Jung und häufig krank

Generation Z am Start des Berufslebens

Schwerin, 14.02.2017 - Sie sind jung und trotzdem sehr häufig krank. Auf 100 Personen im Alter zwischen 15 und 30 Jahren kommen 215 Krankmeldungen im Jahr. Auf 100 Versicherte kommen ansonsten durchschnittlich nur 150 Meldungen zur Arbeitsunfähigkeit in Mecklenburg-Vorpommern. Diese Zahlen stellte die Barmer in ihrem aktuellen Gesundheitsreport in Schwerin vor. In der jungen Altersgruppe dauern die Krankheiten dagegen nur kurz, erläutert der Landesgeschäftsführer der Krankenkasse, Henning Kutzbach die Ergebnisse der Studie. Lediglich 16 Tage bleiben die jungen Beschäftigten pro Jahr zu Hause. Der Durchschnitt aller Versicherten liegt im Nordosten bei 21 Tagen und damit weit über dem Vergleichswert von 18 Tagen auf Bundesebene.

Ernste Erkrankungen

Sorgen macht sich die Barmer jedoch über die hohen Betroffenheitsquoten. Schon in jungen Jahren sind bereits mehr als ein Drittel (36,44 %) von Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems betroffen. Mehr als 16 Prozent leiden unter Rückenschmerzen. Bereits bei knapp einem Viertel der 16- bis 30-Jährigen (24,66 %) wurde mindestens einmal im Jahr eine psychische Erkrankung diagnostiziert. Vor allem „somatoforme Störungen“, also körperliche Beschwerden, die offenbar keine organischen Ursache haben, und „Reaktionen auf schwere Belastungen und Anpassungsstörungen“ werden festgestellt. Henning Kutzbach will bei den Arbeitgebern für mehr Aufmerksamt bei Auszubildenden und jungen Arbeitsnehmern werben. „Unsere Erfahrungen zeigen, dass diese Zielgruppe bei der Betrieblichen Gesundheitsförderung nicht genügend im Fokus steht. Die Barmer hat spezielle Programme für junge Menschen im Betrieb entwickelt, die einfach umzusetzen sind“.

Generation Z am Start des Berufslebens

Junge Arbeitnehmer sind eine Herausforderung für Unternehmen, sagt Prof. Christian Scholz von der Universität des Saarlandes. Der Betriebswirt beschäftigt sich wissenschaftlich mit der sogenannten Generation Z, die Jugendliche bis 25 Jahre umfasst. Nach seinen Untersuchungen will die „Generation Z“ eine deutliche Unterscheidung zwischen Berufs- und Privatleben und sieht z. B. Vertrauensarbeitszeit sehr kritisch. Wichtig ist dagegen der eigene Schreibtisch, der möglichst nicht im Großraumbüro steht. „Viele Unternehmen können mit diesen neuen Einstellungen wenig anfangen und wundern sich dann, wenn sie im Wettbewerb um junge Arbeitskräfte unterliegen“, berichtet Prof. Christian Scholz über seine Erfahrungen.

Beruf und Familie vereinbaren

Dabei ist die Generation Z durchaus engagiert. Nach einer Untersuchung von Prof. Scholz wollen 82 Prozent ihre Leidenschaft zum Beruf machen und immerhin 39 Prozent können sich vorstellen, als Führungskraft zu arbeiten. Dabei werden jedoch Überstunden von 37 Prozent der Befragten abgelehnt. Ganz oben auf der Wunschliste steht die Gründung einer eigenen Familie (76 Prozent) und damit eng verbunden der Wunsch Beruf & Familie miteinander zu vereinbaren (82 Prozent). Etwas vereinfachend, so Prof. Scholz, könnte man die Erwartung der Generation Z an die Arbeitswelt mit dem „Pippi-Langstrumpf-Prinzip“ umschreiben: „Man möchte das kleine Haus, die Sicherheit, die Struktur und eine gewisse Beschaulichkeit“. Für die Arbeitgeber bedeutet das nicht, diesen Bedürfnissen immer gerecht werden zu müssen. „Die Welt ist kein Wunschkonzert und die Arbeitswelt erst recht nicht. Aber man muss sich mit den Wünschen auseinandersetzen und bereit sein, diese neuen Einstellungen in die Arbeitswelt zu integrieren“.

Weitere Informationen

Ergänzende Infografiken zum Thema finden Sie in der zum Download zur Verfügung gestellten PDF-Datei dieser Pressemitteilung (PDF 2,55 MB).

Zur Person: Prof. Christian Scholz

Prof. Christian Scholz
Univ.-Prof. Dr. Christian Scholz (orga.uni-sb.de) wurde 1986 an die Universität des Saarlandes berufen. Von 1990 bis 2014 war er Herausgeber der Zeitschrift für Personalforschung (ZfP), von 2001 bis 2007 Mitglied des Vorstandes der Deutschen Gesellschaft für Personalführung (DGfP). Zu seinen wichtigsten Büchern zählen zwei Lehrbücher zum Personalmanagement sowie die Trend-studie zum Darwiportunismus (2003) und zur „Generation Z“ (2014): Diese nach 1990 Geborenen sind neben der digitalen Transformation aktuell sein zentrales Interessengebiet.  Christian Scholz kam sechsmal auf die Liste der 40 führenden Köpfe im Personalwesen und danach 2015 in die „Hall of Fame“. Er publiziert in wissenschaftlichen Zeitschriften, schreibt regelmäßig Kolumnen und bloggt seit 2006 als „Per Anhalter durch die Arbeitswelt“.

Er ist auch der Autor des Buchs "Generation Z", erschienen im Wiley-Verlag:
Buchcover Generation Z

Webcode dieser Seite: p007215 Autor: Barmer Erstellt am: 13.02.2017 Letzte Aktualisierung am: 13.02.2017
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