Joao Rodrigues LGF NRW
So sehe ich das

Gut, dass NRW bei der Reform des ambulanten Bereichs die Vorreiterrolle übernimmt

Lesedauer weniger als 3 Min

Liebe Leserinnen und Leser,

im stationären Bereich ist Nordrhein-Westfalen in den vergangenen Jahren vorangegangen. Die Krankenhausplanung, an der alle relevanten Akteurinnen und Akteure des Gesundheitswesens gemeinsam gearbeitet haben, ist erfolgreich in NRW umgesetzt worden und dient als Basis für eine bundesweite Reform. Für den ambulanten Bereich unterstützen Krankenkassen und Kassenärztliche Vereinigungen das Gesundheitsministerium in NRW nun erneut, um bei der Entwicklung von Reformideen eine bundesweite Vorreiterrolle zu übernehmen. Auch wenn eine notwendige Strukturreform selbstverständlich nur bundesweit gelingen kann, ist es völlig richtig, dass wir als bevölkerungsreichstes Bundesland dieses Vorhaben anstoßen. Das jüngst vorgestellte Eckpunktepapier des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales mit 15 konkreten Maßnahmen für eine bessere ambulante Versorgung unserer Versicherten ist ein Schritt in die richtige Richtung.

Kern des Papiers ist die Entwicklung eines verbindlichen Primärversorgungssystems – ein differenziertes Modell der Patientenkoordination auf Basis der hausärztlichen Versorgung. Erklärtes Ziel ist es, unter Einbindung digitaler Möglichkeiten die Patientinnen und Patienten in die richtige Versorgungsebene für ihren Behandlungsanlass zu navigieren. Die erste Anlaufstelle soll hierbei bis auf wenige Ausnahmen der Hausarzt sein, der bei Bedarf zum Beispiel eine Überweisung zum Facharzt ausstellt. So können doppelte und unnötige (Fach-) Arztbesuche deutlich verringert und dem Gesundheitssystem unnötige Kosten erspart werden. Gleichzeitig werden Freiräume im fachärztlichen Bereich geschaffen und die Versicherten erhalten zügiger eine optimale Versorgung.

Um diese Strukturreform im haus- und fachärztlichen Sektor stemmen zu können, kommt es auf verschiedene Faktoren an. Einer davon ist eine neue personelle Ausrichtung innerhalb der Praxen: Ein gut organisiertes Primärversorgungssystem nutzt die Kompetenzen verschiedener Berufe und entlastet die anderen Versorgungebenen. Haus- und Fachärzte müssen künftig deutlich stärker mit anderen Berufsgruppen wie Physician Assistants, Community Health Nurses und Advanced Nurse Practitioners kooperieren und sich mit anderen Leistungserbringern im System vernetzen.

Um diesen noch jungen kooperativen Bereich innerhalb des Systems zu entwickeln und zu verbessern, beteiligen wir uns als Barmer in NRW seit Anfang 2025 am Innovationsfondsprojekt „PAAM – Physician Assistants meet Allgemeinmedizin“. Das multizentrische Projekt unter der Führung des Instituts für Allgemeinmedizin (ifam) Essen wird durch den Innovationsfonds mit fast sieben Millionen Euro gefördert und möchte in einer Studie überprüfen, ob und wie der akademisierte Gesundheitsberuf des Physician Assistant im Rahmen der Delegation und Kooperation ärztliche Aufgaben übernehmen kann, um Ärzte zu entlasten, Patienten eigenständig zu behandeln und somit einen Beitrag zur zukünftigen Versorgung der Bevölkerung zu leisten. Konkret wird innerhalb des Projekts die kooperative Arbeit innerhalb der teilnehmenden Praxen in Westfalen-Lippe und Schleswig-Holstein sowie Niedersachsen und Thüringen unter die Lupe genommen.

Liebe Leserinnen und Leser, das NRW-Eckpunktepapier ist ein guter Start für einen dringend notwendigen Reformweg, den wir in Deutschland gehen müssen. Aus Nordrhein-Westfalen möchten wir auch das Signal an die Bundespolitik senden, dass Reformideen nicht mehr versickern dürfen. Es ist an der Zeit, das Gesundheitssystem auf sichere und solide Füße zu stellen. Für Abwarten und Hinauszögern bleibt keine Zeit mehr.

Dies gilt neben der medizinischen auch für die pflegerische Versorgung. Angesichts der steigenden Zahlen von Pflegebedürftigen seit 2017 muss auch hier ein Strukturwandel her, um die Pflegeversicherung dauerhaft finanzieren zu können. Dies haben wir mit unserem aktuellen Barmer-Pflegereport untermauert, um den es ebenso in dieser Ausgabe des Newsletters geht. Weitere Themen der „STANDORTinfo“ sind der Krankenhausreport der Barmer sowie das äußerst erfolgreiche NRW-Versorgungsprojekt „GLA:D“, das im Kampf gegen Hüft- und Kniearthrose nun bundesweit ausgerollt wird.

Ich wünsche Ihnen eine informative Lektüre und – falls Sie entsprechend planen – einen schönen und erholsamen Osterurlaub!

João Rodrigues, Landesgeschäftsführer der Barmer in Nordrhein-Westfalen