Nachahmerprodukte bei biotechnologischen Arzneimitteln: Biosimilars häufig verordnet

Beim Einsatz biotechnologisch hergestellter Arzneimittel und ihrer Nachahmerprodukte, den sogenannten Biosimilars, gibt es erhebliche regionale Unterschiede, wie der Barmer GEK Arzneimittelreport 2016 belegt. In Nordrhein und Westfalen-Lippe verordnen Ärzte ein Biosimilar statt des Originalpräparates mit einer Quote von 53,2 und 48,4 Prozent der Fälle besonders häufig (Bundesdurchschnitt 43 Prozent). "Angesichts steigender Arzneimittelausgaben wird der Druck immer größer, eine bestmögliche Versorgung zu bezahlbaren Preisen zu gewährleisten. Biosimilars sind hier ein zentraler Baustein", sagt Karsten Menn, Leiter Vertrag der Barmer GEK NRW. Die Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) sollten Ärzte deshalb strukturiert und intensiv zur Arzneimitteltherapie mit biotechnologisch hergestellten Präparaten informieren und so die Akzeptanz gegenüber Biosimilars erhöhen.

Versicherte profitieren von Einsparungen

Ein Biosimilar ist im Schnitt etwa 25 Prozent günstiger als das Originalpräparat. In den nächsten fünf Jahren könnten mehr als vier Milliarden Euro in der gesetzlichen Krankenversicherung eingespart werden — unter anderem durch den Einsatz von Biosimilars. Allein in NRW lag das Einsparpotenzial im vergangenen Jahr bei fast 3,2 Millionen Euro. Menn: "Die eingesparten Mittel können in andere innovative Medikamente fließen und kommen so den Versicherten zugute." Damit Biosimilars künftig eine größere Rolle in der Versorgung mit Biopharmazeutika spielen, haben Barmer GEK und KV Westfalen-Lippe im vergangenen Jahr einen Vertrag zur besseren Versorgung von Patienten mit einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung (CED) abgeschlossen, bei der Biopharmazeutika vornehmlich eingesetzt werden. Bis März 2016 ist die Quote der teilnehmenden Patienten mit CED, die mit dem Biosimilar Infliximab behandelt werden, bereits auf 50 Prozent gestiegen.

Hintergrund: Gesicherte Qualität und Wirksamkeit

Ein Biosimilar ist ein biologisches Arzneimittel, das eine Version des Wirkstoffs eines im europäischen Wirtschaftsraum bereits zugelassenen biologischen Arzneimittels (Referenzarzneimittels) enthält. Es muss diesem so ähnlich sein, dass es keine Unterschiede in Sicherheit und Wirksamkeit gibt. In Deutschland sind vier Nachahmerprodukte auf dem Markt: Somatropin wird bei Wachstumshormonmangel eingesetzt. Erythropoetin alpha dient zur Behandlung der Blutarmut von Dialysepatienten und nach aggressiven Chemotherapien. Mit Filgrastim wird die Abnahme weißer Blutkörperchen behandelt. Infliximab dient der Behandlung von Patienten mit rheumatischen und chronisch entzündlichen Darmerkrankungen.

Webcode dieser Seite: p006920 Autor: Barmer Erstellt am: 20.12.2016 Letzte Aktualisierung am: 20.12.2016
Nach oben