Leiharbeit macht krank - 30 Prozent höherer Krankenstand wegen psychischer Störungen

Hannover, 20. Dezember 2017 - Leiharbeiter und Erwerbstätige in befristeten Beschäftigungsverhältnissen leiden stärker an psychischen Erkrankungen als ihre Kollegen in normalen Arbeitsverhältnissen. Nach dem aktuellen Gesundheitsreport der Barmer lagen im Jahr 2015 die Krankenstände wegen psychischen Störungen bei Arbeitnehmern in Leiharbeit sowie in befristeten Beschäftigungsverhältnissen um rund 30 Prozent höher als bei Arbeitnehmern in unbefristeten Beschäftigungsverhältnissen. „Gerade die Arbeitsplatzunsicherheit beeinflusst die Gesundheit der Menschen massiv“, sagt Heike Sander, Landesgeschäftsführerin der Barmer in Niedersachsen und Bremen.

Befristung sorgt für höheren Arzneimittelkonsum und längere Krankenhausaufenthalte

Beschäftigungsverhältnisse wie Leiharbeit und befristete Anstellungen nehmen seit Jahren zu. Rund 90.000 Menschen arbeiten in Niedersachsen in Leiharbeit, in Bremen sind es über 18.000. Während der Anteil der befristeten Arbeitsverhältnisse im Bund 2,7 Prozent ausmacht, sind es in Niedersachsen 2,8 Prozent und in Bremen sogar 4,7 Prozent – der Spitzenwert in Deutschland. Weitere warnende Hinweise für psychische Belastungen durch Arbeitsplatzunsicherheit sieht Sander auch in einem höheren Arzneimittelkonsum und längeren Krankenhausaufenthalten. „Das Volumen der verordneten Psychopharmaka lag bei befristet Angestellten im Jahr 2015 knapp 20 Prozent über dem Durchschnitt“, so die Kassenchefin. Auch die Verweildauer im Krankenhaus wegen psychischer Erkrankungen war bei Leiharbeitnehmern deutlich länger als gegenüber ihren Kollegen der Stammbelegschaft: im Jahr 2015 überstieg sie diese um über 60 Prozent. „Die Sorge um den Arbeitsplatz und die damit verbundenen Unsicherheiten für die Lebensplanung scheinen bei den Betroffenen so stark zu sein, dass sie zu psychischen Erkrankungen führen. Gesundheitliche Belastungen der Arbeitnehmer sind die Kehrseite flexibler Beschäftigungsmöglichkeiten der Arbeitgeber. Wirtschaft und Politik sollten die gesundheitlichen Auswirkungen prekärer Beschäftigungsverhältnisse sehr ernst nehmen“, mahnt Sander. „Betriebe müssen Prävention zu psychischer Erkrankungen verbessern, nicht nur für die Stammbelegschaft, sondern gerade und insbesondere auch für die Leiharbeitnehmer“, so Sander weiter.

Die Barmer bietet hierzu ein individuelles und flexibles „Firmenangebot Gesundheit“. Mehr unter: www.barmer.de/f000011

Webcode dieser Seite: p008751 Autor: Barmer Erstellt am: 20.12.2017 Letzte Aktualisierung am: 20.12.2017
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