Operationen an Bauchschlagader: Überlebenschance hängt von Krankenhaus ab

Mainz/Saarbrücken, 19. Februar 2019 – Patienten haben bei planbaren Operationen an erweiterten Bauchschlagadern bessere Überlebenschancen, wenn der Eingriff an einer Klinik erfolgt, die von der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie (DGG) zertifiziert ist. Das zeigt der Barmer-Krankenhausreport, den das RWI-Leibnizinstitut für Wirtschaftsforschung erstellt hat. „In Rheinland-Pfalz und im Saarland finden planbare Operationen an der Bauchschlagader oft an Kliniken ohne DGG-Zertifikat statt. Für Patienten ist das nicht die bestmögliche Lösung“, sagt Dunja Kleis, Landesgeschäftsführerin der Barmer in Rheinland-Pfalz und im Saarland.

„Bundesweit leiden rund 200.000 Menschen über 65 Jahren an einer erweiterten Bauchschlagader. In Rheinland-Pfalz dürfte es etwa 10.000 Betroffene geben und im Saarland 2.500“, rechnet Kleis vor. Krankhaft erweiterte Bauchschlagadern treten in der Regel erst ab einem Alter von 65 Jahren auf. Reißt die Bauchschlagader, kann das innerhalb weniger Minuten zum Tod führen. Eine Operation, durch die die erweiterte Stelle der Bauchschlagader überbrückt wird, ist oft lebensrettend.

Kliniken operieren oft ohne DGG-Zertifizierung

Eine DGG-Zertifizierung erfordert die Erfüllung höchster Qualitätsstandards in der Gefäßchirurgie. Laut Krankenhausreport war die Sterblichkeitsrate nach planbaren, minimal-invasiven Eingriffen an der Bauchschlagader in einer DGG-zertifizierten Klinik um 2,3 Prozentpunkte geringer als an anderen Kliniken. „Im Jahr 2016 haben 18 Krankenhäuser in Rheinland-Pfalz Eingriffe an der Bauchschlagader durchgeführt. Nicht alle davon waren planbar, sondern Notfälle. Dennoch ist es bedenklich, dass nur neun der 18 Kliniken DGG-zertifiziert waren“, meint Kleis. Im Saarland seien fünf von neun Kliniken mit Bauchschlagader-Eingriffen DGG-zertifiziert gewesen.

Nach den Worten der Barmer-Landesgeschäftsführerin bieten auch Kliniken, die häufig Operationen an der Bauchschlagader durchführen, bessere Überlebenschancen: „In Kliniken mit hohen Fallzahlen lag die bundesweite Sterberate nach einer Bauchschlagader-Operation um 2,6 Prozentpunkte niedriger als in Krankenhäusern mit kleiner Fallzahl. Das ist bedeutsam, denn erfahrene Operateure und eingespielte Behandlerteams machen weniger Fehler“, sagt Kleis.

Die Barmer-Landesgeschäftsführerin betont: „Die Landesregierungen in Rheinland-Pfalz und im Saarland hätten in ihren letzten Krankenhausplänen festlegen können, dass nur Krankenhäuser mit einer DGG-Zertifizierung oder einer hohen Anzahl von Bauchschlagader-Operationen, planbare Eingriffe an der Bauchschlagader durchführen dürfen. Diese Chance haben sie leider verpasst.“ Auch wenn nicht jede Klinik mit geringer Fallzahl planbare Operationen an der Bauchschlagader vornehme, sei die flächendeckende Versorgung sichergestellt.

Auch Art des Eingriffs beeinflusst Überlebenschance

„Neben der Häufigkeit von Operationen an der Bauchschlagader und der Zertifizierung von Kliniken entscheidet auch die Art des Eingriffs über die Sterbewahrscheinlichkeit von Patienten“, berichtet Kleis. So war laut Krankenhausreport die Sterberate drei Jahre nach einem planbaren Eingriff an der Bauchschlagader bundesweit um zwei Prozentpunkte geringer, wenn die Operation nicht offen-chirurgisch, sondern minimal-invasiv erfolgte.

In Rheinland-Pfalz ist der Anteil der minimal-invasiven Eingriffe an der Bauchschlagader von 43,6 Prozent im Mittel der Jahre 2008 bis 2010 auf 78,5 Prozent im Mittel der Jahre 2014 bis 2016 gestiegen. Im Saarland nahm der Anteil im gleichen Zeitraum von 42,6 Prozent auf 60,9 Prozent zu. Das ist die niedrigste Quote im Vergleich aller Bundesländer. Spitzenreiter im bundesweiten Vergleich der Bundesländer ist Sachsen mit 85,7 Prozent. Kleis sagt: „Der zunehmende Einsatz von minimal-invasiven Eingriffen an der Bauchschlagader bei planbaren Operationen ist erfreulich, aber ausbaufähig. Eine qualitativ hochwertige Operation darf nicht vom Wohnort abhängen.“

Kleis ruft dazu auf, die Gefahren von erweiterten Bauchschlagadern ernst zu nehmen: „Ohne Riss verursachen erweiterte Bauchschlagadern oft keine Beschwerden. Besonders gefährdet sind Männer über 65 Jahren. Deshalb haben sie einen Anspruch auf Beratung und auf eine kostenlose Ultraschalluntersuchung ihrer Bauchschlagader“, sagt Kleis. Sei ein operativer Eingriff unvermeidbar, gebe die kostenlose „Weisse Liste“ der Bertelsmann Stiftung Auskunft, wie häufig Kliniken Bauchschlagader-Operationen durchführen. Sie ist online abrufbar unter www.weisse-liste.de. Zertifizierte Krankenhäuser listet die DGG unter www.gefaesschirurgie.de.

Webcode dieser Seite: p011030 Autor: Barmer Erstellt am: 19.02.2019 Letzte Aktualisierung am: 19.02.2019
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