Trotz hoher Impfraten haben viele Kinder keinen Impfschutz

In Hessen gibt es trotz steigender und im bundesvergleich hoher Impfquoten noch deutliche Impflücken bei Kleinkindern und Jugendlichen. So war jedes sechste im Jahr 2015 geborene Kind in den ersten beiden Lebensjahren nicht oder nur unvollständig gegen Masern geimpft. Im Jahr 2017 waren damit landesweit über 9.000 Zweijährige ohne vollständigen Masernschutz. Zudem war jede sechste Zweijährige, also etwa 4.500 Mädchen, nicht vollständig gegen Röteln geimpft.

Impfstrategie des Landes nimmt Fahrt auf

3,1 Prozent der 2015 in Hessen geborenen Kinder hatten in den ersten beiden Jahren demnach überhaupt keine der 13 Impfungen erhalten, die die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt. Das entspricht knapp 1.700 ungeimpften Mädchen und Jungen in Hessen. „In Hessen werden im bundesweiten Vergleich zwar hohe Impfquoten erreicht. Trotzdem sind immer noch zu wenige Kinder geimpft. Das macht die Ausrottung bestimmter Infektionskrankheiten unmöglich und verhindert den Schutz für alle diejenigen, die sich nicht impfen lassen können. Wir brauchen zielgruppenspezifische Impfkampagnen, um die Skepsis und mögliche Ängste vor Impfungen abzubauen“, so Landesgeschäftsführer Norbert Sudhoff. Er begrüßte deshalb die neue Impfkampagne der Hessischen Landesregierung. „Sie kommt genau zum richtigen Zeitpunkt und ist ein guter Mix aus Information und Unterhaltung.“

Impflücken auch bei den älteren Kindern und Jugendlichen

Laut Arzneimittelreport gibt es aber nicht nur Impflücken bei den Kleinsten, sondern auch bei älteren Kindern. So wurde bei den hessischen Kindern im einschulungsfähigen Alter nur bei drei (Masern, Mumps, Röteln) der 13 wichtigsten Infektionskrankheiten eine Durchimpfungsrate von über 90 Prozent im Jahr 2017 erreicht. Dabei wäre für eine ausreichende „Herdenimmunität“, die auch ungeimpften Personen Schutz bietet, eine Immunisierungsrate von mindestens 95 Prozent erforderlich.

Masern sind eine der ansteckendste Infektionskrankheiten

„Die pädiatrischen Fachgesellschaften begrüßen ausdrücklich die bundesweite Initiative zur Stärkung der Impfprävention“, betonte Dr. Ralf Moebus, Landesvorsitzender des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ). „Masern sind eine der ansteckendsten Infektionskrankheiten. Mindestens eine von tausend Masernerkrankungen verläuft tödlich“. Die Impflücken bei Masern seien weiterhin zu groß, um die Erkrankung in Deutschland zu eliminieren. Moebus wies aber auch darauf hin, dass vor allem ältere Jugendliche und junge Erwachsene bis zurück zum Geburtsjahrgang 1971 erhebliche Impflücken aufweisen, da diese Personengruppen im Kindesalter nicht ausreichend geimpft wurden. „Viele von ihnen kennen ihren bestehenden Impfbedarf gar nicht“, so Moebus, „darum müssen wir konsequent an Impfungen erinnern und die Überprüfung des Impfstatus für alle von der STIKO empfohlenen Impfungen unbedingt im Auge behalten.“

Grafik regionale Unterschiede bei Masernimpfungen


Webcode dieser Seite: p012530 Autor: Barmer InternetredaktionLetzte Aktualisierung: 29.11.2019
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