Rheinland-Pfalz: Schüler und Lehrer profitieren von Programm zur Förderung der psychischen Gesundheit

Mainz, 26. Januar 2018 - Die psychische Gesundheit von Schülern und Lehrern in Rheinland-Pfalz soll künftig gestärkt werden durch den Einsatz eines Programms mit dem Namen „MindMatters“. Für die Umsetzung des Programms arbeiten ab sofort die Barmer, das Bildungsministerium Rheinland-Pfalz, das Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie Rheinland-Pfalz, das Pädagogische Landesinstitut Rheinland-Pfalz (PL), die Unfallkasse Rheinland-Pfalz und die Landeszentrale für Gesundheitsförderung Rheinland-Pfalz (LZG) zusammen.

MindMatters, aus dem Englischen übersetzt „die Seele ist wichtig“, bietet Lehrern Informationen, Unterrichtsmaterialien und Fortbildungen zur Förderung der psychischen Gesundheit in der Schule. Durch das Programm erhalten Lehrer das Rüstzeug, um bei ihren Schülern Wissen und Kompetenzen zum Umgang mit Gefühlen, psychischen Störungen, Mobbing und verwandten Themen zu erweitern sowie Widerstandskraft und Wohlbefinden ihrer Schüler zu stärken. Zugleich vermittelt MindMatters den Schulpädagogen Wissen, wie zum Beispiel in den Schulen die Gesundheit und Arbeitsbedingungen von Lehrern verbessert werden.

Jeder fünfte Schüler mit psychischen Auffälligkeiten

Welche Bedeutung eine Verbesserung der psychischen Gesundheit in der Schule hat, zeigt die KiGGS-Studie des Robert-Koch-Instituts. Demnach zeigen 21,4 Prozent der sieben- bis 17-Jährigen in Deutschland Hinweise auf psychische Auffälligkeiten wie zum Beispiel Ängste, Depressionen Störungen des Sozialverhaltens oder Hyperaktivität. Forscher der Fachhochschule in Olten haben herausgefunden, dass Lehrer ein erhöhtes Risiko für psychische Erkrankungen haben und im Vergleich mit anderen Berufsgruppen mehr Anzeichen für Stress zeigen.

Dunja Kleis, Landesgeschäftsführerin der Barmer in Rheinland-Pfalz und im Saarland, sagt: „MindMatters wurde in Australien entwickelt, ist dort Teil des nationalen Programms zur Förderung der psychischen Gesundheit der Bevölkerung und wurde von Professor Peter Paulus von der Leuphana Universität Lüneburg nach Deutschland geholt. Seit 2003 kooperieren Universität und Barmer bei der bundesweiten Verbreitung von MindMatters in Deutschland.“ In Rheinland-Pfalz seien dadurch erste Fortbildungen durchgeführt und Lehrer erreicht worden. Mit Unterzeichnung der Vereinbarung sollten nun nach Möglichkeit alle Schüler und Lehrer in Rheinland-Pfalz erreicht werden und von dem Programm profitieren. Nach den Worten von Kleis gebe es eine vergleichbare Initiative zur Implementierung von MindMatters in den Schulunterricht bislang nur in Sachsen. Die Barmer übernimmt die Herstellungskosten für die Unterrichtsmaterialien.

Ministerien wünschen sich rege Teilnahme an MindMatters

„Ausgeglichen und psychisch stark zu sein, ist die Basis für erfolgreiches Lernen und Arbeiten in der Schule. Das gilt für Schülerinnen und Schüler genauso wie für Lehrkräfte. Das Bildungsministerium unterstützt das schon mit zahlreichen Stark-Mach-Angeboten: Von Präventionsprojekten über Beratungen bis hin zu Fortbildungen. An dieser Stelle setzt auch das Programm MindMatters an. Es richtet sich an Schülerinnen und Schüler wie an Lehrkräfte und trägt so zu einem guten, gesunden Miteinander in den Schulen bei. Von der Grundschule bis zu den Berufsbildenden Schulen, können die Module an die speziellen Bedürfnisse angepasst und mit bereits bestehenden Programmen verknüpft werden. Ich freue mich, dass wir dieses neue Angebot machen können und bedanke mich bei den Initiatoren und Vereinbarungspartnern“, sagt Dr. Stefanie Hubig, Ministerin für Bildung Rheinland-Pfalz.

Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler ergänzt: „Unsere Welt tickt immer schneller. Anforderungen und Erwartungsdruck steigen und führen häufig zu Stress und psychischen Störungen - das bekommen auch schon Kinder und Jugendliche zu spüren. Es gilt daher, ihre Widerstandsfähigkeit gegen Stressoren des Alltags zu fördern und sie dabei zu unterstützen, eigene Stärken im Umgang mit belastenden Lebensereignissen zu erlernen und individuelle Ressourcen zu fördern. Gute soziale und emotionale Kompetenzen bestimmen maßgeblich die spätere Entwicklung unserer Kinder und Jugendlichen. Deshalb freue ich mich, ein so fundiertes Programm wie MindMatters an rheinland-pfälzischen Schulen zu wissen.“ Die Ministerien unterstützen MindMatters, indem sie das Programm bewerben.

PL und Unfallkasse organisieren Netzwerktreffen

Manfred Breitbach, Geschäftsführer der Unfallkasse Rheinland-Pfalz sagt: „Sicherheit und Gesundheit sind für die Unfallkasse Rheinland-Pfalz zentrale Themen. Es ist uns gerade im Setting Schule ein besonderes Anliegen, die psychische Gesundheit aller Beteiligten zu stärken und für Werte wie Respekt, Wertschätzung, Toleranz und Achtsamkeit zu sensibilisieren. Dies sehen wir als Voraussetzung für einen gelingenden Erziehungs- und Bildungsprozess. Die Sicherheit und Gesundheit als zentrale Werte zu stärken, hat auch unsere Kampagne ,kommmitmensch‘ zum Inhalt. Sie lenkt den Blick darauf, welchen Stellenwert Sicherheit und Gesundheit auch in Bildungseinrichtungen haben.“ Die Unfallkasse organisiert zusammen mit dem PL Netzwerktreffen zwischen beteiligten Schulen und Gesundheitsberatern des PL, die in Rheinland-Pfalz die Lehrerfortbildungen durchführen werden. Die Leuphana Universität schult die Gesundheitsberater des Instituts dafür.

PL-Direktorin Dr. Birgit Pikowsky sagt: „Wir freuen uns, rheinland-pfälzischen Schulen, die mit MindMatters arbeiten möchten, Lehrkräftefortbildungen zum qualifizierten Einsatz des Programms anbieten zu können. Hierzu steht unsere Beratergruppe für Gewaltprävention und Gesundheitsförderung zur Verfügung. Das Programm stellt in vielerlei Hinsicht eine sehr gute Ergänzung des Angebotsspektrums des PL im Bereich Primärprävention und Gesundheitsförderung dar und überzeugt durch wissenschaftlich fundierte und praxistaugliche Materialien sowie klar strukturierte methodische Zugänge. Auch die bereits vom PL angebotenen primärpräventiven Programme wie unter anderem das ,Programm zur Primärprävention‘ oder ,Mobbingfreie Schule‘ verfolgen die Grundgedanken, Prävention als Teil nachhaltiger Schulentwicklung zu verstehen, ein positives Schulklima zu entwickeln und somit die psychische Gesundheit aller an Schule Beteiligten zu fördern. MindMatters erweitert unser Angebot um einen Baustein, der auch Schülerinnen und Schüler der Mittelstufe sowie im Übergang zur Oberstufe erreicht.“

