Im Gespräch mit Prof. Dr. Christoph Benz: Zahnärzte für die Pflege gewinnen

Prof. Dr. Christoph Benz, Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Alterszahnmedizin, weiß um  die immer größere Wichtigkeit der Pflegezahnmedizin. „Senioren besitzen heute immer mehr natürliche Zähne und komplexe Versorgungen, gleichzeitig steigt die Zahl Pflegebedürftiger gerade in Deutschland besonders deutlich an. Fehlt die richtige Pflege und die zahnmedizinische Betreuung, wird vieles in kurzer Zeit zerstört, Schmerzen entstehen und Kaufunktion geht verloren“, erklärt er . Für den Zahnarzt stellt sich das Problem, dass multimorbide und nicht selten immobile Patienten in Heimen oder im häuslichen Umfeld betreut werden müssen. Die Zahnmedizin beschäftigt sich nun schon seit über 20 Jahren mit diesen Themen und ist konzeptionell gut aufgestellt.

Pflegezahnmedizin wird immer wichtiger

Aus dem BARMER Zahnreport 2018 lässt sich nun zum ersten Mal ablesen, was von diesen Konzepten tatsächlich beim Pflegebedürftigen ankommt. Für das Jahr 2016 zeigt sich, dass Zahnärztinnen und Zahnärzte 21 Prozent der pflegebedürftigen BARMER-Versicherten im Heim oder zuhause aufgesucht haben. „Es dürfte sich dabei um Menschen in der allerletzten Lebensphase gehandelt haben. Menschen, die eine Praxis nicht mehr aufsuchen können, und deren subjektive Wahrnehmung scheinbar kleine, für sie selbst aber besonders wichtige Wünsche an die Zahnmedizin hat: hier eine entzündete Tasche, dort ein „Loch“ oder eine scharfe Zahnkante“, so Christoph Benz. Nach dem BARMER Zahnreport hat jeder der betreuten Patienten im Durchschnitt 1,84 Leistungen erhalten, und bei nahezu jedem Patienten mit natürlichen Zähnen erfolgte eine Zahnreinigung. „So merkwürdig es klingen mag, sind es gerade vorbeugende Leistungen – Zahnreinigung, schützende Lacke – die im hohen Alter besonders wichtig sind. Neuer Zahnersatz oder Implantate machen im allerletzten Lebensabschnitt ebenso wenig Sinn wie vielleicht künstliche Hüften oder neue Kniegelenke“, weiß Benz.

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Foto: BARMER

Alterszahnmedizin in die Ausbildung integrieren

Heute schon muss jede zahnärztliche Praxis rechnerisch 71 Menschen mit Pflegegrad betreuen. Mit den deutlich steigenden Zahlen wird es immer wichtiger, Zahnärztinnen und Zahnärzte für die schwierigen Aufgaben in der Pflege zu gewinnen. „Hier ist es besonders problematisch, dass sich die Studentinnen und Studenten gerade in der Pflegezahnmedizin besonders schlecht ausgebildet fühlen. Die Hochschule muss uns hier schnell unterstützen“, fordert  Christoph Benz.


 

Webcode dieser Seite: p010348 Autor: Barmer Erstellt am: 27.09.2018 Letzte Aktualisierung am: 16.10.2018
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