Knappes Spenderblut: Patient Blood Management als Lösung

Hannover, 2. Juni 2020 – Durch die Corona-Pandemie werden in einigen Regionen die Blutkonserven knapp. Gleichzeitig kehren die Kliniken langsam zum Normalbetrieb zurück, was den Bedarf an Spenderblut erhöhen dürfte. „Blut ist eine kostbare Ressource, mit der sorgsamer umgegangen werden muss. Eine Möglichkeit, um Blutverluste und unnötige Transfusionen bei Krankenhausbehandlungen zu vermeiden, ist das Patient Blood Management“, sagt die Landesgeschäftsführerin der Barmer in Niedersachsen und Bremen, Heike Sander. Das Patient Blood Management (PBM) beruhe auf drei Säulen: der Anwendung von blutsparenden Operationstechniken, einem rationalen Umgang mit Blutkonserven sowie der Diagnose und Behandlung einer Blutarmut (Anämie) vor einem geplanten Eingriff. Etwa 30 Prozent der chirurgischen Patienten in Deutschland haben eine vorbestehende Anämie. Unbehandelt ist diese laut aktuellem Barmer-Krankenhausreport ein Risikofaktor für das Auftreten von Komplikationen sowie der Hauptgrund für die Gabe von Bluttransfusionen. Zudem ist die Sterblichkeit nach einer Operation erhöht, wenn eine Anämie vorliegt. Sander: „Das Patient Blood Management steigert die Patientensicherheit und für die Kliniken rechnet es sich nachweislich. Deshalb sollte es Standard sein. In Niedersachsen erhalten 6,6 Prozent der operierten Patienten eine Bluttransfusion, da ist noch Luft nach oben vorhanden.“ 

Weltmeister im Spenderblutverbrauch

Deutschland benötigt so viel Spenderblut pro Kopf wie kein anderes Land. Allein im Jahr 2017 wurden hierzulande mehr als 3,2 Millionen Blutkonserven eingesetzt. Je 1000 Einwohner wurden 39 Transfusionseinheiten benötigt. In den Niederlanden, wo das PBM verpflichtet ist, liegt der Pro-Kopf-Verbrauch laut Barmer-Krankenhausreport bei 24 Transfusionseinheiten je 1000 Einwohner. Würde Deutschland das niederländische Niveau erreichen, dann könnte jährlich die Gabe von 1,2 Millionen Einheiten vermieden und gleichzeitig die Sicherheit für die Patienten gesteigert werden. Denn eine Bluttransfusion ist bei allen Vorteilen auch eine Mini-Transplantation mit Risiken. „Warum sollen sich Patienten diesem Risiko unnötig aussetzen?“, fragt Heike Sander. Die Barmer-Landeschefin plädiert grundsätzlich für einen bewussteren Umgang mit Blutkonserven. Zwar habe die Corona-Pandemie den Mangel zugespitzt, aber „bedingt durch den demografischen Wandel werden weniger Blutspender mehr Empfängern von Fremdblut gegenüberstehen. Deshalb sollte mit den Ressourcen Eigenblut und Fremdblut grundsätzlich schonend umgegangen werden.“


Webcode dieser Seite: p015392 Autor: Barmer InternetredaktionLetzte Aktualisierung: 02.06.2020
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