Cannabis-Therapie: Mehr Genehmigungen in Sachsen-Anhalt

Magdeburg, 11. März 2019 – Zwei Jahre nach Inkrafttreten des Cannabis-Gesetzes am 10. März 2017 zieht die BARMER ein erstes Fazit: Die Zahl der Cannabis-Verordnungen ist erwartungsgemäß weiter angestiegen. 2018 erhielt die Krankenkasse in Sachsen-Anhalt 155 Anträge für eine Cannabis-Therapie. Bei mehr als 78 Prozent der Anträge konnte die BARMER eine positive Entscheidung treffen. 2017 war dies nur bei ca. 66 Prozent der Verordnungen möglich. „Inzwischen werden die Anträge umfassender gestellt. Das erleichtert die Prüfung und wir können mehr Bewilligungen ausstellen“, sagt Axel Wiedemann, Landesgeschäftsführer der BARMER in Sachsen-Anhalt. Ablehnungsgründe seien aufgrund der Krankheitsgeschichten der Versicherten sehr unterschiedlich. Sie könnten zum Beispiel daraus resultieren, dass Cannabis-haltige Medikamente bei bestimmten Erkrankungen ungeeignet sind oder besser wirksame und evidenzbasierte Therapien zur Verfügung stehen. „Cannabis kann dosisunabhängig starke Nebenwirkungen wie Halluzinationen, Panikattacken oder Psychosen hervorrufen und damit den Gesundheitszustand verschlechtern“, warnt Wiedemann. Daher prüfe die BARMER jeden einzelnen Antrag individuell.

Kosten für Cannabis variieren

Der medizinische Nutzen von Cannabis-Therapien ist noch ungeklärt. Zudem sind fehlende Nachweise zur Qualität, Sicherheit, Wirksamkeit und Anwendung insbesondere bei den Blüten problematisch. „Cannabisblüten sind Naturprodukte, die speziell zubereitet werden müssen und deren THC-Gehalt anders als bei fertigen Cannabis-Präparaten von Blüte zu Blüte unterschiedlich ausfällt“, betont Wiedemann. Die Kosten für Cannabis variieren je nach Darreichungsform – mit Abstand am teuersten sind Blüten. In den ersten neun Monaten des Jahres 2018 machten unverarbeitete Cannabisblüten bei der BARMER bundesweit 17 Prozent der Verordnungen, aber 32 Prozent der Gesamtausgaben für Cannabis aus. 2017 hat die Kasse bundesweit ca. 5,2 Millionen Euro für Cannabis-Therapien ausgegeben, bis einschließlich September 2018 waren es bereits ca. 8,4 Millionen Euro.

In Anbetracht der Fallzahlen warnt die BARMER vor übertriebenen Erwartungen. „Medizinisches Cannabis ist aus der Versorgung schwer kranker Menschen nicht mehr wegzudenken, vor allem in der Schmerztherapie. Es ist aber kein Allheilmittel“, sagt Wiedemann. „Es bleibt immer eine individuelle Entscheidung des behandelnden Arztes, bei der für jeden Patienten Nutzen und Risiken sowie mögliche Alternativen bedacht und abgewogen werden müssen.“ 

Webcode dieser Seite: p011130 Autor: BarmerLetzte Aktualisierung am: 11.03.2019
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