Weniger Magensäureblocker verordnet - Zahlen in NRW weiter besorgniserregend

Düsseldorf, 11. März 2021 – Bei der Verordnung von Magensäureblockern ist nach den massiven Anstiegen über viele Jahre hinweg nun eine Trendwende erreicht. Im Jahr 2019 verordneten Ärztinnen und Ärzte 12,3 Millionen Bundesbürgerinnen und Bundesbürgern mindestens einmal sogenannte Protonenpumpen-Inhibitoren (PPI), die vor allem gegen Sodbrennen, Magenentzündungen und -geschwüre helfen. Das sind 1,3 Millionen Betroffene weniger als noch im Jahr 2016, aber immer noch 61 Prozent mehr als 2006 (7,6 Millionen). Dies geht aus einer aktuellen Analyse der Barmer hervor. „Es ist ein erster Schritt in die richtige Richtung, dass nicht mehr so viele Patientinnen und Patienten Magensäureblocker verordnet bekommen. Hier scheint die kritische öffentliche Debatte über PPI endlich zu wirken. Denn deren langfristiger Einsatz kann das Osteoporose-Risiko erhöhen sowie Nierenerkrankungen, Magnesiummangel und Darminfektionen fördern“, sagt Heiner Beckmann, Landesgeschäftsführer der BARMER in NRW. Unter dem Strich würden aber immer noch zu viele Magensäureblocker verschrieben. Die hohen Verordnungsraten blieben rein medizinisch oder demografisch nicht erklärbar.


Enorm hoher Anteil in Nordrhein-Westfalen

Im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen werden im bundesweiten Vergleich die meisten PPI-Präparate verschrieben. 2019 bekamen 2,9 Millionen Patientinnen und Patienten in NRW mindestens einmal ein entsprechendes Medikament verordnet. Gegenüber 2016 (3,1 Millionen) entspricht das einem Rückgang um acht Prozent. Im Vergleich zu 2006 (1,7 Millionen) ist aber eine hohe Steigerungsrate von 86 Prozent zu verzeichnen. Die 2,9 Millionen Bürgerinnen und Bürger in der 2019er-Statistik entsprechen einem Anteil von 16,2 Prozent an allen Barmer-Versicherten. Mit diesem Wert liegt NRW im Vergleich der Bundesländer auf Platz drei. Höhere Anteile sind nur noch in Mecklenburg-Vorpommern (16,3 Prozent) und im Saarland (18,6 Prozent) zu verzeichnen. „Dieser hohe Anteil in Nordrhein-Westfalen ist weiterhin sehr besorgniserregend“, so Heiner Beckmann. 2006 hatte der Anteil in NRW noch 9,4 Prozent betragen.


Deutliche Anstiege bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen

Unterteilt in Altersklassen zeigt die Barmer-Analyse der bundesweiten Zahlen, dass vor allem Heranwachsende und junge Erwachsene zwischen den Jahren 2006 und 2019 trotz jüngster Rückgänge verstärkt Magensäureblocker verschrieben bekommen haben. So stieg der Anteil unter den 10- bis 14-Jährigen von 0,42 auf 1,15 Prozent. Das entspricht einem Zuwachs um 173 Prozent. Damit bekamen, hochgerechnet für Deutschland, im Jahr 2019 rund 42.500 Kinder und Jugendliche in dieser Altersgruppe Magensäureblocker verordnet. Unter den 15- bis 19-Jährigen stieg der Anteil um 165 Prozent, von 1,61 auf 4,27 Prozent, was über 168.000 der Personen dieses Alters entsprach. Bei den 20- bis 24-Jährigen lag das Plus bei 123,2 Prozent, und zwar von 2,64 auf 5,89 Prozent, also 272.000 junge Frauen und Männer. „Die Zahl junger Menschen mit PPI-Verordnungen ist zuletzt zwar leicht gesunken. Dennoch sind die Betroffenenraten nach wie vor viel zu hoch. Ein Grund dafür könnte sein, dass sich junge Menschen häufig unter Druck fühlen, was ihnen buchstäblich auf den Magen schlägt“, sagt der Barmer-Landeschef. Zudem sei in dieser Altersgruppe wenig bekannt über das gesteigerte Risiko für Osteoporose oder Niereninsuffizienz durch die Langzeiteinnahme der PPI.

 

Weniger Verordnungen, aber höhere Dosen

Bei der Analyse der Versicherten, die Magensäureblocker-Verordnungen erhalten haben, fällt eine gegenläufige Entwicklung auf. Einerseits bekommen die Betroffenen pro Jahr weniger Rezepte. Im Schnitt waren es im Jahr 2006 noch 2,9 Rezepte; in 2019 waren es 2,4 Verordnungen. Das entspricht einem Rückgang um gut 17 Prozent. Allerdings ist im selben Zeitraum die Summe der pro Jahr und Patientin bzw. Patient verordneten Tagesdosen um 100 Prozent gestiegen. „Es scheint, dass inzwischen verstärkt die Personen Magensäureblocker verschrieben bekommen, die sie dringend benötigen. Dabei kann es sich zum Beispiel um Menschen mit langwierigen oder chronischen Erkrankungen handeln, die pro Rezept eine größere Menge an Magensäureblockern verordnet bekommen“, sagt Beckmann. Das könne zu einer Zunahme der verordneten Tagesdosen pro Patientin oder Patient führen, weil der Bedarf für kurzdauernde oder niedrig dosierte PPI verstärkt durch die rezeptfreien Varianten abgedeckt würde.

Webcode dieser Seite: p016594 Autor: Barmer InternetredaktionLetzte Aktualisierung: 11.03.2021
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