Keine Scheu vor Herzdruckmassage bei Kindern

Schwerin, 7. September 2017 -  Wenn das Herz von Kindern oder Säuglingen aufhört zu schlagen, schrecken Laien bisweilen aus Unsicherheit vor einer Wiederbelebung zurück. Dabei ist Erste Hilfe bei Kindern noch wichtiger, als sofort professionelle Hilfe zu holen. Darauf weist die Barmer anlässlich des Tages der Ersten Hilfe hin. Eine neue App hilft bei Notfällen mit Kindern.

„Kindliche Organe reagieren empfindlicher auf Sauerstoffmangel, deshalb kann bei ihnen schon ein verlangsamter Herzschlag lebensbedrohlich sein“, erklärt Dr. Ursula Marschall, leitende Medizinerin der Barmer. Deshalb gilt bei Kindern ganz besonders: Jede Reanimation ist besser als keine. Marschall: „Wenn die Ersthelfer alleine vor Ort sind, dann sollen sie sofort mit der Wiederbelebung beginnen und erst nach einer Minute den Notruf 112 wählen.“

Zwei Finger für Herzdruckmassage bei Babys

Wichtigste Reanimationsmaßnahme ist die Herzdruckmassage. Dabei muss der Brustkorb unterhalb des Brustbeins eingedrückt werden, und zwar um circa ein Drittel. Bei Kleinkindern sind das etwa vier Zentimeter, bei Schulkindern fünf. "Kinderkörper wirken zerbrechlich. Doch eine Verletzung durch zu festes Drücken ist im Zweifelsfall weniger gravierend als die Folgeschäden einer unterlassenen Wiederbelegung“, betont Marschall. Auch bei Kindern sollten Laien daher fest, schnell und ohne Pausen mit ein bis zwei Händen drücken, um das Herz wieder zum Schlagen zu bringen. "Bei unter Einjährigen reichen zwei Finger für die Herzdruckmassage."

Atemspende ja, tief Luft holen nicht unbedingt

Bei Kindern kommt es am häufigsten durch blockierte Atemwege zur Bewusstlosigkeit und damit zum Herzstillstand. Deshalb sollte vor der ersten Herzmassage fünfmal für jeweils eine Sekunde Atemluft durch den Mund und/oder die Nase in die Lunge des Kindes geblasen werden, dann erneut nach jeweils 30 Brustkompressionen. Marschall: "Kinderlungen können nicht so viel Luft aufnehmen, deshalb ist bei der Mund-zu-Mund-Beatmung normales Ausatmen ausreichend, man muss vorher nicht tief Luft holen.“ Weitere Informationen zum Thema liefern die Broschüre "Erste Hilfe am Kind" und die Internetseite der BARMER www.barmer.de/s000093.

Neue App unterstützt bei Notfällen

Eine neue App der Barmer und der Johanniter-Unfall-Hilfe mit Unterstützung des Universitätsklinikums Münster soll dazu beitragen, dass Mütter, Väter, aber auch andere, die regelmäßig mit Kindern zu tun haben (Erzieher, Lehrer, Jugendgruppenleiter, Sporttrainer u.a.) gut auf Kindernotfälle vorbereitet sind und im Ernstfall schnell und richtig reagieren können. „Die Kindernotfall-App soll weder den Arzt noch den Erste-Hilfe-Kurs ersetzen. Sie kann aber eine wertvolle Stütze sein, bis professionelle Hilfe eintrifft. Wir können Eltern daher nur ermutigen, die App auf ihr Handy zu laden, auch wenn wir alle hoffen, dass ein Notfall niemals eintritt“, sagt Henning Kutzbach, Landesgeschäftsführer der Barmer in Mecklenburg-Vorpommern.

Die Kindernotfall-App funktioniert auf Android und iOS und ist kostenlos im Google Play Store und im Apple App Store erhältlich.

Webcode dieser Seite: p008233 Autor: Barmer Erstellt am: 07.09.2017 Letzte Aktualisierung am: 07.09.2017
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