Wenn Arzneimittel selbst zum Gesundheitsrisiko werden

Magdeburg, 17. Januar 2019 – Fast jeder dritte Barmer-Versicherte in Sachsen-Anhalt nimmt regelmäßig mindestens fünf Arzneimittel gleichzeitig ein und trägt somit ein erhöhtes Risiko für Neben- und Wechselwirkungen. Hochgerechnet auf die Gesamtbevölkerung zwischen Arendsee und Zeitz betrifft das rund 650.000 Menschen. Das geht aus dem Arzneimittelreport 2018 der Barmer hervor. Ausgewertet wurden die Daten von 270.000 Versicherten in Sachsen-Anhalt. „Wer mehrere Arzneimittel gleichzeitig einnimmt und bei mehreren Ärzten in Behandlung ist, sollte seinen Hausarzt über alle Verordnungen informieren, auch über die Medikamente, die selber rezeptfrei in der Apotheke besorgt werden,“ sagt Axel Wiedemann, Landesgeschäftsführer der Barmer in Sachsen-Anhalt. Der Mediziner könne eine Risikoeinschätzung vornehmen.

Multimorbide Patienten tragen hohes Risiko für Polypharmazie

Nimmt ein Patient mehr als fünf Wirkstoffe gleichzeitig ein, spricht man von Polypharmazie. Vor allem chronisch kranke und multimorbide Menschen betrifft dies. In Sachsen-Anhalt sind es unter den 65- bis 79-jährigen Barmer-Versicherten 57 Prozent, bei den über 80-Jährigen 76 Prozent. An einer Reihe von Beispielen weist der Arzneimittelreport nach, dass es trotz bekannter Vorerkrankungen oder Neben- und Wechselwirkungen zu risikoreichen Medikationen kommt. „Mehr als ein Viertel unserer 11.000 Versicherten mit Herzinsuffizienz erhalten Verordnungen für schmerz- und entzündungshemmende Wirkstoffe wie Naproxen, Diclofenac oder Ibuprofen, obwohl diese die Symptome einer Herzschwäche verstärken können“, warnt Wiedemann.

Bei Senioren kommt ein weiteres Problem hinzu: Im Alter wirken Medikamente oftmals anders. Beispielsweise arbeitet die Niere nicht mehr so effektiv wie in jungen Jahren. Durch die eingeschränkte Funktion werden Arzneien langsamer ausgeschieden und wirken länger als beabsichtigt. Daher sollten betroffene Patienten regelmäßig ihre Medikation auch darauf vom Hausarzt überprüfen lassen. „Ein Medikationsplan kann dabei helfen, den Überblick über die verordneten Medikamente zu behalten. Versicherte können den Medikationsplan zum Informationstransfer auch vervielfältigen und an alle behandelnden Ärzte, Angehörige oder Pflegekräfte verteilen“, sagt Axel Wiedemann.

Hausärzten fehlen häufig Informationen ihrer Kollegen

Bei multimorbiden Patienten bleibe Ärzten derzeit häufig nichts Anderes übrig, als Nebenwirkungen in Kauf zu nehmen, so der Landesgeschäftsführer der Barmer. Wenn Patienten bei mehreren Ärzten in Behandlung sind, sei es für den Hausarzt kaum möglich, den Überblick zu behalten. Laut Arzneimittelreport erhalten 40 Prozent der Versicherten in Sachsen-Anhalt ihre Verschreibungen von mindestens vier Ärzten. Als Lösungsansatz erprobt die Barmer derzeit eine Software, die Hausärzte über die Gesamtmedikation ihrer Patienten laufend informiert.

Webcode dieser Seite: p010869 Erstellt am: 17.01.2019 Letzte Aktualisierung am: 17.01.2019
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