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Herausforderung für das Gesundheitssystem in NRW

Deutlich mehr Klinikfälle von Menschen mit Demenz

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Die Zahl der an Demenz erkrankten Menschen in Nordrhein-Westfalen wird in den nächsten Jahren deutlich ansteigen. Das geht aus dem aktuellen Barmer-Krankenhausreport hervor. Demnach wird die Zahl der Betroffenen von rund 361.000 im Jahr 2023 auf etwa 447.000 im Jahr 2040 steigen. Das entspricht einem Anstieg von knapp 24 Prozent. Außerdem wird die Zahl der Krankenhausfälle von Menschen mit einer Demenz von 242.000 auf 303.000 im Jahr 2040 anwachsen – ein Plus von 25 Prozent. „Für die Betroffenen ist ein Klinikaufenthalt besonders belastend. Das liegt nicht nur an dem ungewohnten Umfeld, in dem sie sich befinden, sondern auch an dem Wechsel der pflegerischen und ärztlichen Versorgung. Deshalb sollten wir Krankenhausaufenthalte von Menschen mit Demenz möglichst vermeiden“, sagt João Rodrigues, Landesgeschäftsführer der Barmer in Nordrhein-Westfalen.

Wie aus dem Krankenhausreport weiter hervorgeht, war im Jahr 2023 bei rund 53 Prozent der Krankenhausfälle von Menschen mit Demenz ein akuter Notfall – wie zum Beispiel ein Sturz – Anlass der Behandlung. Unter allen Krankenhauspatienten über 65 Jahren lag dieser Anteil mit 36 Prozent deutlich darunter. „Im Bereich der akuten Notfälle von Patientinnen und Patienten mit einer Demenz liegt ein hohes Präventionspotenzial. Mit einer konsequenten Förderung der Mobilität und gezielter Sturzprävention lassen sich Risiken für verletzungsbedingte Klinikaufenthalte deutlich senken“, so Rodrigues. Zum anderen könne der verstärkte Einsatz telemedizinischer Monitoring-Systeme helfen, Verschlechterungen des Gesundheitszustands frühzeitig zu erkennen und entsprechend entgegenzuwirken, um stationäre Aufnahmen zu vermeiden.

Laut Barmer-Report ist die Behandlung von Patienten mit Demenz besonders herausfordernd. Dazu gehört beispielsweise auch das Erkennen eines akuten Verwirrtheitszustands, also eines Delirs. Dieser wird oft übersehen oder für eine „normale“ Verhaltensauffälligkeit bei Demenz gehalten. Dabei handelt es sich um eine eigenständige, potenziell lebensgefährliche Komplikation. Bei drei Prozent aller Krankenhausfälle von Patienten über 65 Jahren kommt es zu einem Delir. Bei Demenzpatienten steigt dieses Risiko auf elf Prozent. „Es braucht spezielle Demenzkonzepte für Kliniken, die die fachliche und menschliche Begleitung Betroffener besonders berücksichtigen. In einem ersten Schritt bedarf es dafür bundesweit einer einheitlichen und evidenzbasierten Definition von Mindeststandards“, so der Landeschef der Barmer.

 

Fragen und Antworten:

Was ist typisch für das Krankheitsbild Demenz?

Am Anfang der Demenz sind häufig Kurzzeitgedächtnis und Merkfähigkeit gestört. Dabei ist eine Demenz weitaus mehr als eine Gedächtnisstörung. Die Erkrankung ist geprägt vom fortschreitenden Verlust kognitiver Fähigkeiten. Sie beeinträchtigt das Gedächtnis, das Denken, die Orientierung und die Persönlichkeit.

Warum ist ein Krankenhausaufenthalt für Menschen mit Demenz besonders herausfordernd?

Für Menschen mit Demenz bedeutet ein Krankenhausaufenthalt meist eine große Belastung. Die ungewohnte Umgebung, ein unstrukturierter Tagesablauf und fehlende Bezugspersonen können demenztypische Verhaltensauffälligkeiten verstärken. Dazu zählen etwa Weglauftendenzen, Unruhe oder aggressive Reaktionen. Unübersichtliche Raumstrukturen können zudem Desorientierung fördern.

Auf welchen Daten beruhen die Analysen der Barmer?

Die Analysen der Krankenkasse basieren auf Routinedaten von rund 8,7 Millionen Barmer-Versicherten der Jahre 2010 bis 2023. Die Werte wurden auf die Gesamtbevölkerung des jeweiligen Jahres hochgerechnet.

Sind einzelne Regionen Deutschlands stärker von Demenz betroffen als andere?

Ja, im Vergleich der einzelnen Bundesländer zeigen sich regionale Unterschiede. In NRW liegt die Rate mit 19,9 Betroffenen je 1.000 Einwohnerinnen und Einwohnern knapp unter dem Bundesschnitt von 20,3 je 1.000. Die höchsten Raten weisen die ostdeutschen Länder Sachsen (27,1 je 1.000), Sachsen-Anhalt (25,6 je 1.000), Brandenburg (25,1 je 1.000) und Thüringen (24,7 je 1.000) aus. Am niedrigsten sind die Betroffenheitsraten in Hamburg (17,3 je 1.000) und Baden-Württemberg (17,4 je 1.000).

Welche Gründe gibt es für diese regionalen Unterschiede?

Eine Erklärung für die regionalen Unterschiede kann in der Altersstruktur der Bundesländer liegen – so ist das Durchschnittsalter in den ostdeutschen Regionen höher als im Westen. Nach Ansicht der Report-Autoren können die regionalen Unterschiede aber nicht ausschließlich darin begründet sein.  Vor diesem Hintergrund untersucht die Barmer künftig im Rahmen des Projekts „RegioDem“ weitere mögliche Einflussfaktoren: etwa Unterschiede in Diagnose- und Dokumentationspraxis, im Zugang zur Versorgung oder in der Inanspruchnahme medizinischer Leistungen.