Magensäureblocker - Präparate mit Suchtpotential

Dresden, 24. Januar 2017 - Immer mehr Menschen in Sachsen bekommen Magensäureblocker, auch Protonenpumpen-Inhibitoren (PPI), vom Arzt verschrieben. Dies geht aus einer Auswertung der Barmer hervor. Im Jahr 2015 verordneten Mediziner hierzulande 68.400 Patienten PPI, im Jahr 2011 waren es 57.300. 2011 waren 14 Prozent aller Versicherten betroffen, 2015 bereits 18 Prozent. Die Barmer sieht die Entwicklung mit Sorge. "Dass immer mehr Patienten Magensäureblocker verordnet bekommen, ist weder durch steigende Erkrankungsraten noch durch demografische Faktoren zu erklären", kritisiert Fabian Magerl, Landesgeschäftsführer der Barmer in Sachsen. "Magensäureblocker können abhängig machen und sollten daher bei akuten Beschwerden nur über einen begrenzten Zeitraum in Rücksprache mit dem Arzt eingenommen werden."

Immer mehr junge Menschen mit Magensäureblockern

Grundsätzlich finden sich die höchsten Verordnungsraten laut Barmer bei den betagten und hochbetagten Versicherten. "Wir beobachten aber, dass auch immer mehr junge Menschen Magensäureblocker einnehmen", sagt Magerl. So ist die Verordnungsrate bei den 20- bis 29-jährigen Barmer Versicherten aus Sachsen von 2011 bis 2015 um rund 43 Prozent bei den jungen Frauen und um 47 Prozent bei den jungen Männern gestiegen. Wie aus der Analyse hervorgeht, haben im Jahr 2015 mehr als sechs Prozent der Sächsinnen und 5 Prozent der Sachsen zwischen 20 und 29 Jahren Magensäureblocker verordnet bekommen. "Ein Grund dafür könnte womöglich sein, dass sich junge Menschen immer häufiger unter Druck fühlen, was ihnen buchstäblich auf den Magen schlägt", vermutet Magerl.

Präparate mit Suchtpotential

Magensäureblocker kommen zum Beispiel zum Einsatz, wenn die Betroffenen unter Sodbrennen leiden, eine entzündete Magenschleimhaut oder gar Geschwüre haben. Immer häufiger finden sie zudem Anwendung, wenn Schmerzmittel oder über längere Zeit Cortison eingenommen werden muss. Hier verhindern sie Magenschmerzen, indem sie die Magensäure reduzieren und so dem Magen helfen, sich wieder zu regenerieren. Obwohl Magensäureblocker als sichere Medikamente gelten, ist deren zunehmender Einsatz nicht unbedenklich. Wer zu lange Magensäureblocker schluckt, kann in einen Teufelskreis geraten, weil der Körper sich an die Medikamente gewöhnt. Wenn die PPI dann abgesetzt werden, kann es zu einer überschießenden Magensäureproduktion kommen, die schnell zu neuen Magenschmerzen oder Sodbrennen führen kann. Die Betroffenen werden daraufhin immer wieder zu PPI greifen.

Anteil der Versicherten mit PPI-Verordnung

 Quelle: Barmer

Anteil der weiblichen Versicherten mit PPI-Verordnung

Quelle: Barmer

Anteil der männlichen Versicherten mit PPI-Verordnung

Quelle: Barmer 

Kontakt für die Presse:

Claudia Szymula
Barmer Landesvertretung Sachsen
Telefon: 0800 333004 152 231 oder
E-Mail: claudia.szymula@barmer.de

Webcode dieser Seite: p007159 Autor: Barmer Erstellt am: 24.01.2017 Letzte Aktualisierung am: 24.01.2017
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