Mangelnder Informationsfluss zwischen Klinik und Arztpraxis gefährdet Patienten

Mainz/Saarbrücken, 4. Januar 2021 – Der Informationsaustausch zwischen Krankenhäusern und Arztpraxen in Rheinland-Pfalz und im Saarland weist oft Defizite auf. Beim Übergang zwischen der stationären und ambulanten Behandlung werden behandlungsrelevante Informationen zur Medikation oft nicht in ausreichendem Maß weitergegeben. Das zeigt der Arzneimittelreport der Barmer. „Patienten sind unnötigen Risiken ausgesetzt, wenn wichtige Informationen nicht oder nur lückenhaft übermittelt werden“, sagt Dunja Kleis, Landesgeschäftsführerin der Barmer in Rheinland-Pfalz und im Saarland. Besonders gefährdet seien chronisch Kranke und Menschen, die mehrere Medikamente einnehmen.

Laut Barmer-Report haben in Rheinland-Pfalz rund 150.000 Patienten, die im Jahr 2017 in ein Krankenhaus aufgenommen wurden, fünf oder mehr Medikamente gleichzeitig und andauernd eingenommen (Saarland: 41.000 Patienten). Das ist mehr als jeder vierte Klinikpatient (26,7 Prozent, Saarland: 29,6 Prozent). Die Datenanalysen zeigen zudem, dass 26,7 Prozent der rheinland-pfälzischen Patienten, die im Jahr 2017 in einem Krankenhaus behandelt wurden, bereits vor Aufnahme in die Klinik Polypharmazie-Patienten waren (Saarland: 28,4 Prozent). Nach dem Krankenhausaufenthalt steigt der Anteil auf 33,5 Prozent im ersten Quartal (Saarland: 35,8 Prozent). Im dritten Quartal nach dem Eingriff in der Klinik liegt der Anteil an Polypharmazie-Patienten noch immer bei 29,2 Prozent (Saarland: 31,7 Prozent).

Polypharmazie-Patienten: bedenkliche Informationslücken

„Gerade bei Polypharmazie-Patienten kommt es bei der Aufnahme ins und der Entlassung aus dem Krankenhaus oft zu Informationslücken”, erklärt Kleis. So hatten nur 29 Prozent der Patienten bei der Klinikaufnahme einen Medikationsplan. Ab drei Medikamenten, die zugleich und andauernd eingenommen werden, hat jeder Patient Anspruch auf den bundeseinheitlichen Medikationsplan, der Informationsverluste zwischen Ärzten verhindern soll. Zudem verfügten 17 Prozent über gar keine aktuelle Aufstellung ihrer Medikamente. Immerhin 54 Prozent der Befragten hatten zwar einen Medikationsplan, aber nicht den bundeseinheitlichen, der auch digital ausgelesen werden kann. Das geht aus einer bundesweiten Befragung von bei der Barmer versicherten Polypharmazie-Patienten über 65 Jahren für den Arzneimittelreport hervor.

„Patienten treten heutzutage als selbstbewusste Beitragszahler und kritische Verbraucher auf. Viele informieren sich über ihre Krankheit und wollen aktiv in Therapie-Entscheidungen eingebunden werden“, sagt Kleis. Angesichts dessen sei es bedenklich, dass knapp 30 Prozent der von der Barmer Befragten angeben, dass ihnen die Arzneitherapie vom Arzt nicht erklärt worden sei. Jeder dritte Patient mit im Krankenhaus geänderter Therapie habe zudem vom Krankenhaus keinen aktualisierten Medikationsplan erhalten. „Eine Arzneitherapie kann nur erfolgreich sein, wenn der Patient sie versteht und mitträgt. Dazu muss er sie entsprechend erklärt bekommen. Informationsdefizite dürfen auch deswegen nicht auftreten, weil die Therapie nach einem Krankenhausaufenthalt häufig noch komplexer wird“, sagt Kleis.

Ursache der Informationsdefizite ist aus Sicht der Barmer weniger der einzelne Arzt als vielmehr der unzureichend organisierte und nicht adäquat digital unterstützte Prozess einer sektorenübergreifenden Behandlung. „Es gilt, nachzubessern, um die Risiken für Patienten auf ein Minimum zu beschränken und die Arbeit der Ärzteschaft zu erleichtern. Offenbar erreicht der erst im Jahr 2016 eingeführte bundeseinheitliche Medikationsplan noch nicht, was damit vorgesehen war. Ein Instrument für mehr Sicherheit und Transparenz in der Arzneimitteltherapie kann die elektronische Patientenakte sein, die alle gesetzlich Krankenversicherten seit dem 1. Januar dieses Jahres freiwillig nutzen können“, meint Kleis. 

Webcode dieser Seite: p016360 Autor: Barmer InternetredaktionLetzte Aktualisierung: 04.01.2021
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