebendspende bei ihrem Projekt zur Aufklärungsarbeit über Organspende und Selbsthilfe im Rahmen des Dresdner Stadtfestes oder die Zwickauer Selbsthilfegruppe Prostatakrebs bei einer Schulungsfahrt nach Berlin, die Diabetes Kids Leipzig bei ihrem Schulungswochenende, aber auch die Elternhilfe für Kinder mit Rett-Syndrom oder die Sächsischen Landesverbände der Deutschen Multiplen Sklerose Gesellschaft und noch viele mehr.

Welche Empfehlung geben Sie Selbsthilfegruppen, die tolle Projektideen haben und Unterstützer suchen?

Wer Projekte der gesundheitsbezogenen Selbsthilfe plant und Fördermittel benötigt, kann bei der Barmer Landesvertretung jederzeit nachfragen. Wir freuen uns über jedes einzelne Projekt, das Betroffenen hier in der Region hilft, die persönliche Lebensqualität zu verbessern. Sind die Vorhaben, Ziele und voraussichtlichen Kosten des geplanten Projektes vollständig beschrieben und ist ein Antrag auf Förderung in schriftlicher Form oder per Mail bei uns gestellt, prüfen wir diesen. Sollten Fragen offen geblieben sein, setzen wir uns mit den Antragssteller in Verbindung.

STANDORTinfo dankt Anett Wagner für das Gespräch.

Projektwochenende für Jugendliche mit Diabetes mellitus

Ein Beispiel für die individuelle Förderung durch die Barmer GEK

Bereits zum vierten Mal fand im November 2016 ein Schulungswochenende für Jugendliche im Alter von 14‐bis 17 Jahren statt. Organisiert wurde es von den „Diabetes Kids Leipzig“ und der Diabetesambulanz der Uni Kinderklinik Leipzig. 49 Jugendliche erlebten ereignisreiche und spannende Tage. In Schulungen wurden sehr aufschlussreichen Themen wie zum Beispiel Diabetes und Berufswahl oder Diabetes und Fahrerlaubnis behandelt. Aber auch spezielle Dinge wie Diabetes und Alkohol, Sexualität und Partnerschaft wurden intensiv und unter professioneller Leitung besprochen. So lernten die Teens auch viel über Folgeerkrankungen und deren Vorbeugung im Alltag. Zur Abwechslung nach viel Theorie gab es auch ein intensives Sportprogramm mit Spitzensportlern.


 

Webcode dieser Seite: p007026 Autor: Barmer Erstellt am: 29.12.2016 Letzte Aktualisierung am: 29.12.2016
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