Innovative Versorgungsprojekte in Sachsen

Eine Arbeitsgruppe im Rahmen des Landesgremiums (nach § 90a SGB V ; https://www.sozialgesetzbuch-sgb.de/sgbv/90a.html ) bestehend aus Sozialministerium, gesetzlichen Krankenkassen, Kassenärztlicher Vereinigung Sachsen und Landesärztekammer hat zwei regionale Versorgungsprojekte entwickelt, um die medizinische Versorgung in ländlichen Regionen zu verbessern. Marienberg und Weißwasser wurden als Modellregionen in Sachsen ausgewählt. Zwei Projekte sind in den letzten Monaten gestartet.

 

Region Weißwasser

Kinder- und jugendpsychiatrische Versorgung in Weißwasser verbessert

Kind lust- und antriebslos

Kind lust-und antriebslos (Bild: Barmer)

Für Kinder und Jugendliche mit psychischen Erkrankungen verbessert sich in der Region Weißwasser die Versorgung deutlich. Der niedergelassene Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie Dr. Reinhard Martens mit Hauptsitz in Pirna hat in Weißwasser eine ambulante Zweigpraxis eröffnet.

Mit einem Versorgungsgrad von 41 Prozent war die Region Weißwasser deutlich unterversorgt. Für Termine beim ambulanten kinder- und Jugendpsychiater mussten Patienten weite Wege in Kauf nehmen. Mit dieser ambulanten Zweigpraxis wird die Kinder- und jugendpsychiatrische Versorgung vor Ort deutlich verbessert.

Dieses Projekt ist eines der ersten Versorgungsprojekte in Sachsen. Es wurde durch das gemeinschaftliche Zusammenwirken aller gesetzlichen Krankenkassen in Sachsen und der Kassenärztliche Vereinigung (KV) möglich.

Delegation fachärztlicher Leistungen, Videosprechstunde

Das Projekt beinhaltet die Delegation fachärztlicher Leistungen auf hochqualifizierte Therapeuten in Weißwasser, mit denen Dr. Reinhard Martens von Pirna aus über jederzeit verfügbare Videokonferenzen in Verbindung steht. Mit den Patienten tauscht sich der Arzt auch per therapeutisch assistierter Videosprechstunde aus, wobei der erste Kontakt stets persönlich stattfindet. Diese neue Praxisorganisation entlastet den Arzt und ermöglicht ihm, zusätzliche Patienten ambulant in der Zweigpraxis zu behandeln.

Zusammenarbeit eines multiprofessionellen Behandlungsteams mittels moderner Technik 

Das multiprofessionelle Team besteht neben Dr. Martens aus Therapeuten mit medizinischen, therapeutischen oder sozialwissenschaftlichen Studienabschlüssen oder Zusatzqualifizierungen sowie langjährigen praktischen Erfahrungen. Auf diesem hohen Qualifikationsniveau verfügt das Fachpersonal über die Kompetenz, dem Facharzt die Betreuungsleistungen weitgehend abzunehmen und die Patienten intensiv im Verlauf der Behandlung zu begleiten. Die Therapeuten bereiten das Arztgespräch unter Einsatz von Fragebogentests vor, erklären den Patienten und Eltern die Behandlungsschritte oder betreuen sie direkt im familiären und sozialen Umfeld. Die Behandlung obliegt selbstverständlich weiterhin dem Arzt, der über eine telemedizinische Plattform die Therapie parallel verfolgt und sich sofort einschalten kann. Bei schwer kranken Patienten mit erheblichen psychosozialen Einschränkungen sind im Rahmen der Intensivtherapie gerade Besuche im häuslichen oder schulischen Umfeld und häufigere Kontakte in allen Lebensbereichen (Familie, Kindergarten, Schule, Ausbildung, Freundeskreis u.a.) besonders wichtig. Mit ihren spezifischen beruflichen Kompetenzen und ihrer intensiven Vernetzungsarbeit tragen die Therapeuten maßgeblich dazu bei, die Kinder und Jugendlichen sowie deren familiäres Umfeld im Umgang mit der Erkrankung zu stärken. In Krisensituationen steht der Arzt den Patienten mit seiner Expertise persönlich zur Verfügung.
Der Einsatz moderner Telemedizin ermöglicht es, die Patientenbetreuung auch in unterversorgten Gebieten wohnortnah sicherzustellen. Der Facharztstandard sowie das Tandem aus Mediziner und Therapeuten gewährleisten die hohe Qualität des Projektes.  

Dr. Fabian Magerl, Landesgeschäftsführer der Barmer Sachsen zum Projekt: 

Die ärztliche Versorgung im Freistaat muss durch neue und moderne Wege gestärkt werden. Hier geht Dr. Reinhard Martens als Pionier beispielgebend voran. Sein engagierter, anpackender Einsatz für das nun startende Projekt ist wegbereitend für Sachsen.

 

Region Marienberg

Schnellere Termine beim Augenarzt: Start des Projekts „Telesprechstunde“ in Zschopau

Untersuchung beim Augenarzt

Untersuchung beim Augenarzt (Bild: Barmer)

Die Region Marienberg ist die zweite Modellregion in Sachsen, in der neue Konzepte erprobt werden, um die medizinische Versorgung zu verbessern. Einer drohenden Unterversorgung im Bereich der augenärztlichen Versorgung begegnet der niedergelassene Facharzt für Augenheilkunde, Simo Murovski, mit einem erweiterten Sprechstundenangebot. Er hat seine Praxisorganisation um eine Telesprechstunde erweitert.

Schneller ein Termin beim Augenarzt

Der große Vorteil für die Patienten in der Region Marienberg besteht darin, schneller als bisher einen Termin beim Augenarzt vereinbaren zu können. Für Berufstätige bietet die Praxis Sprechstundenzeiten an zwei Tagen in der Woche bis 18 Uhr an. Die modernen Untersuchungsgeräte liefern dem Arzt eine hochauflösende Darstellung des Auges, anhand derer er eine exakte Diagnose stellen und seine Therapie ausrichten kann.

Versorgung von mehr Patienten als bisher

In der Augenarztpraxis erhebt speziell qualifiziertes Personal an modernen augenärztlichen Untersuchungsgeräten die Befunde. Nach einem vorangegangenen persönlichen Kontakt mit dem Patienten greift der Facharzt unabhängig von Ort und Zeit auf die verschlüsselten Befunde zu und bewertet sie. Der Patient erhält immer die ausführliche Auswertung seiner Untersuchungsergebnisse schriftlich. Im Fall von krankhaften Veränderungen wird der Patient zu einem weiteren persönlichen Gespräch mit dem Facharzt eingeladen.
Die Telesprechstunde entlastet den Arzt von regulären Wiederholungsuntersuchungen und verschafft ihm wertvolle Sprechstundenzeit für die Behandlung von Patienten. Dabei nutzen die Partner neue digitale Möglichkeiten unter Beachtung des Datenschutzes.

Dr. Fabian Magerl, Landesgeschäftsführer der Barmer Sachsen:

Die personellen Ressourcen in der Ärzteschaft sind begrenzt. Umso wichtiger ist es, die ausgetretenen Pfade zu verlassen und in der Versorgung neue Wege zu gehen. Für die Sicherstellung der haus- und fachärztlichen Versorgung ist eine Entlastung der Ärzte durch qualifiziertes Fachpersonal unumgänglich.

Webcode dieser Seite: p011925 Autor: BarmerErstellt am: 01.08.2019 Letzte Aktualisierung am: 01.08.2019
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