Jeder vierte Sachsen-Anhalter war 2015 in der Klinik: Anstieg der Krankenhausfälle hält seit Jahren an

Bundesweit ist die Zahl der Klinikeinweisungen in den vergangenen Jahren kontinuierlich angestiegen und erreichte im Vorjahr mit 223 Krankenhausfällen je 1000 Versicherten einen neuen Höchststand. Dies ist das Ergebnis des Barmer-Krankenhausreports. Innerhalb von 10 Jahren ist die Fallzahl deutschlandweit um 7 Prozent gestiegen, gegenüber dem Jahr 1990 sogar um 36 Prozent.

Magdeburg, 27. Mai 2017 - Die Sachsen-Anhalter gehören dabei zu den Bundesbürgern mit den häufigsten stationären Behandlungen: „2015 kamen auf 1000 Versicherte zwischen Arendsee und Zeitz  239 Krankenhausfälle – rein statistisch war somit etwa jeder vierte Einwohner einmal im Jahr zur Behandlung im Krankenhaus“, sagt Axel Wiedemann, Landesgeschäftsführer der Barmer in Sachsen-Anhalt. Deutlich gestiegen sind zudem die Kosten: „Allein von 2010 bis 2015 sind die mittleren Ausgaben für Krankenhausbehandlungen in Sachsen-Anhalt um 21,8 Prozent auf 939 Euro je Versichertem gestiegen“, ergänzt Axel Wiedemann. Für die Barmer summierten sich die Krankenhausausgaben 2015 auf mehr als 300 Millionen Euro in Sachsen-Anhalt.

„Und dies, obwohl sich die Dauer der Klinikaufenthalte erheblich verringert hat“, sagt Wiedemann. Waren die Patienten 2006 noch durchschnittlich 8,7 Tage im Krankenhaus, ging dieser Wert innerhalb von 10 Jahren um 11,8 Prozent bzw. einen kompletten Tag auf 7,7 Tage zurück. Zum Vergleich: 1990 waren die Patienten sogar noch durchschnittlich 13,4 Tage in der Klinik.

Erhebliche regionale Unterschiede

Der Blick in den Barmer-Krankenhausreport offenbart z.T. erhebliche regionale Unterschiede. So reicht die Zahl der Krankenhausfälle je 1000 Versicherte von 213 in Magdeburg bis zu 270 im Salzlandkreis. Hohe Werte haben zudem der Altmarkkreis Salzwedel (262 Fälle) und der Landkreis Anhalt-Bitterfeld (256).

Größere Unterschiede zwischen den einzelnen Regionen des Landes gibt es auch im Vergleich mit dem Vorjahr: So ging die Zahl der Krankenhausfälle im Landkreis Stendal von 2014 zu 2015 um 4 Prozent zurück. Auch in Magdeburg (minus 3,5 Prozent), dem Jerichower Land (-1,8%), Mansfeld-Südharz (-1,5%) und Dessau-Roßlau (-1%) wurden die Krankenhausaufenthalte reduziert. In allen anderen Regionen kam es hingegen zu einem Anstieg, am stärksten in im Burgenlandkreis (plus 5,7 Prozent), gefolgt von Anhalt-Bitterfeld (+5%), dem Kreis Wittenberg (+4,4%), der Stadt Halle (+4,3%) und dem Salzlandkreis (+4%). „Dieser Befund widerspricht in Teilen der häufig geäußerten Annahme, dass die Bewohner der großen Städte überdurchschnittlich oft in die Klinik gehen und so die Zahl der Krankenhausfälle unnötig nach oben treiben würden“, ergänzt der Barmer-Landesgeschäftsführer.

Krankenhausfälle und Kosten in Sachsen-Anhalt 2015

Kreis / StadtKrankenhausfälle je 1.000 VersichertenKrankenhauskosten je Versichertem
Dessau-Roßlau237,4865,94 €
Halle (Saale)226,01.017,66 €
Magdeburg213,5872,66 €
Altmarkkreis Salzwedel262,41,068,61 €
Anhalt-Bitterfeld256,1971,37 €
Börde242,0883,71 €
Burgenlandkreis251,81.032,22 €
Harz242,4890,25 €
Jerichower Land248,8903,58 €
Mansfeld-Südharz243,6882,43 €
Saalekreis225,7977,68 €
Salzlandkreis270,4966,09 €
Kreis Stendal236,0886,75 €
Kreis Wittenberg243,0925,88 €
Sachsenanhalt238,8938,89 €

Kosten in Salzwedel um 23 Prozent höher als in Dessau-Roßlau

Noch stärker ist die Spanne bei den Krankenhauskosten: So musste die Barmer 2015 durchschnittlich für jeden ihrer Versicherten im Altmarkkreis Salzwedel 1068,61 Euro für Krankenhauskosten erstatten. Ähnlich hohe Ausgaben gab es im Burgenlandkreis (1032,22 Euro) und in Halle (1017,66 Euro). Hingegen lagen die durchschnittlichen Krankenhauskosten in Dessau-Roßlau um gut 200 Euro oder 23 Prozent unter jenen aus Salzwedel. Vergleichsweise niedrige Kosten gab es in Magdeburg mit durchschnittlich 872,67 Euro, in den Landkreisen Mansfeld-Südharz (882,43 Euro), Börde (888,71 Euro) und Stendal (886,75 Euro).

Auch im Vergleich zum Vorjahr zeigen sich regional erhebliche Unterschiede: So sanken die durchschnittlichen Krankenhauskosten in Dessau-Roßlau von 2014 zu 2015 um fast 7 Prozent. Auch in den Kreisen Jerichower Land (-3%) und Mansfeld-Südharz (-0,5%) gingen die Kosten zurück. Hingegen stiegen diese im Altmarkkreis Salzwedel im Jahresvergleich um 17 Prozent. Auch im Kreis Wittenberg (+13,5%), im Burgenlandkreis und in der Stadt Halle (je +12,4%) sowie im Kreis Anhalt-Bitterfeld (+11%) kam es innerhalb eines Jahres zu überdurchschnittlichen Kostensteigerungen. „Diese enormen Unterschiede lassen sich nicht ohne weiteres erklären und sollten hinterfragt werden“, sagt Axel Wiedemann.

Herausforderungen für neues Krankenhausgesetz des Landes

„Bei der künftigen Krankenhausplanung muss die Abteilungsstruktur der Kliniken bezogen auf die Bedarfe der Regionen und der Wirtschaftlichkeit überprüft und angepasst werden“, sagt der Barmer-Landesgeschäftsführer. Das gilt vor allem für die Ballungsräume Halle und Magdeburg, wo es aus Kassensicht momentan eher ein Überangebot an gleichen Leistungen und Krankenhausabteilungen gibt. Und da das Land auch beim für 2018 geplanten neuen Krankenhausgesetz den privaten Krankenhäusern nicht allzu viele Vorgaben machen kann, sind bereits im Vorfeld umso intensivere Gespräche mit den Klinikbetreibern notwendig. „Das gilt auch für die immer wieder angekündigte engere Zusammenarbeit der beiden Uniklinika untereinander und mit den anderen Krankenhäusern in ihrer unmittelbaren Umgebung. Denn dass nicht jedes Klinikum die gesamte Angebotspalette vorhalten muss, darüber dürfte mittlerweile allerorten Einigkeit bestehen“, ergänzt Wiedemann.

Webcode dieser Seite: p007736 Autor: Barmer Erstellt am: 29.05.2017 Letzte Aktualisierung am: 29.05.2017
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