Immer mehr Menschen in NRW haben Schlafstörungen

Für viele Menschen in Nordrhein-Westfalen kommt die Nachtruhe zu kurz. Das belegt der Barmer Gesundheitsreport. Immer mehr Erwerbstätige treten ihren Arbeitstag unausgeschlafen an. Etwa 40 von 1.000 Personen in NRW haben eine diagnostizierte Schlafstörung. Die Dunkelziffer dürfte aber viel höher sein. „Anhaltender Schlafmangel macht krank. Aber nicht einmal jeder Zweite, der schlecht schläft, geht zum Arzt. Wer kaum ausgeruht ist, kann sich im Job schlecht konzentrieren und macht Fehler. Im schlimmsten Fall sind unausgeschlafene Beschäftigte ein Sicherheitsrisiko“, sagt Heiner Beckmann, Landesgeschäftsführer der Barmer. Er fordert mehr Vorsorge in der Berufswelt. Zudem sollten Schlafstörungen ein größeres Thema in der Ausbildung von Ärzten, Psychotherapeuten und Personen anderer Gesundheitsberufe sein.

67 Prozent mehr Schlafstörungen seit 2005 – regionale Unterschiede

Von 2005 bis 2017 hat in NRW die Zahl der Menschen, bei denen Ärzte eine Schlafstörung – darunter Ein- und Durchschlafstörungen – festgestellt haben, um 67 Prozent zugenommen. Frauen leiden häufiger unter Schlafproblemen als Männer: Knapp 50 von 1.000 Frauen erhalten die Diagnose, bei den Männern sind es 31. Nicht nur bei den Geschlechtern, auch regional gibt es bei Schlafstörungen große Unterschiede: Am schlechtesten schlafen Menschen in Dortmund, Hamm, im Märkischen Kreis, in Bochum und im Rheinisch- Bergischen-Kreis (Abb. 1).

 

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Die wenigsten Probleme mit der Nachtruhe gibt es in Essen, im Kreis Siegen-Wittgenstein, Kreis Soest, Kreis Lippe und im Kreis Gütersloh (Abb. 2). 

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Negative Auswirkungen auf die körperliche und geistige Gesundheit

Akuter Schlafmangel beeinträchtigt nicht nur kurzzeitig das Wohlbefinden, sondern beeinflusst maßgeblich die Gesundheit. „Besonders Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Stoffwechsel-Erkrankungen und psychische Krankheiten wie Depressionen können die Folge chronischer Schlafstörungen sein“, so Prof. Dr. med. Peter Clarenbach, Neurologe und Schlafmediziner aus Bielefeld.

„Auswirkungen von Schlafstörungen in der Arbeitswelt unterschätzt“

Laut Barmer-Daten erhalten 26 Prozent der Patienten mit Schlafstörungen zusätzlich eine psychische Erkrankungsdiagnose. „Die Auswirkungen von Schlafstörungen auf die Gesundheit und das Leistungsvermögen in der Arbeitswelt wurden bisher drastisch unterschätzt“, betont Beckmann. In NRW sind Beschäftigte mit Schlafstörungen pro Jahr 56 Tage krankgeschrieben. Damit haben sie 36 Fehltage mehr als Kollegen mit anderen Erkrankungen. Ein Grund dafür ist, dass der Genesungsprozess bei Erkrankungen mit Schlafstörungen im Vergleich zu Krankheiten ohne begleitende Schlafstörung deutlich langsamer ist. 

Bus- und Straßenbahnfahrer am meisten betroffen

Der Barmer Gesundheitsreport zeigt, dass Menschen, die in Schicht- und Leiharbeit oder in einem befristeten Arbeitsverhältnistätig sind, häufiger unter Schlafstörungen leiden als andere Personen. Bei Bus- und Straßenbahnfahrern (Abb. 3) diagnostizieren Mediziner mit Abstand am häufigsten eine Schafstörung.

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Pharmazeutisch-technische Assistenten, Steuerberater und Ärzte gehören zu den Berufsgruppen mit den wenigsten Diagnosen.

Schlafmittel kommen zu häufig und lange zum Einsatz

Mehr als ein Drittel der Beschäftigten mit Schlafstörungen erhält nach Auswertungen der Krankenkasse Antidepressiva. Bei vielen Betroffenen kommen zudem Schlafmittel zu häufig und zu lange zum Einsatz. Eine psychotherapeutische Behandlung erfolgt dagegen nur selten oder zu spät. „Die medikamentöse Therapie mit Schlafmitteln bekämpft bei vielen Patienten nur die Symptome. Sie birgt zudem die Gefahr einer Abhängigkeit und Chronifizierung von Schlafstörungen. Ursächliche Therapien wie die kognitive Verhaltenstherapie bei Insomnie müssten mehr zur Anwendung kommen“, sagt Clarenbach. 

Tipps für guten Schlaf

Eine Umfrage der Barmer zeigt: 65 Prozent der Befragten nutzen im Schlafzimmer Smartphone, Tablet oder E-Book-Reader. „Wer abends am grellen Handydisplay liest, dienstliche Nachrichten beantwortet oder mit dem Tablet surft, ignoriert seinen inneren Taktgeber. Offline zu sein gehört wie der Verzicht auf Fernsehen beim Zubettgehen zu einer guten Schlafhygiene“, betont Clarenbach.

 

Webcode dieser Seite: p014945 Autor: Barmer InternetredaktionLetzte Aktualisierung: 26.03.2020
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