„Psychische Gesundheit ist ein Fundament der Schule“

„Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte verbringen in der Lebenswelt Schule einen Großteil ihrer Zeit und machen hier grundlegende Erfahrungen, die sich auf ihre aktuelle und zukünftige Gesundheit auswirken. Die LZG unterstützt das Programm MindMatters, weil es Schulen dabei hilft, das seelische Wohlbefinden sowohl der Lernenden als auch der Lehrenden in den Blick zu nehmen und zu fördern. Damit trägt MindMatters zu einer ganzheitlichen Gesundheitsförderung bei, wie sie auch von der LZG angestrebt wird“, betont Dr. Matthias Krell, LZG-Geschäftsführer. Die LZG unterstützt MindMatters in Rheinland-Pfalz, indem es das Programm bewirbt.

Professor Paulus, der MindMatters im Auftrag der Leuphana Universität betreut, sagt: „MindMatters ist ein modernes zukunftsweisendes Programm zur Förderung der psychischen Gesundheit und Bildung an Schulen. Es erfüllt die Vorgaben des neuen Präventionsgesetzes und der Empfehlung der Kultusministerkonferenz zur Gesundheitsförderung und Prävention an Schulen: Es sieht die Schule als Lebenswelt und nicht nur als Lernort für Schülerinnen und Schüler, es ist positiv auf die Förderung psychischen Wohlbefindens und der Stärkung der Lebenskompetenzen ausgerichtet und es unterstützt Schulen dabei, ihre Bildungsqualität zu steigern. Seine Wirkung entfaltet das Programm, weil psychische Gesundheit eine elementare Voraussetzung dafür ist, dass Lehren und Lernen in der Schule wirksam werden kann. Psychische Gesundheit ist ein Fundamt der Schule, ein Treiber der schulischen Bildung.“

Auftaktveranstaltung für alle Lehrer in Rheinland-Pfalz am 7. März

Die Integrierte Gesamtschule Mainz-Bretzenheim ist eine der wenigen Schulen in Rheinland-Pfalz, die bereits erste Erfahrungen mit MindMatters gesammelt hat. Schulleiter Roland Wollowski sagt: „Die Zahl der Schülerinnen und Schüler mit psychischen Erkrankungen wie Ess- und Angststörungen, Depressionen, Autismus nimmt kontinuierlich zu. Insbesondere an unserer Schule mit rhythmisiertem Ganztagsangebot für rund 700 Schülerinnen und Schüler in den fünften bis zehnten Klassen verbringen die Kinder immer mehr Zeit. Wir Lehrkräfte werden zunehmend vor neue Herausforderungen gestellt und tragen mehr Verantwortung für die Entwicklung der Kinder. Gesundheitsförderung für Schülerinnen und Schüler, aber auch für die Lehrkräfte bekommt daher einen immer höheren Stellenwert. MindMatters ergänzt mit seinem flexiblen Bausteinprinzip hervorragend unser bestehendes Präventionsprogramm und wird hoffentlich einen wertvollen Beitrag auf unserem Weg zur ,Guten gesunden Schule‘ leisten.“

Am 7. März findet eine Informationsveranstaltung statt bei der Unfallkasse Rheinland-Pfalz, Orensteinstraße 10, in Andernach. Zu der Veranstaltung werden alle Lehrer rheinland-pfälzischer Schulen eingeladen. Weitere Informationen zum MindMatters-Programm: www.mindmatters-schule.de.

 

Die MindMatters-Partner in Rheinland-Pfalz zeigen MindMatters-Programmhefte.
Präsentieren MindMatters-Programmhefte für Lehrer (v.l.n.r.): Monika Kislik (LZG), Dr. Birgit Pikowsky, Manfred Breitbach, Sabine Bätzing-Lichtenthäler, Dunja Kleis, Dr. Stefanie Hubig, Roland Wollowski. Foto: Barmer/K. Schäfer

Webcode dieser Seite: p008916 Autor: Barmer Erstellt am: 26.01.2018 Letzte Aktualisierung am: 26.01.2018
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