7. Dresdner Dialog am Flughafen - Flächendeckende digitale Versorgung muss kommen

Dresden, 5. Juni 2019 – Die Barmer fordert alle Akteure im Freistaat Sachsen zu mehr Einsatz bei der Digitalisierung im Gesundheitswesen auf. „Wir können und dürfen die Digitalisierung der Gesundheitsversorgung nicht profitorientierten ausländischen Großkonzernen überlassen. Bund, Länder und sämtliche Akteure des Gesundheitswesens sollten die Digitalisierung konsequent gemeinsam vorantreiben. Wir begrüßen daher das Digitale Versorgung-Gesetz von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und erwarten nun dessen konstruktive Umsetzung“, sagt der Vorstandsvorsitzende der Barmer, Prof. Dr. Christoph Straub, mit Blick auf den 7. Dresdner Dialog am Flughafen. Rund einhundert Gäste diskutieren heute Abend, wie weit Sachsen auf dem Weg in eine digitale Gesundheitsversorgung gekommen ist und worin gegenwärtig die wichtigsten Herausforderungen bestehen.

Bessere rechtliche Rahmenbedingungen im Freistaat schaffen

Die zeitgleich in Leipzig tagende Gesundheitsministerkonferenz unter Vorsitz der sächsischen Staatsministerin für Soziales und Verbraucherschutz, Barbara Klepsch, sollte aus Sicht der Barmer eine verbindliche Selbstverpflichtung der Länder zu konkreten, breitenwirksamen Digitalisierungsmaßnahmen beschließen. Gegenüber dem Bund müsse der Freistaat auf bessere rechtliche Rahmenbedingungen hinwirken. „Schnelles, stabiles, flächendeckendes Internet in allen Regionen des Freistaates stellt eine Grundvoraussetzung für digitalen Service dar. Eine Umsetzung von regionalen Versorgungsvorhaben mit digitaler Unterstützung, so wie es beispielsweise die Barmer mit Hilfe von Videosprechstunden, Hebammenberatung per Chat oder Online-Trainingsangeboten für psychisch Kranke ihren Versicherten anbietet, wird erst dann durchgängig für alle Bürgerinnen und Bürger Sachsens möglich“, mahnt Dr. Fabian Magerl, Landesgeschäftsführer der Barmer in Sachsen.

Digitalisierung der Medizin – eine Chance für ländliche Regionen

Der Präsident der Sächsischen Landesärztekammer, Erik Bodendieck, stellt folgende Punkte einer Digitalisierung der Medizin vor: „Für eine bessere und sichere Versorgung muss zum einen endlich eine elektronische Patientenakte eingeführt werden, auf die alle behandelnden Ärzte eines Patienten Zugriff haben. Zum Schutz der Patientendaten und deren Nutzung braucht es zum anderen einen positiv formulierten Ordnungsrahmen für die Digitalisierung im Gesundheitswesen. Ebenso benötigen wir eine valide Nutzenbewertung digitaler Anwendungen zum Beispiel in dauerhaften Erprobungsregionen. Außerdem müssen der Notfalldatensatz und der eMedikationsplan zur Anwendung kommen. Die Hauptanliegen einer Digitalisierung müssen in jedem Fall Patientensicherheit und Arztentlastung sein.“

Digitale Infrastruktur in Krankenhäusern

Nach Ansicht der Krankenhausgesellschaft Sachsen dürften die Kosten für Einrichtung, Betrieb und Sicherung digitaler Lösungen in Krankenhäusern keine Hemmschwelle für das digitale Fitmachen darstellen. Bereitgestellte finanzielle Mittel müssten unkompliziert abrufbar sein. „Krankenhäuser sind als institutionalisierte und vernetzte Leistungserbringer ein Motor für medizinischen Fortschritt und eine flächendeckende Digitalisierung aller Prozesse, sowohl in Diagnostik und Therapie am Patienten, als auch im Rahmen von Abrechnung, Dokumentation und Logistik. Leider ist der Tatbestand der Digitalisierung in den vorhandenen krankenhausrelevanten Finanzierungs- und Rechtsinstrumenten auf Bundes- und Landesebene bisher nur unzureichend abgebildet“, beschreibt Dr. Stefan Helm, Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft Sachsen die aktuelle Situation.

Mediziner und Therapeuten stärker vernetzen

Für eine optimale Versorgung vor Ort müssen sich aus Sicht der Barmer auch die Leistungserbringer vernetzen. Regionale Versorgungsverbünde können hierbei die Zusammenarbeit zwischen niedergelassenen Ärzten, Krankenhäusern und weiteren Leistungserbringern verbessern. Digitalisierte Prozesse und eine sektorenübergreifende Datenautobahn stellten auch hier das Fundament für die Medizin von morgen dar. Durch eine sektorenübergreifende Versorgung und den konsequenten Einsatz digitalisierter Prozesse könne auch in Zukunft in Sachsen eine hochwertige Gesundheitsversorgung, die den Maßstäben von Qualität und Wirtschaftlichkeit entspreche, sichergestellt werden. „Voraussetzung für den Erfolg der erforderlichen Strukturveränderungen im Gesundheitswesen ist immer deren Praxistauglichkeit in den Regionen. Daher ist es sinnvoll, sektorenübergreifende Versorgung in Modellen auch hier in Sachsen zu erproben, um die Akzeptanz bei Leistungserbringern und Patienten zu fördern und damit eine Medizin ohne technische und administrative Barrieren zu gewährleisten“, so Magerl. Auch gelte es, bereits erfolgreich pilotierte, qualitativ gesicherte telemedizinische Anwendungen zügig in die Regelversorgung zu überführen, um sie damit allen gesetzlich Versicherten zugänglich zu machen.

Webcode dieser Seite: p011607 Erstellt am: 05.06.2019 Letzte Aktualisierung am: 05.06.2019
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