Rheinland-Pfälzer und Saarländer unterschätzen Parodontose-Gefahr

Mainz/Saarbrücken, 25. Juli 2017 - In keinem anderen Bundesland nehmen weniger Menschen eine Untersuchung von Zähnen und Zahnfleisch auf Parodontose in Anspruch als im Saarland. Nur wenig mehr tun dies in Rheinland-Pfalz. Das zeigt der Zahnreport der Barmer, der auf Daten aus dem Jahr 2015 beruht und den die Technische Universität Dresden zusammen mit AGENON Gesellschaft für Forschung und Entwicklung im Gesundheitswesen erstellt hat. „Parodontose ist eine chronische Entzündung des Zahnhalteapparats und Hauptursache für Zahnverlust in der zweiten Lebenshälfte“, erklärt Dunja Kleis, Landesgeschäftsführerin der Barmer in Rheinland-Pfalz und im Saarland.

Gesetzliche Krankenkassen bezahlen alle zwei Jahre eine Parodontose-Untersuchung. Knapp jeder fünfte (19,9 Prozent) Saarländer und rund jeder vierte (23,4 Prozent) Rheinland-Pfälzer hat diese im Jahr 2015 in Anspruch genommen. Spitzenreiter ist Bayern, wo fast jeder Dritte (30,0 Prozent) eine Parodontose-Untersuchung bei seinem Zahnarzt erhielt. Der Zahnreport zeigt auch, dass das Saarland bundesweit den geringsten Bevölkerungsanteil (0,9 Prozent) aufweist, bei dem eine Parodontose-Therapie durchgeführt wurde. Spitzenreiter bei den Parodontose-Therapien ist Nordrhein-Westfalen, wo ein mehr als doppelt so großer Bevölkerungsanteil (2,1 Prozent) seine Parodontose therapieren ließ. Rheinland-Pfalz liegt mit 1,7 Prozent unter dem Bundesdurchschnitt (1,8 Prozent).

Wenige Kontrolluntersuchungen, hohes Parodontose-Risiko

„Parodontose wird durch Beläge auf den Zähnen und in den Zwischenräumen ausgelöst. Konsequentes Zähneputzen und regelmäßige Inanspruchnahme von Kontrolluntersuchungen sind der beste Schutz vor Parodontose“, erklärt Kleis. Umso bedenklicher sind die Ergebnisse des Zahnreports mit Blick auf die Besuchshäufigkeit der Saarländer und Rheinland-Pfälzer bei ihrem Zahnarzt.

So gingen im Jahr 2015 in nur drei Bundesländern (Saarland, Bremen, Hamburg) weniger Menschen zum Zahnarzt als in Rheinland-Pfalz (68,6 Prozent). Zur zahnärztlichen Früherkennungsuntersuchung zwischen dem 30. und 72. Lebensmonat brachten nur 27,6 Prozent der saarländischen Eltern ihre Kinder. Im Vergleich aller Bundesländer schneidet nur Bremen (24,5 Prozent) schlechter ab (Rheinland-Pfalz: 32,7 Prozent, Bundesdurchschnitt: 34,7 Prozent).

Auch bei der Inanspruchnahme der Individualprophylaxe für Kinder zwischen sechs und 18 Jahren belegt das Saarland mit 57,8 Prozent im Ländervergleich den vorletzten Platz vor Bremen (55,8 Prozent). Rheinland-Pfalz liegt mit 62,6 Prozent unter dem Bundesdurchschnitt (65,9 Prozent). Zur Zahnprophylaxe gingen 46,9 Prozent der Saarländer. Nur in Niedersachsen und in Bremen taten dies weniger Menschen. Rheinland-Pfalz (48,1 Prozent) erreicht wiederum nicht den Bundesdurchschnitt (52,3 Prozent).

Zuckerkranke profitieren besonders von Parodontose-Untersuchungen

„Zahnentfernungen nach einer Parodontose-Therapie erfolgen bei Diabetikern häufiger, da die Therapie bei ihnen schlechter anschlägt. Besonders wichtig sind daher Früherkennungs- und Nachsorgeuntersuchungen zu Parodontose bei Zuckerkranken“, erläutert Kleis. Nach den Worten der Landesgeschäftsführerin sollte die Zahnvorsorge bei Diabetikern Teil der strukturierten Behandlungsprogramme für Diabetiker werden. Darin sind bereits jetzt regelmäßige Augenuntersuchungen oder die Kontrolle der Füße enthalten.

Auch Raucher sowie Menschen mit geschwächtem Immunsystem und viel Stress haben ein erhöhtes Risiko an Parodontose zu erkranken. Zudem können erbliche Faktoren eine Rolle spielen. „Parodontose ist zunächst weitgehend schmerzfrei. Erste Warnsignale sind Zahnfleischbluten sowie geschwollenes und gerötetes Zahnfleisch“, sagt Kleis. Sie ruft dazu auf, frühzeitig bei ersten Anzeichen für Parodontose zum Arzt zu gehen: „Eine beginnende Parodontose ist noch leicht und schmerzarm behandelbar.“

Webcode dieser Seite: p008013 Autor: Barmer Erstellt am: 25.07.2017 Letzte Aktualisierung am: 25.07.2017
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