Black-Box Pflege-WG: Alternative Pflege-Wohnformen liegen im Trend brauchen aber dringend Transparenz und Qualitätsmaßstäbe

Mehr persönliche Freiheit, ein hohes Maß an Selbständigkeit, ein starkes soziales Miteinander mit familienähnlichen Strukturen – es gibt viele attraktive Merkmale, die mit neuen ambulanten Pflege-Wohnformaten in Verbindung gebracht werden. Kein Wunder also, dass zwischen häuslicher und stationärer Pflege unterschiedliche „Hybridwohnmodelle“ an Bedeutung gewonnen haben. Dem Wunsch nach einem möglichst eigenständigen Leben kommen vor allem Pflege-WGs sehr nahe. „Aktuell haben sich etwa 700 Pflegebedürftige in Hessen für diese alternative Wohnform entschieden “, so Thomas Steingass Referent für Pflege bei der BARMER in Hessen. Er beruft sich dabei auf Auswertungen seiner Kasse im jüngsten Pflegereport. Genaue Zahlen gebe es allerdings nicht. Beunruhigend sei, dass niemand sagen könne, wie viele und welche Angebote es gebe. Es fehle derzeit auch in Hessen an transparenten Übersichten über die Angebote vor Ort und deren Qualität.

Alternative Wohnformen liegen im Trend

Im Jahr 2018 waren über 260.000 Menschen in Hessen pflegebedürftig. 80 Prozent bezogen Leistungen entsprechend der Pflegrade zwei und drei. Leben in den eigenen vier Wänden ist weiterhin die beliebteste Wohnform. Etwa 145.000 Pflegebedürftige beziehen Pflegegeld – ein Indiz dafür, dass sie ihr Leben in den eigenen vier Wänden selbst oder mit Hilfe von Angehörigen organisieren. Etwa 60.000 Pflegebedürftige werden dabei von einem Pflegedienst unterstützt, sie beziehen Pflegesachleistungen. „Wer seine eigenen vier Wände verlässt und sich für eine alternative Pflege-Wohnform interessiert, sucht vor allem mehr Lebensqualität“, weiß Bernd Köhler vom Pflegestützpunkt Darmstadt-Dieburg. Mittlerweile gibt es diverse Wohnformen mit unterschiedlichsten Angeboten, angefangen von Seniorenwohngemeinschaften, Seniorendörfer bis hin zu Gastfamilienmodellen. „Auch als Pflegestützpunkt kennen wir die Angebote oft nicht im Detail und können Ratsuchende deshalb kaum in ihrer Entscheidung unterstützen“, berichtet Köhler aus der täglichen Praxis.

Qualität darf nicht auf der Strecke bleiben

Das Hessische Gesetz über Betreuungs- und Pflegeleistungen (HGBP) schließt neue Wohnformen explizit aus. Die Erfassung von Pflege-WGs wird zum Beispiel ausschließlich über Pflegedienste abgebildet, die anzeigen müssen, wenn sie in einem Haushalt mehr als zwei Personen versorgen. Ambulante Pflege WGs unterliegen zwar keinen Qualitätssicherungsverfahren wie stationäre Pflegeinrichtungen sind dennoch in ihrer der Finanzierung weitaus teurer. Das liegt an den zahlreichen Kombinationsmöglichkeiten aus den Leistungsangeboten der Pflege- und der Krankenversicherung. Neue Pflege-Wohnformen sind Modelle für die Zukunft. Die Landesregierung sollte deshalb jetzt die gesetzlichen Rahmenbedingungen für Gesundheitssicherheit, Transparenz und Qualität schaffen.

Webcode dieser Seite: p014636 Autor: Barmer InternetredaktionLetzte Aktualisierung: 10.02.2020
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