Therapeutisches Videospielen in Pflegeheimen: Projekt geht in Rheinland-Pfalz und im Saarland an den Start

In Rheinland-Pfalz und im Saarland wird ab sofort getestet, wie die geistigen und körperlichen Fähigkeiten von Pflegeheimbewohnern durch den Einsatz der therapeutischen Spielkonsole „memoreBox“ verbessert werden können. Auftakt der Testphase war im Elisabeth Jaeger Haus Bad Kreuznach. Initiiert wurde das Projekt von der Barmer und dem Spieleentwickler RetroBrain aus Hamburg. Projektschirmherrin in Rheinland-Pfalz ist die rheinland-pfälzische Ministerin für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie, Sabine Bätzing-Lichtenthäler. Im Saarland hat die saarländische Ministerin für Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie, Monika Bachmann, die Schirmherrschaft über das Projekt übernommen. Wissenschaftlich begleitet wird der Test von der Charité Universitätsmedizin Berlin, der Humboldt-Universität Berlin und der Alice Salomon Hochschule Berlin.

Dunja Kleis, Landesgeschäftsführerin der Barmer in Rheinland-Pfalz und im Saarland, sagte: „Die memoreBox ist keine handelsübliche Spielkonsole. Sie ist ein computergesteuertes Bewegungsspiel mit therapeutisch abgestimmten Übungen für ältere Menschen.“ Die Spiele würden therapeutische, präventive und rehabilitative Elemente integrieren, die unter anderem aus Erkenntnissen der Geriatrie, der Neuropsychologie sowie der Physio- und Musiktherapie entwickelt wurden. Die Barmer finanziert die begleitende Forschung und übernimmt die Mietkosten für die memoreBox. Als gesetzliche Krankenkasse hat sie die Aufgabe, gesundheitsförderliche Präventionsangebote in Pflegeeinrichtungen zu unterstützen.

Spiele können Risiko von Stürzen mindern

RetroBrain-Mitarbeiter Stev Klapschuweit erklärte: „Die Videospiele lassen sich mit leichten Körperbewegungen im Sitzen und Stehen steuern.“ Die memoreBox sei von erfahrenen Experten aus Wissenschaft, pflegerischer Praxis und Spieleentwicklung konzipiert worden, um den Pflegealltag zu bereichern und zeichne sich durch besonders einfache und verständliche Spielabläufe sowie positive Spielerlebnisse aus. „Das Spielen in der Gemeinschaft fördert die Kommunikation untereinander sowie mit dem Pflegepersonal oder den Angehörigen“, erläuterte Klapschuweit. Die Spielkonsole könne Auswirkungen altersbedingter Erkrankungen wie Demenz und Parkinson verringern, das Risiko von Stürzen mindern und durch gemeinsame Aktivitäten die Inklusion in Seniorenheimen fördern.

Bei der memoreBox werden die Bewegungen der Spieler direkt auf einen Fernseher übertragen. Sechs Spiele stehen zur Auswahl: Tanzen, Kegeln, Postbote, Tischtennis, Sonntagsfahrt mit dem Motorrad und Singen. Bundesweit nehmen 100 Pflegeheime an dem Test teil, je drei davon liegen in Rheinland-Pfalz und im Saarland. Weitere teilnehmende Einrichtungen sind das Haus Friesenheim der Alten- und Pflegeheime Stadt Ludwigshafen, das Seniorenpflegehaus Sonnenhang in Mehren (Landkreis Altenkirchen), das AWO Seniorenzentrum Furpach in Neunkirchen sowie das Alten- und Pflegeheim St. Sebastian in Wadern-Nunkirchen.

Pro Heim werden zwei Gruppen zu je fünf Spielern gebildet. Eine Gruppe spielt drei Stunden pro Woche mit der memoreBox, die andere bildet eine Kontrollgruppe, die nicht spielt. In regelmäßigen Abständen wird über die Begleitforschung erfasst, wie sich die körperliche und geistige Verfassung der teilnehmenden Pflegeheimbewohner verändert. Die Pflegeheimbewohner können unabhängig von ihrer Kassenzugehörigkeit teilnehmen. Die Projektlaufzeit für die teilnehmenden Pflegeheime beträgt ein Jahr.

Dunja Kleis, Sabine Bätzing-Lichtenthäler, Diakon Michale Stahl und Steve Klapschuweit neben der MemoreBox.

Dunja Kleis (l.), Sabine Bätzing-Lichtenthäler, Steve Klapschuweit (2.v.r.) und Diakon Michael Stahl präsentieren die memoreBox. Foto: Barmer/Jens Fink

Webcode dieser Seite: p012020 Autor: Barmer InternetredaktionLetzte Aktualisierung: 15.10.2019
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