Übung macht den Meister, oder doch nicht?

Wie kann Qualität in der medizinischen Versorgung sichergestellt werden? Für BARMER-Landeschef Henning Kutzbach ist die konsequente Umsetzung der Mindestmengen das Mittel der Wahl. 

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Dass Übung den Meister macht, ist allgemein bekannt. Auch in der Gesundheitsversorgung wird auf Erfahrung und Routine gesetzt. So sollen sogenannte Mindestmengenregelungen in Krankenhäusern sicherstellen, dass besonders komplexe medizinische Eingriffe nur dort stattfinden, wo Behandlungsteams über die erforderliche Erfahrung verfügen und Abläufe eingespielt sind.

Bisher galt jedoch auch, dass Ausnahmen die Regel bestätigen. Denn um alle Menschen in einer Region versorgen zu können, durften Länder für Krankenhäuser Ausnahmen machen. Das hat dazu geführt, dass auch dort Leistungen erbracht werden durften, wo möglicherweise nicht die erforderliche Erfahrung vorhanden ist. Das kann im Zweifelsfall zu Lasten der Qualität einer Behandlung gehen.

Mit dem „Gesetz zur Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung“ sollte eigentlich Schluss sein mit den Ausnahmen. Aber bekanntlich kommt ja auch oftmals alles anders als man denkt. So können die Länder weiterhin Ausnahmen von den Mindestmengenvorgaben machen, „wenn sonst die flächendeckende Versorgung der Bevölkerung gefährdet würde“.

Versorgung in der Fläche – das ist vor allem in Mecklenburg-Vorpommern ein Thema! Jedoch hat sich das Land auf die Fahne geschrieben, Gesundheitsland Nr. eins zu sein. Gerade deshalb sollte im Fokus der Gesundheitsversorgung immer die Frage nach der Qualität stehen. Damit Qualitätsvorgaben auch stringent umgesetzt werden, wäre aus meiner Sicht eine Streichung aller Ausnahmetatbestände von den Mindestmengenregelungen konsequenter gewesen.

Einen kleinen Erfolg gibt es jedoch: Über die Mindestmengenregelung entscheidet künftig die Landesbehörde auf Antrag des Krankenhauses im Einvernehmen mit den Landesverbänden der Krankenkassen und den Ersatzkassen. Die Aussetzung von Mindestmengenvorgaben ist jeweils auf ein Jahr befristet und muss danach neu beraten werden. Bleibt zu hoffen, dass die Qualität in der Versorgung so sicherzustellen ist. 

Mehr zum Thema Mindestmengen lesen Sie auch in unserem Report "Stationäre Mindestmengen in Deutschland und der Schweiz: Zwischen Evidenz und Praxis"

Webcode dieser Seite: p016975 Autor: Barmer InternetredaktionLetzte Aktualisierung: 18.06.2021
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