Impflücken gefährden Kinder

Mainz/Saarbrücken, 13. November 2019 – In Rheinland-Pfalz und im Saarland sind weniger Kinder geimpft als bisher bekannt. Die Impflücken bei den Jüngsten in beiden Ländern sind so groß, dass die Gesundheit vieler Kinder unnötig gefährdet wird. Das zeigt der Arzneimittelreport der Krankenkasse Barmer. „Oft werden die Risiken von Erkrankungen, vor denen die Impfung schützt, unterschätzt und Nebenwirkungen von Impfungen überschätzt. Es braucht laienverständliche Impfkampagnen, um Ängste vor Impfungen abzubauen. Ärzte müssen für das Gespräch mit Impfskeptikern trainiert werden“, sagt Dunja Kleis, Landesgeschäftsführerin der Barmer in Rheinland-Pfalz und im Saarland.

Laut Kleis muss die Impfquote in der Bevölkerung bei mindestens 95 Prozent liegen, damit die Verbreitung einer ansteckenden Krankheit verhindert werden kann. Die so entstehende „Herdenimmunität“ schützt Menschen, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen können. Rheinland-Pfalz und das Saarland sind aber weit entfernt von Herdenimmunität. Zwar weisen die Impfquoten in Rheinland-Pfalz tendenziell auf eine überdurchschnittliche Akzeptanz von Impfungen in der Bevölkerung hin. Bei den 13 Erkrankungen, gegen die Kinder in den ersten beiden Lebensjahren laut der von der Bundesregierung eingesetzten Ständigen Impfkommission (STIKO) geimpft sein sollten, verfehlen Rheinland-Pfalz und das Saarland aber eine Impfquote von 95 Prozent.

Rheinland-Pfalz und Saarland verfehlen Ziele für Herdenimmunität

Gemäß STIKO sollte in den ersten beiden Lebensjahren eine Immunisierung erfolgen gegen Wundstarrkrampf (Tetanus), Halsbräune (Diphterie), Mumps, Keuchhusten (Pertussis), Hib (Haemophilus influenzae Typ b), Hepatitis B, Kinderlähmung (Polio), Pneumokokken, Masern, Röteln, Meningokokken C, Windpocken (Varizellen) und Rotaviren. Die höchsten Quoten unter den Zweijährigen in Rheinland-Pfalz wurden im Jahr 2017 bei Impfungen gegen Wundstarrkrampf, Halsbräune, Keuchhusten und Pneumokokken (je 82,8 Prozent) und im Saarland bei Impfungen gegen Meningokokken C (82,7 Prozent) erreicht. Die niedrigste Quote registrierten die Statistiker bei der Rotaviren-Impfung (Rheinland-Pfalz: 65,5 Prozent, Saarland: 65,3 Prozent).

Der Arzneimittelreport zeigt, dass im Jahr 2017 in keinem anderen Bundesland die Impfquoten unter den Zweijährigen für Wundstarrkrampf, Halsbräune, Keuchhusten (je 82,8 Prozent), Hib, Kinderlähmung (je 82,5 Prozent) und Hepatitis B (81,0 Prozent) höher waren als in Rheinland-Pfalz. „Allerdings sind selbst diese Quoten zur Erreichung einer Herdenimmunität viel zu gering. Zu hoch ist in Rheinland-Pfalz und im Saarland auch der Anteil von Kindern, die gar keine Impfung erhielten“, sagt Kleis. Nur der kleinste Teil davon sei medizinisch begründbar. Laut Arzneimittelreport waren in Rheinland-Pfalz 3,0 Prozent der Zweijährigen ohne jegliche Impfung im Jahr 2017 (Saarland: 3,6 Prozent).

Zahl der Impfungen gegen Masern liegt hinter Erwartungen zurück

Noch in diesem Jahr will das Bundesgesundheitsministerium ein Masernschutzgesetz verabschieden lassen. Dadurch soll unter anderem eine Masernimpfpflicht für Kinder und Mitarbeiter in Kindergärten, Schulen, Arztpraxen sowie Krankenhäusern eingeführt werden. Der Gesetzentwurf sieht auch vor, nicht geimpfte Kinder vom Kita-Besuch auszuschließen. „Tritt das Masernschutzgesetz wie derzeit vorgesehen in Kraft, werden viele Rheinland-Pfälzer und Saarländer seine Auswirkungen zu spüren bekommen“, betont Kleis. Im Jahr 2017 war jedes fünfte zweijährige Kind in Rheinland-Pfalz nicht vollständig gegen Masern geimpft. Die Masern-Impfquote in dem Land lag bei 80,9 Prozent (Saarland: 76,8 Prozent).

„Masern sind keine harmlose Kinderkrankheit, sondern zählen zu den Infektionskrankheiten mit den höchsten Komplikationsraten. Masern können unter anderem zu Gehirnhaut- und Lungenentzündungen führen”, erläutert Kleis. Die Übertragung von Masern finde durch Tröpfcheninfektion beim Sprechen, Husten oder Niesen statt. Die Barmer-Landesgeschäftsführerin erklärt: „Die höchste Erkrankungshäufigkeit findet sich bei Kindern bis zwei Jahren. Die Masern-Impfung kann erst ab dem neunten Lebensmonat erfolgen.“ Kinder im ersten Lebensjahr seien daher auf einen Schutz durch eine ausreichend hohe Impfquote in der Bevölkerung angewiesen.

„Bisher wurde die Zahl geimpfter Kinder meist durch die bei den Schuleingangsuntersuchungen vorgelegten Impfpässe ermittelt. Kinder ohne Impfpass blieben unberücksichtigt. So wurde die Zahl geimpfter Kinder überschätzt“, sagt Kleis. Es seien oft Impfgegner, die keinen Impfpass vorlegen würden. Nach den Worten von Kleis sind für den Arzneimittelreport die Abrechnungen der Impfungen durch die Ärzte zu allen bei der Barmer versicherten Kindern analysiert worden. So ist erstmals ein realistischeres Bild der tatsächlichen Impfquoten entstanden. Demnach wurde im Jahr 2017 unter den Sechsjährigen in Rheinland-Pfalz und im Saarland bei keiner der 13 von der STIKO empfohlenen Impfungen eine 95-Prozent-Quote erreicht.

Webcode dieser Seite: p012505 Autor: Barmer InternetredaktionLetzte Aktualisierung: 28.11.2019
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