23. Symposium zum Gesundheitsmanagent in Marburg: Digitalisierung als Chance im regionalen Versorgungsbedarf

Die Kalkulation und Gestaltung regionaler Versorgungsbedarfe unter den aktuellen politischen, ökonomischen und digitalen Bedingungen war Gegenstand des 23. Symposiums zum Gesundheitsmanagement, das am 04. April in Marburg stattfand. In Vorträgen und Diskussion nahmen die Themen regionale Netzwerkmedizin und Digitalisierung  prominente Positionen ein. Bereits mit dem Eröffnungsvortrag etablierte Dr. Peter Brückner-Bozetti die Idee von der ‚Digitalisierung als Chance‘, die verschiedentlich aufgegriffen wurde.

Zukunftsfähige Medizinstrategien für den Klinikbereich

In den Plenarvorträgen stellten Dr. Matthias Bracht (Klinikum Region Hannover) und Prof. Bernd Griewing (Rhön Klinikum) zukunftsfähige Medizinstrategien für den Klinikbereich vor. Bracht sprach sich für umsichtigen, pragmatischen Realismus zur Organisation der Versorgung aus und betonte insbesondere die Potentiale vernetzter Telediagnostik. Das integrierte, sektorenübergreifende Angebot des Rhön-Campus-Konzepts setze auf ein umfassendes digitales Informations-, Vernetzungs- und Kommunikationsmodell. Telemedizin, Datenbanken, Kommunikation, Archive und Verwaltung werden auf das Fundament einer leistungsstarken IT gestellt, führte Prof. Griewing aus. Die Zukunftssicherheit dieses Modell wird sich wohl entlang der Frage entscheiden, ob die Prämisse ‚digital vor ambulant vor stationär‘ werthaft für Patienten und Versicherte wirksam wird. Ebenfalls im Rahmen der Plenarvorträge stellte Dr. Martin Albrecht (IGES-Institut Berlin) eine datennahe, kritische Methodologie der Bedarfskalkulation vor. Bedarf sei als normatives Konstrukt in ständiger Aushandlung; zudem entziehe sich die Komplexität des konkreten Lebens der vollständigen Verdatung und den Algorithmen: Digitaler Verfahren zum Trotz, Schwankungen und Unsicherheiten bleiben statistisch weitgehend stabil.

Digitalisierung - eine Herausforderung für alle Akteure im Gesundheitswesen

Die Plenarvorträge konnten mithin zeigen, der Begriff Digitalisierung hat im Kontext von Medizin- und Gesundheitsfragen keine einheitliche Bedeutung. Er hat vielmehr die Gestalt seines Umfeldes angenommen. Digitalisierung ist also ebenso vielschichtig und multidimensional wie das Gesundheitswesen selbst und besteht aus einer Vielzahl politischer, ökonomischer, sozialer und auch ethischer Dimensionen, die keine Logik mehr voneinander trennen kann. Die Digitalisierung des Gesundheitswesens bedeutet folglich vieles zugleich; mit dieser Komplexität müssen Ärzte, Krankenkassen, Politik, Patienten und Versicherte derzeit und zukünftig gleichermaßen umgehen. Weitgehender Konsens bestand jedoch in der Diskussion darüber, dass man hinsichtlich zukunftsweisender Initiativen eher entschlossenen, einzelnen Akteuren des Medizinsektors traue, als der Politik.

Digitalisierung im Gesundheitswesen braucht politischen Willen

Das Symposium beleuchtete im weiteren Verlauf in drei Panels ländliche Versorgungsregionen, Ballungsräume sowie die besondere Stellung von Darmzentren.
Norbert Sudhoff, Landesgeschäftsführer der BARMER Hessen, stellte Telemedizin und Digitalisierung der Gesundheitsversorgung in das Zentrum seines Vortrages. Mit Blick auf die ab 1. Januar 2021 gesetzlich verbindliche elektronische Patientenakte argumentierte er Digitalisierung als gesamtgesellschaftliche Entwicklung, die ohne Politik nicht auskomme. Sudhoff machte deutlich, Digitalisierung sei nicht ausschließlich eine Frage neuer Technologien, sondern vielmehr eine Frage mehrwertorientierter Verbindungen zwischen bestehenden Systemen und Angeboten. Für den hier nötigen Strukturwandel brauche es politischen Willen, nicht nur auf Seiten der Bundes- bzw. Landespolitik. Diese sei jedoch in Fragen der Datensicherheit und Infrastruktur besonders gefordert. Einigkeit bestand zwischen den Positionen von Norbert Sudhoff und Dr. Matthias Bracht. Beide Redner konturierten die Digitalisierung des Gesundheitswesens auch als Bildungsideal, das alle Bürger betreffe, und betonten die Wichtigkeit von Information und transparenter Kommunikation.
Gewissermaßen passend stellte Xaver Frauenknecht in seinem Abschlussvortrag das Konzept des Bamberger Quartierbüros vor, das Versorger, Dienstleister und ehrenamtliche zusammenführt. Insbesondere für Altersversorgung und Pflegebedarf setzt das Konzept auf gesellschaftlichen Zusammenhalt und Solidarität.
Die Digitalisierung als Chance des Gesundheitswesens – dies zeigte das Symposium – braucht sowohl die mutige Initiative Einzelner als auch demokratischen Konsens. Zukünftige Veränderungen werden wohl auch maßgeblich von den erfreulich zahlreichen studentischen Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Veranstaltung gestaltet werden.

Webcode dieser Seite: p011322 Autor: BarmerLetzte Aktualisierung am: 17.04.2019
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