Pflege ist in Nordrhein-Westfalen nicht überall Familiensache

Düsseldorf (21.12.2016). In vielen Regionen Nordrhein-Westfalens ist Pflege längst nicht mehr nur Familiensache, wie der BARMER GEK Pflegereport 2016 zeigt. Während im Landkreis Aachen die meisten Pflegebedürftigen (rund 43 Prozent) von Angehörigen versorgt werden, sind es in Münster mit 19,69 Prozent die wenigsten. „Zwar bestimmt die Höhe des Einkommens, welche Form der Pflege man sich leisten kann. Aber die Situation im Ruhrgebiet verdeutlicht, dass dies als regionaler Faktor allein nicht ausschlaggebend ist“, betont Heiner Beckmann, Landesgeschäftsführer der BARMER GEK in NRW.
So werden in Duisburg 40,18 Prozent der Pflegebedürftigen von Angehörigen betreut, im nahe gelegenen Mülheim und in Dortmund dagegen 31,51 bzw. 29,87 Prozent. „Vielmehr spielen auch familiäre Netzwerke dabei eine Rolle, ob Familien die Pflege zuhause bewältigen können oder überhaupt wollen“, erläutert Beckmann.

Ambulante Pflegedienste sind in NRW unterschiedlich oft gefragt

Wenn Angehörige die Betreuung nicht oder nur teilweise übernehmen, kommen oft ambulante Pflegedienste zum Einsatz. Die Nachfrage ist in NRW unterschiedlich hoch. Der Anteil an Pflegebedürftigen, die professionell versorgt werden, ist in Gütersloh (43,78 Prozent), den Kreisen Borken (42,05 Prozent) und Steinfurt (41,47 Prozent) am größten. Am wenigsten kümmern sich Pflegedienste um Menschen im Rhein-Kreis Neuss (27,91 Prozent), Kreis Heinsberg (29,21 Prozent) und in Hagen (30,94 Prozent). „Doch ein geringer Anteil an Familienpflege führt nicht zwangsläufig zum höheren Prozentsatz professionell ambulant versorgter Menschen“, sagt Beckmann. In Münster etwa kümmerten sich ambulante Pfleger um 34,56 Prozent der Pflegebedürftigen – trotz niedriger Familienpflege-Quote.

„Höchste Zeit für mehr Unterstützung von pflegenden Angehörigen“

„Damit Pflege innerhalb der Familie dauerhaft funktionieren kann, müssen wir die Angehörigen noch mehr stärken“, unterstreicht Beckmann. Dafür seien flächendeckende Strukturen, beispielsweise in Form von speziellen Kompaktseminaren für pflegende Angehörige, und das Engagement aller Pflegekassen gefordert. Ein stabiles Netzwerk aus Familie und Freunden reduziere auch die Wahrscheinlichkeit dafür, dass Menschen in einem Heim gepflegt werden.

Stationäre Pflege – Münster und Kreis Olpe stechen heraus

So fällt der Anteil an Münsteranern, die in Pflegeheimen untergebracht sind, NRW-weit am höchsten aus (40,33 Prozent). Ebenfalls hoch ist der Anteil an stationär betreuten Pflegebedürftigen im Kreis Paderborn (35,89 Prozent) und in Hamm (35,39 Prozent). Die wenigsten Pflegebedürftigen leben in den Kreisen Olpe (21,89 Prozent), Aachen (22,69 Prozent) und Viersen (23,60 Prozent) im Pflegeheim.

Mehr Pflegebedürftige in Solingen, Herne und im Hochsauerlandkreis

Den höchsten Anteil an pflegebedürftigen Einwohnern in NRW hat der Kreis Euskirchen – dort haben 2,5 Prozent der Menschen eine Pflegestufe. Den niedrigsten Anteil an Pflegebedürftigen hat Wuppertal (1,46 Prozent).

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Den größten Zuwachs (0,68 Prozentpunkte) an Pflegebedürftigen gibt es in Solingen: 2,03 Prozent der Solinger sind pflegebedürftig. ©BARMER GEK
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Bis 2060 voraussichtlich plus 60 Prozent Pflegebedürftige in NRW

Insgesamt ist die Zahl der pflegebedürftigen Menschen in NRW seit 2011 um elf Prozent gestiegen. Bis zum Jahr 2060 erwarten die Autoren des Reports sogar eine Zunahme um mehr als 60 Prozent. „Dabei soll der Anteil pflegebedürftiger Männer voraussichtlich um 64 Prozent steigen. Bei den Frauen werden es 58 Prozent mehr sein“, sagt Beckmann. 

Kontakt für die Presse

Sara Rebein,
Barmer Landesgeschäftsstelle NRW
Telefon: 0800 333 004 45 11 31 oder 0211 700 490 31
Mobil: 016090456981
E-Mail: sara.rebein@barmer.de

 

Webcode dieser Seite: p006957 Autor: Barmer Erstellt am: 21.12.2016 Letzte Aktualisierung am: 21.12.2016
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